Die deutliche KI-Prognose war Gustavo Alfaro nicht genug. Erste Gedanken zum hoch wahrscheinlichen WM-Duell mit der deutschen Nationalmannschaft verkniff sich Paraguays Trainer noch nach dem mühsam erkämpften 0:0 gegen Australien zum Vorrundenabschluss. „Im Moment sind meine einzigen Sorgen, dass wir uns qualifizieren, und dass sich unsere Spieler erholen“, sagte der 63 Jahre alte Argentinier.
Alfaros Mannschaft glänzte keineswegs auf dem Weg zu Rang drei der Gruppe D – der erfahrene Trainer und sein Team sehen sich als angehender Außenseiter in einem Sechzehntelfinale aber nicht chancenlos. „Mit dem, was wir haben und was wir auf den Platz bringen, glauben und spüren wir nach wie vor, dass wir jede Mannschaft schlagen können“, sagte der Anführer der Albirroja.
Paraguay mehr als nur mutig
Sollte es tatsächlich zum Aufeinandertreffen mit Joshua Kimmich und Co. kommen, kann Julian Nagelsmann laut der Experteneinschätzung von Mats Hummels auf frische, eigene Erfahrungen zurückgreifen – der Weltmeister von 2014 sieht Parallelen zum Deutschland-Bezwinger Ecuador. „Sollten wir auf Paraguay treffen, werden sie eine ganz ähnliche Herangehensweise wählen. Intensität, Mittelfeld eng machen, da versuchen, diese Ballverluste zu provozieren, die einem die deutsche Mannschaft eben auch ganz gerne gibt“, so Hummels bei Magenta TV.
Den Beweis, dass Paraguay zu Besonderem fähig ist, hatte es in der WM-Qualifikation Ende 2024 mit einem 2:1-Sieg gegen Weltmeister Argentinien geliefert. Beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada fehlt trotz des befreienden 1:0-Sieges gegen die Türkei und des nun höchstwahrscheinlich geschafften Einzugs in die K.o.-Runde aber weiter der ganz große Flow, weshalb sich Alfaro durchaus kritischer Nachfragen erwehren musste.
„Ich wollte gewinnen, sie wollten gewinnen, denn wir wollten die paraguayische Nationalmannschaft sein, die zum ersten Mal in der Geschichte zwei Spiele bei einer Weltmeisterschaft gewinnt“, sagte der Trainer, der auf die fehlende Erfahrung seines Teams auf höchstem Level und die Rückkehr auf die große Bühne nach 16 Jahren verwies.
Einst schaffte in Südafrika eine Mannschaft mit den früheren Bundesliga-Stars Nelson Valdez, Lucas Barrios und Roque Santa Cruz den Einzug ins Viertelfinale und scheiterte nur knapp am späteren Titelgewinner Spanien.
Heute spielen der nun gelbgesperrt fehlende Mittelfeldspieler Diego Gómez (Brighton), der angeschlagen ausgewechselte Innenverteidiger Omar Alderete (Sunderland) sowie die Angreifer Antonio Sanabria (Cremonese) und Julio Enciso (Straßburg), mit dem Mainz 05 in der Conference League unliebsame Erfahrungen machte, in europäischen Topligen.
Es ist eine Mannschaft mit vielen Unbekannten – die in Nordamerika noch überraschen will.

