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90PLUS » Enttäuschende Kroaten und Nmecha-Durchbruch? Die Redaktionsprognosen zur WM
WM 2026

Enttäuschende Kroaten und Nmecha-Durchbruch? Die Redaktionsprognosen zur WM

Till Gabriel
10.06.26, 16:52
Till Gabriel
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Felix Nmecha, WM
Foto: Getty Images

Am Donnerstag geht es endlich los, die WM 2026 beginnt! Höchste Zeit, die 90PLUS-Redaktion in die Kristallkugel blicken zu lassen.

Wie schon vor 16 Jahren eröffnen Mexiko und Südafrika das reichweitenstärkste Sportevent der Welt. Bevor es endlich losgeht, geben unsere Redakteure Philipp Overhoff, Michael Bojkov und Jakob Haffke ihre Tipps ab. Wie weit geht es für die DFB-Elf? Wer holt sich den Titel? Und wer enttäuscht bei der WM 2026 auf ganzer Linie? Ein Hot Take darf natürlich auch nicht fehlen.

DFB-Team: Mehr Dark Horse als Mitfavorit?

Die DFB-Elf geht mit einer ungewissen Erwartungshaltung in die WM. Was traust du der deutschen Auswahl in Nordamerika zu und wann kann die WM als Erfolg bezeichnet werden?

Philipp Overhoff: Ich traue der deutschen Nationalmannschaft vor allem eines zu: Den – zusammen mit Spanien – schönsten und attraktivsten Fußball bei dieser WM zu spielen. Das technische Grundniveau der Mannschaft ist herausragend hoch, kaum ein anderes Nationalteam ist im eigenen Ballbesitz so facettenreich.

Da die deutsche Mannschaft aller Voraussicht nach schon im Achtelfinale auf Frankreich trifft, gehe ich allerdings nicht von einem tiefen Turnier-Run aus. Bei einem derart frühen Ausscheiden kann die WM aus DFB-Sicht natürlich niemals als Erfolg bezeichnet werden. Da kann man noch so ansehnlich spielen. Aber gerade im Duell mit absoluten Top-Mannschaften wie Frankreich macht mir die oftmals mangelnde Konterabsicherung große Sorgen. Auch die Fähigkeit, mal über fünf bis zehn Minuten im tiefen Blick zu verteidigen, geht diesem Kader leider völlig ab.

Julian Nagelsmann
Foto: Getty Images

Michael Bojkov: Für mich ist Deutschland bei dieser WM eine Wundertüte. Innerhalb der Mannschaft scheint ein sehr positives Klima zu herrschen. In Sachen Kreativität und Spielwitz gehört die DFB-Elf trotz des Karl-Ausfalls und eines noch nicht wieder „alten“Musialas zu den Besten der Welt, hinten kann Neuer in K.o.-Spielen nach wie vor der Gamechanger sein und an Turniererfahrung mangelt es der trotz in Teilen jungen Mannschaft ohnehin nicht.

Die größte Baustelle bleibt die Konterabsicherung und die Frage, ob Deutschland taktisch und in Teilen auch individuell reif genug ist, um gegen die absoluten Schwergewichte zu bestehen. Und das erste davon wird mit Frankreich bereits im Achtelfinale warten. Wer mich auf eine Prognose festnagelt, bekommt die ernüchternde Antwort, dass es schon gegen die Équipe Tricolore knapp nicht reichen wird.

Um die WM zumindest annähernd als Erfolg zu bezeichnen, muss aber, glaube ich, mindestens das Halbfinale erreicht werden. Zuzutrauen wäre es der DFB-Elf und wenn alle Rädchen ineinandergreifen, ist selbst ein Finaleinzug und der Titelgewinn keinesfalls unrealistisch. Wundertüte eben.

Jakob Haffke: Aus meiner Sicht zählt Deutschland definitiv nicht zu den Topfavoriten. Bei einem guten Turnierverlauf ist aber natürlich trotzdem vieles drin. Der Kader ist weiterhin mit (sehr) guten Spielern gespickt, die in der Theorie auch durchaus gut zusammen passen können. Angesichts des schweren Turnierbaums und des zweimaligen Ausscheidens in der Gruppenphase wäre für mich aber dennoch bereits das Erreichen des Viertelfinales ein Erfolg.

Auf der großen WM-Bühne haben in den vergangenen Jahren immer wieder spätere Superstars ihren großen Durchbruch gefeiert. Welche Talente können der WM 2026 ihren Stempel aufdrücken?

Philipp Overhoff: Felix Nmecha ist mit 25 Jahren zwar kein Talent mehr, aber ich gehe davon aus, dass die Fußball-Welt in den kommenden Wochen erstmals so richtig begreifen wird, wie gut dieser Typ eigentlich ist. Aus dem klassischen Talente-Regal erwarte ich einiges von Nico O‘Reilly und Warren Zaïre-Emery. Oder von Samir El Mourabet und Kento Shiogai, um mal Namen zu nennen, die noch keine Top-Stars sind.

Michael Bojkov: Ich bin extrem gespannt auf den 18-jährigen Ayyoub Bouaddi, der im März noch für Frankreichs U21 auflief und nach seinem Verbandswechsel im letzten Moment auf den marokkanischen WM-Zug aufsprang. Der Mittelfeldstratege strahlt für sein junges Alter eine unheimliche Ruhe am Ball aus und hat in Lille seine erste Saison als Stammspieler hinter sich.

Abgesehen davon werden vor allem auch Bundesliga-Fans auf ihre Kosten kommen. Johan Manzambi und der Schweiz traue ich eine ordentliche Rolle zu. Vor Yan Diomande und der Elfenbeinküste fürchtet sich schon jetzt so mancher deutscher Fan. Und nicht zuvergessen natürlich Luka Vuskovic, der bei der WM zum ersten Mal auf der großen internationalen Bühne aufspielen darf.

Jakob Haffke: Als Liebhaber des französischen Fußballs richte ich den Blick natürlich am liebsten auf Spieler aus der Ligue 1. Da der Kader Frankreichs fast durch die Bank mit bereits bekannten Stars besetzt ist, könnte einzig Maghnes Akliouche den ein oder anderen überraschen, wenn er denn Spielzeit bekommt.

Ansonsten ist Ibrahim Mbaye beim Senegal sehr interessant, der zumindest als Joker sicherlich seine Einsätze bekommen wird. Lamine Camara hat eine starke Saison bei Monaco gespielt und ist ein sehr kompletter, junger, zentraler Mittelfeldspieler. Bei Belgien stehen mit Diego Moreira und Matias Fernandez-Pardo zwei interessante Flügelspieler aus der Ligue 1 im Kader, die für frischen Wind im Kader sorgen könnten.Sollte Marokko abermals weit kommen, könnte auch der erst 18-jährige Ayyoub Bouaddi sich ins Rampenlicht spielen. Der zentrale Mittelfeldspieler von LOSC Lille stand in beiden Testspielen der Nordafrikaner in der Startelf.

Ayyoub Bouaddi
Foto: Getty Images

Welche Mannschaft wird das Überraschungsteam der WM und welches Team wird die hohen Erwartungen nicht erfüllen können?

Philipp Overhoff: Als potenzielle Überraschung habe ich Japan ganz weit oben auf dem Zettel. Ich traue den Samurai Blue auf jeden Fall den ersten Viertelfinal-Einzug ihrer WM-Geschichte zu.

Portugal hingegen wird die hohen Erwartungen nicht annähernd erfüllen können. Dass die zahlreichen Weltklasse-Spieler ihr Niveau aus den Vereinen im Nationaltrikot nicht annähernd halten können, sehen wir schon seit Jahren. Daran besitzt Cristiano Ronaldo einen gehörigen Anteil. Das wird dieses Mal nicht anders sein. Da sollten wir uns von der Nations League im letzten Sommer keinen Sand in die Augen reiben lassen.

Michael Bojkov: Da ich mir die Enttäuschungen des Turniers für meinen Hot Take aufgehoben habe, kommt jetzt die langweiligste aller Antworten: England wird nicht Weltmeister.

Eine Nation, die nur wenige auf dem Zettel haben und in meinen Augen positiv überraschen könnte, ist DFB-Gruppengegner Ecuador. Das Trio aus Caicedo, Pacho und Hincapie bildet eine der stärksten Defensiven des Turniers, an der sich in der Qualifikation Brasilien und Argentinien die Zähne ausgebissen haben. Vorne hat Ex-Premier-League-Stürmer Enner Valencia schon bei vergangenen Weltmeisterschaften Treffsicherheit bewiesen. Das ist eine hervorragende Basis, um bei einem solchen Turnier in einerAußenseiterrolle über sich hinauszuwachsen. Deutschland wird beileibe nicht die einzige Mannschaft sein, die an La Tri zu knabbern haben wird.

Jakob Haffke: Das Überraschungsteam der WM wird ein Vertreter aus Afrika. Neben Marokko ist auch die Elfenbeinküste nicht zu unterschätzen, doch mein Tipp ist Senegal, die seit Jahren sehr stark und konstant spielen und eine gute Mischung aus Erfahrung und talentierten Spielern auf dem Sprung in die internationale Elite haben.

Die größte Enttäuschung werden die USA. Auch als Gastgeber glaube ich nicht, dass das Team von Mauricio Pochettino eine gute Rolle spielen wird und bereits früh die Segel streichen muss. Ich kann mir gut vorstellen, dass möglicherweise Kanada, wahrscheinlicher aber Mexiko eine bessere Rolle spielen wird.

WM-Gruppenaus für „überalterte“ Kroaten?

Apropos Überraschung: Was ist dein Hot Take zur Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada?

Philipp Overhoff: Kroatien, zuletzt immerhin zweifacher Medaillengewinner, muss bereits nach der Vorrunde die Koffer packen. Die mit einigen Ausnahmen völlig überalterte und schon bei der EM 2024 enttäuschende Truppe verliert gegen England und Ghana und schafft es wegen einer schwachen Tordifferenz nicht einmal unter die acht besten Gruppendritten.

Luka Modric
Foto: Getty Images

Michael Bojkov: Sowohl die Niederlande als auch Brasilien werden sich bereits im Sechzehntelfinale aus dem Turnier verabschieden müssen. Für mich sind das die Top-Nationen mit den größten Fragezeichen. Beide haben mit Japan (Niederlande) und Marokko (Brasilien) vermeintlich kleinere Gruppengegner, denen ich bei diesem Turnier aber einiges zutraue und die ich am Ende für den einen mehr, für den anderen weniger überraschend vorne sehe.

Der Clou: Im Sechzehntelfinale duellieren sich der jeweils Gruppenerste und -zweite dieser beiden Gruppen. Einmal Bäumchen wechsle dich also: Oranje wird gegen Marokko rausfliegen – und Japan einen sensationellen Coup über Brasilien landen!

Jakob Haffke: Kein echter Hot Take, aber ich würde mir sehr wünschen, dass die WM mit allen absurd negativen Begleiterscheinungen zumindest in den Medien nicht schöngeredet wird. Dinge, wie die großen Probleme bei der Anreise und Visavergabe für Teams und Fans, die Selbstinszenierung von Donald Trump und Gianni Infantino, horrende Kosten für Tickets und Verkehr, die Menschenrechtsverletzungen im Land und vieles mehr dürfen nicht unter den Tisch fallen und zur Normalität im tollen Glitzer-Zirkus des Weltfußballs werden.

Zu guter Letzt, kurz und knapp: Wer wird Weltmeister? Wer wird Torschützenkönig? Wer wird Spieler des Turniers?

Philipp Overhoff: Spanien holt den Titel und darf sich wie schon 2010 als Welt- und Europameister bezeichnen. Die MVP-Auszeichnung sichert sich folglich Lamine Yamal, von dessen Verletzung nicht mehr viel zu spüren sein wird. Torschützenkönig wird Harry Kane, der England immerhin zu einer Medaille schießt.

Michael Bojkov: Lamine Yamal wird nach seiner Verletzung gerade so rechtzeitig zum entscheidenden Faktor und schießt Spanien als Spieler des Turniers zur Weltmeisterschaft. Kylian Mbappé wird Torschützenkönig, für die Franzosen reicht es aber nur zur Bronzemedaille.

Jakob Haffke: Weltmeister wird Frankreich, Torschützenkönig wird Kylian Mbappe und Spieler des Turniers wird ebenfalls Kylian Mbappe.

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