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90PLUS » Wer wirklich hinter dem FIFA-Deal steckt – und was er für den Fußball bedeutet
Fußball News

Wer wirklich hinter dem FIFA-Deal steckt – und was er für den Fußball bedeutet

Eve Kreisenberg
28.07.26, 20:38
Eve Kreisenberg
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FIFA-Präsident Infantino auf einer PK
(Photo by Christopher Lee/Getty Images)

Der geplante Investoren-Deal für die Rechte zur Fußball-WM von Infantino sorgt bei Fans wie Verbänden für Empörung. Doch was genau steckt eigentlich dahinter? Wer sind die potenziellen Käufer und welche Folgen könnte dieses Geschäft für den Fußball haben?

Der bisher unbekannte Name: Thrive Capital

Der Name, der hinter dem möglichen Einstieg bei der FIFA Forward Enterprise steht, ist in der Fußballwelt bislang kaum bekannt: Thrive Capital. Der New Yorker Investmentfonds wurde 2009 von Joshua Kushner gegründet, verwaltet mittlerweile ein Vermögen von rund 50 Milliarden Dollar und hat sich vor allem als Wagniskapitalgeber im Technologiesektor einen Namen gemacht – unter anderem mit frühen Beteiligungen an Unternehmen wie Affirm und Nubank. Für den WM-Deal soll laut übereinstimmenden Medienberichten ein eigens dafür aufgelegtes Vehikel namens Thrive Eternal die Investorengruppe anführen.

Die Trump-Verbindung

Joshua Kushner ist im Sportgeschäft kein Unbekannter: Er hält eine Minderheitsbeteiligung an den Miami Heat und ist Mitgründer des Krankenversicherers Oscar Health. Politisch brisant ist vor allem seine familiäre Nähe zum Weißen Haus: Sein Bruder Jared Kushner ist mit Ivanka Trump verheiratet und war während der ersten Amtszeit Donald Trumps enger Berater im Präsidialamt. Berichten der Times zufolge sei auch das Umfeld der aktuellen Trump-Regierung in die Gespräche über den FIFA-Deal eingebunden gewesen – ein Detail, das der Debatte um Transparenz und politische Nähe zusätzliche Brisanz verleiht.

Auf FIFA-Seite wickelt die Investmentbank JPMorgan den Prozess ab. Beide Seiten betonen, dass es sich noch um vorläufige Gespräche handle. Bestätigt ist jedoch, dass die Struktur bereits feststeht: Die neue Gesellschaft FIFA Forward Enterprise soll mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet werden, bei einem für die FIFA erwarteten Erlös von mehr als vier Milliarden Dollar für die verkauften Anteile.

Kein Einzelfall: Private Equity erobert den Sport

Ein Blick in die jüngere Sportgeschichte zeigt, dass Kapital aus der Finanzwelt längst kein Fremdkörper mehr im Profisport ist. Die NFL öffnete sich 2024 erstmals für Private-Equity-Beteiligungen an einzelnen Franchises, die PGA Tour ließ sich im selben Jahr von der Investorengruppe rund um die Fenway Sports Group finanziell absichern, und in Europa gehören mittlerweile rund einem Drittel aller Profiklubs Investmentfonds oder Staatsfonds. Der Unterschied beim FIFA-Modell: Hier geht es nicht um einzelne Klubs oder Ligen, sondern erstmals um die kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft selbst – dem wertvollsten Einzelereignis des Weltsports.

Schon einmal gescheitert: der SoftBank-Plan von 2018

Ganz neu ist die Idee eines Investoren-Einstiegs bei der FIFA im Übrigen nicht. Bereits 2018 hatte Infantino einen ähnlichen Plan verfolgt: Ein von der japanischen SoftBank mitfinanziertes Konsortium sollte damals rund 25 Milliarden Dollar für Rechte an einer neu zu schaffenden Klub-WM und einer globalen Nations League zahlen. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter bezeichnete das Vorhaben seinerzeit als „Ausverkauf des Fußballs“. Am Ende scheiterte der Plan am geschlossenen Widerstand von UEFA, europäischem Klubverband und Spielergewerkschaft FIFPRO – exakt jene Institutionen, die auch jetzt wieder als erste öffentlich Alarm schlagen.

Aufgeheizte Fronten: der Streit mit FIFPRO und den Ligen

Genau diese Konstellation macht die Sache diesmal komplizierter für Infantino. Der Ligenverband European Leagues und die Spielergewerkschaft FIFPRO liegen bereits seit 2024 im offenen Streit mit der FIFA, nachdem sie wegen der aufgeblähten Klub-WM eine Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission eingereicht hatten. Sie werfen dem Weltverband vor, kommerzielle Interessen über die Gesundheit der Spieler und die wirtschaftlichen Interessen der nationalen Ligen zu stellen. Ein Investoren-Deal, der auf noch mehr Einnahmen aus noch mehr Turniertagen angewiesen sein dürfte, träfe damit auf ohnehin schon aufgeheizte Fronten.

Die Sorge: Wachstumsdruck durch Investoren

Genau dort liegt für Kritiker das eigentliche Risiko des Modells: Sobald private Investoren an den Erträgen der WM beteiligt sind, wächst der wirtschaftliche Druck, das Produkt weiter zu vergrößern – sei es durch mehr Teilnehmerländer, häufigere Turniere oder eine noch dichtere Taktung des internationalen Kalenders. Die Times berichtete bereits, ein solcher Deal könnte den Anreiz erhöhen, das Teilnehmerfeld künftiger Weltmeisterschaften weiter auszudehnen. Das wäre eine Fortsetzung eines Trends, den es unter Infantino ohnehin schon gibt: Die Männer-WM wächst 2026 erstmals auf 48 Teams, die Klub-WM wurde 2025 auf 32 Mannschaften ausgeweitet.

Parallele vor der eigenen Haustür: die DFL

Zur Einordnung hilft auch ein Vergleich vor der eigenen Haustür: Erst kürzlich stimmten die 36 Bundesliga- und Zweitligavereine im zweiten Anlauf für den Einstieg eines Investors bei der DFL. Dort sollen sechs bis neun Prozent einer Tochtergesellschaft für 20 Jahre verkauft werden, im Gegenzug fließen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro. Der FIFA-Plan bewegt sich in einer völlig anderen Größenordnung – doch das Muster ähnelt sich: Verbände und Ligen versilbern einen Teil ihrer Medienrechte, um kurzfristig frisches Kapital zu erhalten, während offen bleibt, wie viel Mitspracherecht die Geldgeber am Ende tatsächlich einfordern.

Was die Verbände bekommen sollen

Was am Ende bei den 211 Mitgliedsverbänden ankommt, ist zumindest in Zahlen schon skizziert: Wer sich freiwillig am sogenannten FIFA Fast Forward Programme beteiligt, soll einmalig 20 Millionen Dollar erhalten, dazu sollen die jährlichen Förderzahlungen der FIFA bis mindestens 2038 steigen. Ob dieses Geld ausreicht, um Verbände wie UEFA oder die Spielergewerkschaften von den Plänen zu überzeugen, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen – der Prozess braucht noch die Zustimmung von Kongress und Council, ein fertiger Deal ist das bislang also nicht.

THEMENFIFA WeltmeisterschaftGianni Infantino
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