La Liga | Real Sociedad an der Spitze: Alles andere als Zufall

Real Sociedad RCD Mallorca
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Spotlight | Zwölf Spieltage sind in La Liga schon gespielt und der Tabellenführer heißt nicht Real Madrid, nicht Barcelona und auch nicht Atlético, sondern Real Sociedad San Sebastian. Eine Konstellation, die alles andere als zufällig daherkommt – und noch eine Weile anhalten könnte.

La Coruña, Valencia – und Real Sociedad?

Über viele Jahre durfte La Liga stolz von sich behaupten, die beiden besten Fußballer der Welt – und zwei der größten der Geschichte – in den eigenen Reihen zu haben. Doch mit sämtlichen Privilegien stellte sich im Meisterrennen fast immer die Frage: weiß oder blaugrana? 2014 und 2021 brachte Atlético Madrid der Liga einen etwas anderen Anstrich. Aber Überraschungstitel, wie 2000, als Deportivo La Coruña mit einem Doppelsturm aus Diego Tristán und einem gewissen Roy Makaay Meister wurde oder die Siege des FC Valencia unter Rafa Benítez 2002 und 2004, wurden nahezu unmöglich. 15 der 17 Meisterschaften gingen seitdem entweder nach Katalonien oder zu den Königlichen.

2022 könnte vielleicht wieder eines dieser Jahre sein, in denen eine Mannschaft außerhalb der großen Drei des Landes den Titel holt. Codename: Txuri-Urdin, die Weißblauen. Mit sieben Siegen aus zwölf Spielen und insgesamt 25 Punkten führt Real Sociedad San Sebastian La Liga im Moment an. Am Sonntagabend gab es zwar einen kleinen Rückschlag, als man im Baskenderby gegen zehn Mann von Athletic Bilbao in der Nachspielzeit noch das 1:1 kassierte. Doch die generelle Formkurve zeigt nach oben: Seit dem 2:4 in Barcelona am 1. Spieltag ist man wettbewerbsübergreifend ungeschlagen, Sevilla (0:0) und Atlético Madrid (2:2) kamen gegen La Real nicht über Unentschieden hinaus.

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Imanol Alguacil – ein Fan als Auserwählter

Wobei das Wort „Formkurve“ in diesem Fall eher unzureichend ist. Letzte Saison stand Real Sociedad ebenfalls mit 25 Punkten nach zwölf Spielen da, die Saison davor gewann man die Copa und überrannte auf dem Weg dorthin mal eben Real Madrid im Bernabéu. Die zwischenzeitliche 3:0- und 4:1-Führung brachte Real Sociedad letztlich als 4:3 ins Ziel. Aufgrund der Pandemie wurde das Finale erst Anfang April nachgeholt. Mikel Oyarzabal (24) machte im Derby gegen Athletic Bilbao den ersten Titel seit 1987 vom Punkt klar.

Auf der anschließenden Pressekonferenz ließ sich Trainer Imanol Alguacil (50) Trikot und Schal reichen. „Wenn’s recht ist, würde ich kurz aus meiner Trainerrolle in die Rolle eines Fans wechseln. Das hier ist für ganz Gipuzkoa. Das hier ist für alle, die La Real im Herzen tragen. Gipuzkoa, alle zusammen:“

 

Bei einer bekannten Kindersendung würde es jetzt heißen: Das war – baskisch. „Auf geht’s Real, wir stehen hinter dir, bis zum Sieg!“ So in etwa ließe sich der Fangesang übersetzen.

Im Alter von 13 Jahren kam Alguacil zum Klub, absolvierte für Real Sociedad zwischen 1990 und 1998 113 Spiele als Rechtsverteidiger. Nach seiner Karriere übernahm er innerhalb des Klubs verschiedene Trainerpositionen. Es dauerte eine Weile, bis es den Verantwortlichen dämmerte, dass nicht David Moyes (58) der Auserwählte ist, nicht Eusebio Sacristán (57) und auch nicht Asier Garitano (51). Zwischen März und Juni 2018 übernahm Alguacil das Amt zunächst interimsweise. Ende Dezember selbigen Jahres, nach der Entlassung Garitanos, schließlich hauptverantwortlich. Seitdem entwickelt er die Mannschaft Stück für Stück weiter.

Real Sociedad: Die Stärke kommt von innen

Der Fokus liegt hierbei auf jungen Spielern. Real Sociedad hat – anders, als Rivale Athletic Bilbao – nicht die selbst auferlegte Police, nur Spieler zu verpflichten, die im Baskenland geboren oder bei einem baskischen Klub ausgebildet wurden. Was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass trotzdem außergewöhnlich viele Jugendspieler den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben. Andoni Gorosabel (25), Aritz Elustondo (27), Martin Zubimendi (22), Julen Lobete (21), Ander Barrenetxea (19) und nicht zuletzt Mikel Oyarzabal (24), nur, um ein paar Beispiele zu nennen.

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Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images

Darüber hinaus wurde der Kader noch punktuell mit Talenten aus dem Ausland, wie dem Ex-Dortmunder Alexander Isak (22) oder Alexander Sørloth (25) sowie erfahrenen Spielern, darunter Nacho Monreal (35) und David Silva (35), verfeinert.

Das Ganze ergibt eine äußerst homogene Mischung, die dazu auch noch relativ wetterfest ist. Im Moment muss La Real zahlreiche Verletzungen wegstecken. Die Performances oder der mutige Offensivfußball haben darunter eher weniger gelitten. So findet sich La Real weiterhin in den Spitzenregionen von La Liga wieder. Vieles spricht dafür, dass sie vorerst auch dort bleiben. Von den großen Drei steht nur noch das Spiel gegen Real Madrid Anfang Dezember an. In den kommenden Wochen geht es unter anderem zu Osasuna oder Espanyol. Lediglich Valencia, gegen die sie schon vergangene Saison zuhause 0:1 unterlagen, könnte zum Stolperstein werden. In der Europa League empfängt Real Sociedad am Donnerstagabend Sturm Graz.

Sollte Real Sociedad die PS über die gesamte Saison auf den Rasen bringen, könnte es gut sein, dass die La-Liga-Trophäe nach blanco, rojiblanco und blaugrana bald einen weiteren Anstrich bekommt: Txuri-Urdin.

Victor Catalina

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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