Die WM 2026 ist für die deutsche Nationalmannschaft beendet. Bei der Pleite gegen Paraguay bestätigen sich die Eindrücke aus der Niederlage gegen Ecuador.
Die südamerikanische Wirtschaft ächzt allmählich unter den Lasten dieser WM – und „Schuld“ daran ist Deutschland. Nachdem bereits Ecuador nach dem Sieg in der Gruppenphase einen nationalen Feiertag ausrief, tat es Paraguay der Republik aus dem Andenhochland gleich. Schon wieder ist eine Fußball-Weltmeisterschaft für den viermaligen Weltmeister Deutschland frühzeitig beendet. Nach dem Elfmeterschießen gegen Paraguay muss das DFB-Team um Bundestrainer Julian Nagelsmann schon im Sechzehntelfinale die Segel streichen. Die prominent besetzte Auswahl war für die Südamerikaner zu leicht zu knacken.
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Wie schon beim letzten Gruppenspiel gegen Ecuador fand die Mannschaft keine Lösungen gegen den tiefen Block des Gegners. Zweikampfhärte, ein kompaktes 4-4-2 gegen den Ball und resolute Befreiungsschläge reichten einmal mehr aus, um zu verhindern, dass die deutsche Nationalmannschaft in ihren Rhythmus kam. Die haarsträubende Fehlentscheidung des Schiedsrichters, das vermeintliche 2:1 durch Jonathan Tah zurückzupfeifen, tat ihr Übriges. Dass der „Total-Witz“, wie Nagelsmann den VAR-Eingriff bezeichnete, überhaupt Einfluss auf den Ausgang des Spiels hatte, müssen sich Team und Trainer jedoch selbst ankreiden.
Havertz selbstkritisch: „Dann hat man es auch nicht verdient“
„Paraguay hat tief verteidigt, da war es schwer Chancen zu kreieren. Aber eigentlich hat nicht viel gepasst. Wenn man, bei allem Respekt, gegen Paraguay ausscheidet, dann hat man es auch nicht verdient“, mangelte es Kai Havertz nach der Partie nicht an Selbstkritik. Der Stürmer des FC Arsenal hatte mit seinem 1:1 in der regulären Spielzeit für neue Hoffnung gesorgt, dann versagten dem eigentlich sichersten Schützen jedoch im Elfmeterschießen die Nerven: „Irgendwas hat uns immer gefehlt, wir Spieler müssen uns an die eigene Nase fassen.“

Bundestrainer Nagelsmann versuchte, kurz nach dem Spiel in die Analyse zu gehen. „Wir haben einfach zu lange gebraucht, um ins Flügelspiel zu kommen. Mit fortlaufender Dauer haben wir es mit der Brechstange versucht und mehr Strafraumszenen gehabt. Wir hatten die Kontrolle, uns hat aber der Punch gefehlt“, haderte der 38-Jährige.
Auch der Trainer lag gegen Paraguay mit seinen Ideen daneben. Florian Wirtz klebte nahezu an der linken Außenlinie, obwohl Jamal Musiala, der normalerweise den Zehnerraum besetzt, erst in der zweiten Halbzeit auf den Platz kam. Nathaniel Brown agierte dagegen meist in Ballbesitz als inverser Außenverteidiger und konnte sein Tempo so überhaupt nicht ausspielen. Kapitän Joshua Kimmich, der nach der Partie einen Rücktritt ausschloss, war im Dreieraufbau völlig verschenkt.
Kartenhaus bricht zusammen: Nächster Umbruch beim DFB?
In der nun fast drei Jahren unter Nagelsmann hat die Nationalmannschaft immer wieder den Eindruck bestätigt, dass sie besonders dann gut ist, wenn der Gegner selbst mitspielen möchte. Wenn es Räume gibt, die mit Tempo bespielt werden können. Schließt der Gegner diese konsequent, kann diese Mannschaft mit einfachsten Mitteln ausgehebelt werden. Zu viel hängt dann von der Tagesform eines Wirtz‘, eines Musialas und eines Havertz‘ ab, die diese Rolle bei der WM aus verschiedenen Gründen (Verletzungen, schwierige Klub-Saisons) nicht erfüllen konnten.

Dazu kommt: Bei schnellen Gegenstößen und Standardsituationen ist das DFB-Team so anfällig, dass jede noch so kleine Fußballnation zu Gelegenheiten und Toren kommen kann. Für vermeintliche Außenseiter ist die deutsche Mannschaft so ein gefundenes Fressen. Wer sich durch kompaktes, hartes Verteidigen dermaßen den Zahn ziehen lässt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende der letzte Biss fehlt.
Beim DFB wird es nun in die Analyse gehen. Ob alle Spieler des chronisch erfolglosen 1995er/1996er-Jahrgang (Kimmich, Tah, Sane, Goretzka) weitermachen, darf bezweifelt werden. Nagelsmann kündigte nach der Pleite in Boston an, seinen Vertrag bis zur EM 2028 erfüllen zu wollen, sofern der Verband mit ihm weitermachen möchte. Bis zu einer Entscheidung wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Fest steht, dass der deutsche Fußball erneut vor einen zusammengebrochenen Kartenhaus steht, das man erst rund um die Heim-EM mühsam wieder errichtet hatte. Damit der Fußball demnächst auch hierzulande wieder für Feiertage sorgt, muss sich vieles ändern.

