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Darum sollte der FC Bayern bei Victor Osimhen all-in gehen

15. April 2023 | Spotlight | BY Manuel Behlert

Derzeit kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass der FC Bayern München im Sommer 2023 einen Stürmer verpflichten wird. Eric Maxim Choupo-Moting füllt die Rolle zwar nicht schlecht aus, fehlt er aber, wie zuletzt häufig, ist die Lücke groß. Victor Osimhen ist einer der Kandidaten, die beim Rekordmeister gehandelt werden. 

In den letzten Wochen reiften bei den Verantwortlichen des FC Bayern die Überlegungen, einen neuen Stürmer nach München zu lotsen. Victor Osimhen (24, SSC Napoli) ist aktuell der Topkandidat. Laut Sky-Informationen soll es bereits einen Austausch mit der Spielerseite gegeben haben, der Nigerianer wäre bereit für einen Wechsel zum Rekordmeister. Das ist aber nur die erste von vielen Hürden, die übersprungen wurde. Es gibt aber gute Gründe, für den 24-Jährigen „all-in“ zu gehen.

Victor Osimhen: Nach Anlaufzeit im Konzert der Großen angekommen

Der nigerianische Angreifer Victor Osimhen legte eine alles andere als ungewöhnliche Karriere hin. 2017 wechselte er im Alter von 19 Jahren zum VfL Wolfsburg, direkt aus seinem Heimatland. Natürlich musste sich der Spieler in einem neuen Umfeld mit einer neuen Kultur und einer neuen Sprache zunächst einmal akklimatisieren. Nach eineinhalb Jahren, die eher unbefriedigend verliefen, folgte eine Leihe zum RSC Charleroi nach Belgien. Dort erzielte er zwölf Tore in 25 Ligaspielen, deutete seine Klasse erstmals über einen längeren Zeitraum an. 

Genug für den VfL Wolfsburg war das nach der Ansicht der Verantwortlichen damals aber nicht. Für nur 3,5 Millionen Euro gab der Klub den Spieler auf permanenter Basis zu den Belgiern ab. Diese erkannten das Potenzial des Spielers ebenso wie der OSC Lille in Frankreich, der auch gleich eine zweistellige Millionensumme auf den Tisch legte. Noch im gleichen Wechselfenster war der Angreifer plötzlich Profi in der Ligue 1, zeigte dort ebenfalls, was in ihm steckt. 18 Tore und sechs Vorlagen in einer sehr guten Saison weckten das Interesse größerer Klubs. 

Osimhen

(Photo by JEAN-FRANCOIS MONIER/AFP via Getty Images)

Der Umweg über Charleroi und schließlich Lille war ein enorm wichtiger für den Angreifer. Er spielte zweimal in einem Umfeld, das für ihn positiv war. Er konnte zweimal das Vertrauen der Trainer spüren, war Zielspieler, nahm unterschiedliche Einflüsse auf und entwickelte sich weiter. Fußballerisch wie menschlich. Nach einem Jahr in Lille folgte der Schritt zur SSC Napoli. Für 75 Millionen Euro. Diese Ablösesumme kann etwas mit einem Spieler machen, eine mentale Hürde herbeiführen, ihn hemmen. Nicht aber Osimhen. 

Signifikante Entwicklung bei der SSC Napoli

Der Angreifer wechselte also nach Neapel, in eine der größten Ligen und steht sinnbildlich für die Entwicklung der Partenopei in den letzten Jahren, nämlich von einem guten Team, dem aber noch einiges fehlt, zu einem variablen, das zu den besten Europas gehört. Diese Entwicklung durchliefen Osimhen und Napoli gemeinsam. In der Debütsaison schoss der Nigerianer zwar nur zehn Tore, wurde aber auch durch eine langwierige Schulterverletzung ausgebremst. 2021/22 waren es dann schon 18 Tore und sechs Vorlagen, in der laufenden Spielzeit steht er bei 25 Toren und fünf Assists. 

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Doch es sind nicht nur die Zahlen, die beeindrucken. Ganz im Gegenteil. Es ist vielmehr die Art und Weise, wie der Stürmer sein Spiel auf ein ganz neues Level hieven konnte. Ein klassischer Knipser, der sich nur im Umkreis des Fünfmeterraums aufhält, war er nie. Aber in der Frühphase seiner Karriere fiel Osimhen durchaus dadurch auf, ungestüm zu sein, seine Physis falsch einzusetzen. In Neapel schaffte er es, seine körperlichen Vorteile mit einem Instinkt für Räume und seinen fußballerischen Fähigkeiten in Einklang zu bringen. Und voila: Hier ist der Weltklassestürmer. 

Warum der FC Bayern einen Stürmer sucht

Doch warum ist ein Transfer von Osimhen nach München überhaupt ein Thema? Nach dem Abgang von Robert Lewandowski (35) zum FC Barcelona ging der FC Bayern mit Eric Maxim-Choupo-Moting (34) als Stürmer Nummer eins in die Saison. Zunächst saß dieser aber auf der Bank, weil flexible Lösungen im Offensivspiel gesucht wurden. Es dauerte eine Weile, bis sich der Kameruner festspielen konnte. Dann zeigte er aber seine Qualitäten, fungierte als cleverer Wandspieler, initiierte Angriffe, wenn er sich tiefer fallen ließ und schloss auch clever und präzise ab, machte Tore.

Bayern Choupo-Moting Osimhen

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Es war erkennbar, dass das Spiel des FC Bayern in jeder Ausprägung von einem Stürmer profitiert. Einem Zielspieler, der hoch anspielbar ist, der im Strafraum die kritischen Räume besetzt. Besonders deutlich merkte das der Rekordmeister kürzlich, nämlich dann, als „Choupo“ fehlte. Die Chancenverwertung war schwach, die Passoption im Angriffszentrum fehlte einfach. Das Spiel gestaltete sich zu häufig rund um den Strafraum und nicht „in der Box“, eine wichtige Option als Ziel von Flanken fehlte zudem. Sich „nur“ auf einen 34-Jährigen zu verlassen, der immer wieder kleine Blessuren mit sich herumschleppt, ist schlicht zu riskant.

Darum wäre Osimhen die optimale Lösung für den Rekordmeister

Das Spiel bei Manchester City zeigte deutlich die Schwächen auf, die im Spiel des FC Bayern entstehen, wenn kein 9er auf dem Feld steht. Erst recht, wenn die Mannschaft nicht überragend in Form ist. Und eigentlich ist jetzt nicht die Zeit für eine Übergangslösung gekommen. Der Stürmermarkt gibt im Sommer 2023 großartige Möglichkeiten her, Osimhen ist eine davon. Bei näherer Betrachtung wäre er wohl die bestmögliche Lösung für den FC Bayern und Thomas Tuchel (49), der ein großer Fan des Angreifers ist. Weil sich der 24-Jährige einen Wechsel zurück nach Deutschland vorstellen kann, weil er mit Neapel in dieser Saison den langersehnten Scudetto in Italien gewinnen wird. Und weil der Spieler zum FC Bayern passt!

 



Das belegen auch die Statistiken. Der Nigerianer ist ein Stürmer, der in seinem Spiel viel versucht, viele Schüsse abgibt, seinen xG-Wert (expected Goals) zuletzt über ein gesamtes Jahr hinweg leicht übertraf, was für eine gute Qualität der Abschlüsse spricht. Er sammelt viele Kontakte in der gegnerischen Box, kann die Bälle aber auch gut prallen lassen und verteilen. Zwar ist seine Passquote nicht überragend, das hängt aber auch mit dem Risiko zusammen, das er im letzten Drittel guten Gewissens wählen kann. 

Hervorragende Abschlussqualitäten, ein gutes Kopfballspiel, eine sehr starke Physis: Das sind die Kernelemente des Spiels von Osimhen. In Neapel war zudem eine Verbesserung der technischen Fähigkeiten und des Passspiels im letzten Drittel erkennbar. Es gibt kaum einen kompletteren Stürmer im europäischen Fußball, schon gar nicht in diesem Alter. Der entscheidende Punkt im Sommer könnten die Finanzen sein. Über 100 Millionen Euro wären fällig. Geld, das der FC Bayern hat und ausgeben kann. Ob er das auch will, könnte letztlich die entscheidende Frage sein..

(Photo by TIZIANA FABI/AFP via Getty Images)

 

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.


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