Union-Präsident Zingler über Corona-Politik: „Nicht der Fußball ist das Problem“

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News | Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, hat sehr deutliche Worte für den in seinen Augen „katastrophalen“ Zustand Deutschlands gefunden. Er erkennt keine Sonderrolle des Fußballs und sieht vielmehr die Politik in der Verantwortung, verlässliche Lösungen zu finden, anstatt Geisterspiele zu verordnen.

Zingler: Umgang mit Kimmich „ein Skandal“

„Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand, weil es katastrophal geführt wurde und katastrophal kommuniziert wurde“, begann Dirk Zingler (56) seine Schimpftirade (zitiert vom kicker). Der Präsident des 1. FC Union Berlin hatte Dampf abzulassen, seine Unzufriedenheit mit der Corona-Politik in Deutschland auszudrücken. Das Land befände sich laut ihm im „Vollchaos.“ „Das Abwälzen der Verantwortung auf Menschen, Veranstalter und Unternehmer ist kaum noch zu ertragen. (…)“, so Zingler deutlich. „Es wird sich aufgeregt über volle Stadien. Aber wir regen uns nicht auf über lange Schlangen an Impfzentren, die mit zu geringer Kapazität und zu wenig Impfstoff arbeiten.“

Auch der Umgang mit dem bislang ungeimpften Bayern-Profi Joshua Kimmich (26) erzürnt Zingler. „Ich kann mich daran erinnern, dass Karl-Heinz Rummenigge vor einem Jahr gesagt: Lasst uns als Fußballer als Vorbild vorangehen und uns impfen. Es gab eine Empörungswelle darüber, dass sich die Profifußballer vordrängeln würden. 18 Monate danach wird ein einzelnes Mitglied einer Berufsgruppe, die einen Impfstatus von über 90 Prozent hat, an den Pranger gestellt, weil er noch nicht geimpft ist“, so der 56-Jährige. „Dass sich unsere Bundesregierung mit einer Einzelperson einer Berufsgruppe befasst, die zu 90 bis 95 Prozent geimpft ist, ist ein Skandal – und nicht Joshua Kimmich. Wenn wir gesellschaftliche Solidarität einfordern, soll das Land mal liefern, dann soll der Staat solidarisch mit seinem Volk sein und seine Hausaufgaben machen: Impfstoff zur Verfügung stellen, 30.000 Pflegekräfte einstellen und Krankenhausbetten organisieren. Danach kann er Solidarität von seinem Volk einfordern.“

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„Der Profifußball ist nicht in der Lage, liefern zu müssen“

Aktuell entflammt einmal mehr eine Debatte um die vermeintliche Sonderrolle des Profifußballs. Entzündet wurde diese Diskussion durch das Bevorstehen erneuter Geisterspiele. „Der Profifußball ist nicht in der Lage, liefern zu müssen, sondern liefern muss der Staat – durch vernünftige Kommunikation und vernünftige Corona-Politik“, stellt Zingler für sich klar. „Nicht der Fußball ist das Problem. Das Problem ist, dass wir in der Pandemie 30.000 Pflegkräfte und 6000 Betten verloren haben. Der Staat muss erst einmal seine Hausaufgaben machen, dann kann er die Grundrechte bei den Menschen einschränken.“

Unions Präsident würden die Wort fehlen, wenn Politiker:innen weitere Verbote durchsetzen wollen würden. „Dieser Ansatz, dass ich nur durch Verbieten Infektionen vermeiden kann, da hört es bei mir leider auf“, so Zingler.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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