Das letzte Mal als Österreich bei der Endrunde einer Weltmeisterschaft dabei war, krönte sich der kroatische Stürmer Davor Suker zum Toptorschützen des Turniers, während Frankreich mit einer Truppe rund um Legenden wie Fabien Barthez, Lilian Thuram, Emmanuel Petit und Zinedine Zidane den ersten WM-Titel in der Geschichte der L’Equipe Tricolore holte. 28 Jahre später qualifiziert sich die ÖFB-Auswahl unter Ralf Rangnick erneut für die WM.
1998 schied man in einer Gruppe mit Italien, Chile und Kamerun als Gruppendritter mit gerade mal zwei Punkten aus. Diesmal soll es besser laufen.
Der Vater des Erfolgs: Wie Rangnick den ÖFB auf Kurs brachte
Eng verbunden ist die Quali der Österreicher für das Turnier auf der anderen Seite des großen Teichs mit einem Namen: Ralf Rangnick. Der Mann, der bereits bei zahlreichen deutschen Vereinen, darunter die TSG Hoffenheim und RB Leipzig, unter Beweis gestellt hat, dass er etwas aufbauen kann, übernahm das Ruder beim ÖFB, nachdem man wieder einmal nicht die Qualifikation für das Turnier schaffte. Einige Wochen zuvor verlor man mit 2:1 bei Wales.
Mit der Übernahme Rangnicks änderten sich einige Sachen bei der ÖFB-Auswahl. Zunächst der Spielstil: Unter dem vorherigen Trainer Franco Foda waren die Österreicher für eine sehr abwartende, zurückhaltende Spielweise bekannt. Unter Rangnick, der als Verfechter des Gegenpressings gilt, änderte sich das schlagartig. Hohe Ballgewinne, viele Abschlüsse und offensive Spielfreude prägten von da an das Spielgeschehen.
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Österreich wurde zu einer selbst agierenden Mannschaft, anstatt sich dem Gegner anzupassen. Das war von Erfolg gekrönt. Mit sechs Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage qualifizierte man sich für die Europameisterschaft 2024 und zur Überraschung vieler Experten thronte man nach der Gruppenphase an der Spitze der Todesgruppe mit Frankreich, den Niederlanden und Polen. Trotz einer sehr dominanten Vorstellung musste man dann aber im Achtelfinale gegen die Türkei die Segel streichen.
Trotz des Aus gegen die Türken bei der EM rehabilitierte sich das Team sehr schnell und erreichte in seiner Nations League-Gruppe den zweiten Platz mit elf Punkten. Die Qualifikation zur WM meisterte man dann sehr souverän. Wieder holte man sechs Siege, ein Unentschieden und verlor nur ein Spiel, was den ersten Platz und somit den direkten Einzug in die WM-Endrunde bedeutete.
Rangnick paart vielversprechende Talente und eine Bundesliga-Achse
Aber nicht nur taktisch hat Rangnick einiges verändert. Früh bemühte er sich darum, zwei große Talente mit österreichischen Wurzeln an den Verband zu binden. Bayerns Eigengewächs Paul Wanner durchlief sämtliche U-Mannschaften des DFB, bevor er im März 2026 sein Debüt für die österreichische Nationalmannschaft gab. Auch der Dortmund-Profi Carney Chukwuemeka spielte in nahezu allen Jugendmannschaften des englischen Verbands. Dadurch, dass er in Wien geboren ist, kann er aber auch für Österreich spielen. Rangnick überzeugte sowohl Wanner, als auch Chukwuemeka, sich für Österreich zu entscheiden. Das Team ist nun um zwei vielversprechende, junge, spielstarke Talente reicher.
Die grundlegende Achse des Teams bildet aber wie so oft die deutsche Bundesliga. 13 der 26 nominierten Spieler, also insgesamt die Hälfte des berufenen Kaders, sind im deutschen Oberhaus im Einsatz. Ein großer Vorteil. Der Spielstil der Bundesliga wurde in den letzten Jahren stark vom RB-System geprägt, das Rangnick entscheidend mit aufbaute. Viele Spieler haben auch Erfahrungen in der RB-Schule gesammelt. Marcel Sabitzer, Nicolas Seiwald oder Konrad Laimer sind nur einige der Namen, die im Laufe ihrer Karriere ihre Schuhe im Red Bull-Kosmos schnürten.
Österreich trotz Verletzungs-Dämpfer in guter Form
Die Vorbereitungen für das Turnier liefen auch soweit gut. Im März besiegte man Ghana mit 5:1 und Südkorea mit 1:0. Beide Mannschaften sind ebenfalls für die WM qualifiziert. Vor einigen Tagen testete man gegen die tunesische Nationalmannschaft. Trotz einer frühen roten Karte gegen Laimer, lieferte man einen guten Auftritt und bezwang die Nordafrikaner mit 1:o. Einen Dämpfer gab es aber trotzdem: Leipzigs Offensivstar Christoph Baumgartner verletzte sich und wird das Turnier verpassen.
In der Gruppe wird man auf den amtierenden Weltmeister Argentinien, Algerien und Jordanien treffen. Die Österreicher haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie für Überraschungen gut sind. Die Entwicklung unter Rangnick zeigte bislang nur in eine Richtung: nach oben! Unter vielen wird die ÖFB-Auswahl als Kandidat für einen Paukenschlag.

