2019 wollte Robin Gosens zu Schalke, Atalanta Bergamo sagte Nein. Sieben Jahre später steht er in Königsblau auf dem Platz – und trägt einen Vertrag, der ihm erst dann wirklich gehört, wenn der Klub nicht absteigt.
Der zweite Anlauf
Der gebürtige Emmericher hat aus seiner Zuneigung nie ein Geheimnis gemacht. „Schalke 04″ antwortete er schon 2019 auf die Frage, für welchen Verein er alles stehen und liegen lassen würde. Damals scheiterte der Wechsel an der Ablöse. Später sagte er selbst, ein Wechsel zum kriselnden Zweitligisten sei kein Karriereschritt gewesen – ehrlich gesagt, aber eben auch nüchtern.
Jetzt passt es: Schalke ist zurück in der Bundesliga, nach drei Jahren. Gosens ist 32, kommt von der AC Florenz, trägt die Nummer 8 und bringt eine Bilanz mit, die in Gelsenkirchen sonst niemand vorweisen kann – über 400 Pflichtspiele, mehr als 100 Scorerpunkte, Atalanta, Inter, 24 Länderspiele.
Was der Deal wirklich ist
| Modell | Leihe für ein Jahr von der AC Florenz |
|---|---|
| Kaufpflicht greift bei | Klassenerhalt und festgelegter Einsatzzahl |
| Ablöse in diesem Fall | 1,5 bis 2,5 Mio. Euro (Quellen widersprechen sich) |
| Vertrag bei Fixierung | zwei weitere Jahre |
| Gehalt während der Leihe | Florenz übernimmt einen Teil |
Und hier lohnt der genaue Blick. Gosens verzichtet auf Geld, das ist unstrittig – in Gelsenkirchen gehört er laut kicker trotzdem zu den Topverdienern, knapp hinter Kenan Karaman und Loris Karius. Dass Florenz während der Leihe mitzahlt, macht die Sache für beide Seiten kalkulierbar.
Bemerkenswerter ist die Konstruktion selbst. Schalke muss Gosens nur dann kaufen, wenn er die Klasse mit hält und dabei regelmäßig spielt. Verletzt er sich, oder geht es schief, geht er im Sommer nach Florenz zurück und der Aufsteiger zahlt nichts. Ein Herzensklub-Transfer mit Risikoabsicherung – kaufmännisch ist das sauber gerechnet.
40.000 Karten, aber nicht nur wegen Gosens
Am 8. August kommt Atalanta Bergamo in die Veltins-Arena, 17 Uhr, erstes Aufeinandertreffen der beiden Klubs überhaupt. 40.000 Tickets sind laut Vereinsangabe weg, gemeldet wurden zuletzt 15.000, dann 25.000, dann 30.000.
Die Kurve ist beeindruckend. Nur sollte man sie ehrlich lesen: Stehplätze kosten sechs Euro, Sitzplätze zwölf, Kinder fünf. Es ist der traditionelle „Schalke-Tach“, die Saisoneröffnung, dazu ein Gegner aus der Champions League der Vorsaison. Dass Gosens gegen seinen früheren Klub aufläuft, ist das Sahnehäubchen – der Kuchen stand schon vorher.
Debüt in Schwaz
Sportlich hat er am 25. Juli angefangen. Beim 3:1 gegen den japanischen Erstligisten Fagiano Okayama in der Silberstadt Arena stand Gosens erstmals im blauen Trikot, rettete in der neunten Minute per Grätsche gegen Léo Gaúcho und war anschließend deutlich zufriedener als die 13. Minute vermuten ließ, in der der Brasilianer traf. Kuruçay, Karaman und Adamu drehten die Partie.
„Die Integration ist perfekt gelaufen“, bilanzierte Gosens gegenüber RevierSport nach dem Trainingslager. Er lobte die Ballstafetten und das Gegenpressing seiner neuen Mannschaft, nannte das Team intakt und ambitioniert. Miron Muslic bekommt für die linke Seite genau das, was Aufsteigern meist fehlt: einen Spieler, der weiß, wie sich eine lange, harte Saison anfühlt.
Reicht Romantik gegen den Abstieg?
Ein 32-jähriger Schienenspieler, der in Florenz eine von Verletzungen zerpflückte Saison hinter sich hat, rettet keinen Aufsteiger im Alleingang. Das weiß in Gelsenkirchen auch niemand anders. Was er liefern kann, ist Struktur auf einer Position, die zuletzt anfällig war, und eine Autorität in der Kabine, die man nicht einkaufen, sondern nur mitbringen kann.
Ob das der letzte Halt seiner Karriere wird, entscheidet sich ohnehin nicht heute. Es entscheidet sich im Mai – exakt so, wie es im Vertrag steht.

