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90PLUS » Dreikampf um den Gruppensieg? WM-Vorschau Gruppe B mit Gastgeber Kanada
WM 2026

Dreikampf um den Gruppensieg? WM-Vorschau Gruppe B mit Gastgeber Kanada

90PLUS Redaktion
09.06.26, 20:59
90PLUS Redaktion
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Alphonso Davies, Kanada
Foto: Getty Images

Endlich ist es soweit, die WM 2026 beginnt! Auch in Gruppe B kämpfen vier Teams um den Einzug in die KO-Phase der größten Weltmeisterschaft aller Zeiten. Mit Kanada ist hier der zweite von drei Gastgebernationen zu finden. Die Ahornblätter werden es mit Bosnien, Schweiz und dem Ausrichter der WM 2022, Qatar, zu tun bekommen. Wir stellen die Mannschaften vor:

Alle Kader der Gruppe B findet ihr hier 

Kanada: Mit Gastgeber-Momentum zur Überraschung?

  • Trainer: Jesse Marsch
  • WM-Teilnahmen: 3
  • Player to Watch: Jonathan David, Alphonso Davies, Ismael Kone

Kanada geht als Gastgebernation mit besonderer Vorfreude in dieses Turnier. Die Euphorie im eigenen Land ist vorhanden, gleichzeitig wird es für die Mannschaft von Jesse Marsch darum gehen, dieses Momentum früh in sportliche Energie umzuwandeln. Der ehemalige Trainer von RB Salzburg, RB Leipzig und Leeds United steht für eine intensive, mutige Spielidee und könnte Kanada zu einem der unterhaltsameren Teams dieser Gruppe machen.

Eine zentrale Rolle nimmt dabei natürlich Alphonso Davies ein. Der Kapitän ist ohne Frage einer der größten Namen im kanadischen Kader und kann mit seinem Tempo, seiner Dynamik und seiner individuellen Qualität jederzeit den Unterschied machen. Allerdings konnte er seine besten Leistungen vom FC Bayern nicht immer konstant auf die Nationalmannschaft übertragen. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren immer wieder muskuläre Probleme. Für ein mögliches Überraschungsteam Kanada wird ein fitter Davies deshalb enorm wichtig sein.

Spielerisch wird Kanada vor allem über Intensität, vertikale Angriffe und flexible Verbindungen zwischen Mittelfeld und Sturm kommen. Im 4-4-2 von Marsch sind die Angreifer nicht nur als Zielspieler gefragt, sondern auch als Verbindungselemente. Besonders Jonathan David kann sich fallen lassen, Gegenspieler binden und in den Zwischenräumen Kreativität erzeugen. Dahinter braucht es ein Mittelfeld um Ismael Kone, das mit Laufstärke, Dynamik und Präsenz nach vorne schiebt, gleichzeitig aber die Balance gegen den Ball hält. Gelingt diese Abstimmung, kann Kanada nach Ballgewinnen schnell flach nach vorne spielen und über wenige Kontakte gefährlich werden.

Spielerisch kann Kanada sehr interessant werden. Die Mannschaft sucht gerne flache Lösungen über die Stürmer, spielt mutig nach vorne und kann mit ihrer Intensität unangenehm werden. Gleichzeitig gibt es defensive Fragezeichen. Gerade in der Restverteidigung und bei der Chancenverwertung muss Kanada stabiler werden, wenn die Gruppenphase erfolgreich verlaufen soll. Gelingt es Marsch, die Energie der Gastgeberrolle in Kontrolle und Effizienz zu übersetzen, kann Kanada in Gruppe A durchaus für Probleme sorgen.

Canada
Foto: Getty Images

Bosnien: Physis, Standards und ein elektrisiertes Land

  • Trainer: Sergej Barbarez
  • WM-Teilnahmen: 2
  • Player to Watch: Esmir Bajraktarevic, Ermedin Demirovic, Kerim Alajbegovic

Bosnien geht mit einer besonderen Energie in dieses Turnier. Schon die Qualifikation war ein kleines Wunder, gekrönt vom dramatischen Sieg im Elfmeterschießen gegen Italien. Entsprechend elektrisiert ist die Stimmung im Land. Viele bosnische Fans werden vor Ort sein und diese Gemeinschaft könnte für die Mannschaft von Sergej Barbarez zu einem echten Faktor werden.

Spielerisch ist Bosnien mit Sicherheit nicht das komplexeste Team dieser Gruppe, aber möglicherweise das konsequenteste. Barbarez setzt meist auf ein klassisches 4-4-2 und einen sehr klaren Ansatz. Vieles läuft über Physis, direkte Angriffe, Flanken und schnelle Konter über die Außenbahnen. Bosnien weiß sehr genau, was es (nicht) kann und wie es Spiele unangenehm machen will.

Im Zentrum dieser Spielidee stehen gleich mehrere bekannte Mittelstürmer. Mit Haris Tabakovic, Ermedin Demirovic und Edin Dzeko verfügt Bosnien über drei Angreifer, die man aus der Bundesliga bestens kennt oder kannte. Alle bringen Wucht, Strafraumpräsenz und Abschlussqualität mit. Gerade bei Flanken und Standardsituationen ist diese Mannschaft deshalb extrem gefährlich. Bosnien hat die physische Präsenz, um aus wenigen Situationen maximale Gefahr zu erzeugen.

Auch gegen den Ball ist die Mannschaft sehr unangenehm. Bosnien verteidigt aggressiv, arbeitet mit vielen taktischen Fouls und versucht, den Rhythmus des Gegners früh zu brechen. Kanada und die Schweiz dürften zwar die bessere Spielanlage mitbringen, aber Bosnien wird jedes Spiel körperlich machen und kann mit Standards, Matchglück und Effizienz jederzeit Ergebnisse ziehen.

Ironischerweise hat Bosnien mit Esmir Bajraktarevic und Kerim Alajbegovic aber auch zwei Spieler im Kader, die diesem sehr klaren und physischen Ansatz zusätzliche Kreativität geben können. Beide bringen starke technische Qualitäten mit, können über Dribblings Situationen auflösen und haben das Auge für den entscheidenden Pass. In einer Mannschaft, die oft über einfache Muster, Flanken und direkte Angriffe kommt, können sie zwischen den Linien für überraschende Momente sorgen. Bajraktarevic gibt Bosnien Kreativität, Alajbegovic bringt über links Dynamik, Zug zum Tor und die Fähigkeit, in Eins-gegen-eins-Situationen für Gefahr zu sorgen.

Bosnien dürfte in Gruppe A nicht als spielerischer Favorit gelten. Dafür fehlt im Vergleich zu anderen Teams die Kontrolle im Ballbesitz. Aber diese Mannschaft hat klare Abläufe, enorme Standardstärke, viel Physis und eine emotionale Welle hinter sich. Wenn Barbarez diese Energie auf den Platz bringen kann, ist Bosnien für jede Mannschaft ein unangenehmer Gegner.

Ermedin Demirovic, Bosnien
Foto: Getty Images

Qatar: Außenseiter mit einem klaren Hoffnungsträger

  • Trainer: Julen Lopetegui
  • WM-Teilnahmen: 2
  • Player to Watch: Akram Afif, Mohamed al-Mannai

Qatar geht als klarer Außenseiter in diese Gruppe. Während die anderen drei Nationen mehr individuelle Qualität und eine höhere Grundstabilität mitbringen dürften, wird Qatar vor allem über Umschaltmomente und Standardsituationen kommen müssen. Die Form spricht ebenfalls nicht für das Land mit rund drei Millionen Einwohnern.

Trainer Julen Lopetegui bringt zwar enorme Erfahrung mit, steht aber vor einer komplizierten Aufgabe. Qatar agiert häufig in einem 4-2-3-1 und sucht dabei einen eher direkten Ansatz. Viele Angriffe laufen über die Außenbahnen, dazu kommen zahlreiche Flanken und der Versuch, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten.

Um mit diesem Ansatz erfolgreich zu sein, benötigt es eine starke Hintermannschaft. Mit 24 Gegentoren in zehn Qualifikationsspielen ist diese defensive Souveränität aber nicht gegeben. Gerade gegen Teams mit Physis und Tempo könnte das zum Problem werden. Wenn Lopetegui es nicht schafft, mehr Stabilität in die Defensive zu bekommen, wird es für Qatar sehr schwer werden.

Die große Hoffnung allerdings trägt einen bekannten Namen: Akram Afif. Der Offensivspieler ist ohne Frage der beste Spieler im Kader und wohl der einzige echte Unterschiedsspieler Qatars. Afif ist schnell, dribbelstark, kreativ und kann in engen Situationen Lösungen finden. Zudem ist er bei Standardsituationen sehr gefährlich. Seine Zahlen bei Al-Sadd mit 27 Scorern in 22 Spielen unterstreichen, wie wichtig der zweifache AFC-Spieler des Jahres für die Offensive ist.

Neben Afif lohnt sich der Blick auf Mohamed al-Mannai. Der in Tunesien geborene Mittelfeldspieler bringt mit 22 Jahren eine interessante Mischung aus Physis, Dynamik und Variabilität mit. Er kann im Zentrum sowohl offensiver als auch defensiver agieren und damit mehrere Rollen übernehmen. Auch Lopetegui scheint große Stücke auf ihn zu halten.

Trotzdem sollte die Erwartungshaltung realistisch bleiben. Qatar wird in dieser Gruppe vermutlich nicht das dominierende Team sein. Vielmehr braucht es defensive Disziplin, maximale Effizienz bei Standards und Kontern sowie einen herausragenden Afif. Damit Qatar überraschen kann, muss nahezu alles zusammenkommen.

Akram Afif
Foto: Getty Images

Schweiz: Zwischen Geheimfavorit und möglicher Enttäuschung

  • Trainer: Murat Yakin
  • WM-Teilnahmen: 13
  • Player to Watch: Granit Xhaka, Dan Ndoye, Ardon Jashari

Die Schweiz geht mit einem sehr spannenden, aber nicht ganz einfach einzuordnenden Kader in dieses Turnier. Auf dem Papier bringt die Mannschaft von Murat Yakin viel Qualität, Erfahrung und interessante Profile mit. Gleichzeitig fehlte in den vergangenen Monaten immer wieder die letzte Konstanz.

Grundsätzlich kommt die Schweiz meist über ein 4-3-3 und versucht, ihren spielerischen Ansatz über Anführer Granit Xhaka aufzubauen. Der zentrale Mittelfeldspieler ist weiterhin der klare Leitwolf dieser Mannschaft und dürfte vor einem seiner letzten großen Turniere mit der Nationalmannschaft stehen. Über seine Ruhe am Ball und Passqualität will die Schweiz Spiele kontrollieren und den Rhythmus vorgeben. Gleichzeitig verfügt das Team mit Breel Embolo über einen klaren Zielspieler, der lange Bälle festmachen, Tiefe attackieren und im Strafraum Präsenz erzeugen kann.

Besonders spannend ist die neue Generation hinter den etablierten Kräften. Mit Dan Ndoye, Ardon Jashari und Johan Manzambi kommen Spieler hinzu, die dieser Mannschaft zusätzliche Dynamik und Kreativität verleihen können. Dass diese Mannschaft an einem guten Tag sehr interessanten Fußball spielen kann, hat sie bereits bei der EM gezeigt. Im Achtelfinale gegen Italien spielte die Schweiz den damaligen Titelverteidiger phasenweise an die Wand und zeigte, wie dominant sie auftreten kann, wenn die Abläufe funktionieren.

Die größte Frage liegt allerdings in der Defensive. Mit Ricardo Rodriguez, Manuel Akanji, Nico Elvedi und Silvan Widmer verfügt die Schweiz zwar über viel Erfahrung. Aber wenn Yakin seine Spielidee mit hohem Pressing durchsetzt und somit Räume hinter der letzten Linie öffnet, kann diese Defensivreihe enorm anfällig werden. Gegen schnelle Umschaltteams oder physisch starke Gegner könnte das zu einem echten Problem werden.

In dieser Gruppe dürfte die Schweiz trotzdem der Favorit auf den Gruppentitel werden. Kanada und Bosnien werden unangenehm, Qatar ist der klare Außenseiter, aber die Schweizer bringen grundsätzlich die beste Mischung aus Struktur, Erfahrung und individueller Qualität mit. Entscheidend wird sein, ob Yakin die Balance zwischen spielerischer Kontrolle und defensiver Stabilität findet. Gelingt das, kann es weit gehen. Gerät die Defensive jedoch ins Wanken, ist auch ein früher Rückschlag nicht ausgeschlossen.

Schweiz
Foto: Getty Images
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