La Liga | Unverhoffte Kongenialität und ein wankender Champion – Die Tops und Flops der Saison 2021/22

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Spotlight | Die Saison 2021/22 in La Liga ist Geschichte. Es war eine Spielzeit, die einmal mehr jede Menge Spektakel, Überraschungen, aber auch Enttäuschungen bot.

Nach einer starken Saison kürte sich Real Madrid bereits mehrere Spieltage vor Schluss zum Spanischen Meister. Spannung war derweil in anderen Tabellenregionen geboten – und das bis zur allerletzten Sekunde. Wir haben die Tops und Flops der abgelaufenen Spielzeit für euch.

La Liga 2021/22 – Die Tops

Benzema und Vinícius: Plötzlich kongeniale Partner

In der Vergangenheit lastete vieles – nein, eigentlich alles – in Real Madrids Offensive auf den Schultern von Karim Benzema (34). Sein linker Nebenmann Vinícius Júnior (21)war bisweilen keine große Entlastung für den Franzosen – im Gegenteil: Manch einer mag sich noch an die Worte Benzemas erinnern, die er vergangene Saison beim Champions-League-Gastspiel in Mönchengladbach zu Teamkollegen über Vinícius gesagt hatte: „Spiel nicht zu ihm. Beim Leben meiner Mutter, er spielt gegen uns.“

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Zwischen jenem Tag und dem Saisonstart 2021/22 scheint sich einiges getan zu haben. In der abgelaufenen Spielzeit war „Vini“ nämlich nicht nur eine Unterstützung für Benzema. Nein, er war ein Erfolgsgarant für die gesamte Mannschaft. 17 Tore und zehn Vorlagen steuerte der junge Brasilianer in La Liga bei, bildete mit Benzema, der seinerseits 27 Buden sowie zwölf Assists beisteuerte, ein herausragendes Duo. Aus „Bolzplatz-Feinden“ wurde eine kongeniale Partnerschaft, die Real Madrid zur 35. Meisterschaft der Vereinsgeschichte schoss.

Ein Underdog auf Europapokal-Kurs: Die außergewöhnliche Hinrunde von Rayo Vallecano

Im Namen von Fans und Experten waren sie der erste Absteiger in der Saison 2021/22: Rayo Vallecano. Vergangenes Jahr als Tabellensechster in der Segunda abgeschlossen, sicherten sie sich am Ende etwas überraschend doch noch das letzte Ticket für die Primera División. Kein Wunder, wurde ihnen der Titel des Underdogs sprichwörtlich auf die Stirn geschrieben.

Doch sie sollten ihre Kritiker Lügen Strafen. Der Klub aus dem verarmten Madrider Stadtteil Vallecas legte eine phänomenale Halbserie hin. In der Hinrunde konnte man neun von 19 Partien gewinnen, verbrachte Weihnachten mit 30 Punkten und 26 zu 18 Toren auf einem Champions-League-Platz.

Rayo Betis La Liga

(Photo by Fran Santiago/Getty Images)

Aufstiegstrainer Andoni Iraola (39) legt besonders großen Wert auf die Arbeit gegen den Ball. Mit Kompaktheit und viel Laufarbeit trat man als wortwörtlich geschlossene Truppe auf, machte dem Gegner Woche für Woche das Leben schwer. Im gegnerischen Strafraum riss man zwar nicht immer die ganz großen Bäume aus, dennoch überzeugte man auch offensiv mit einem durchaus mutigen Ansatz. Hier hatte man mit Óscar Trejo (34, neun Torvorlagen) und Álvaro García (29, sieben Tore, neun kreierte Torchancen) und darüber hinaus den Sommerneuzugängen Sergi Guardiola (30, acht Tore) sowie Fußballer-Ikone Radamel Falcao (36, sechs Tore) Manpower, die für ausreichend Tore sorgte.

Mit diesem Polster konnten die „Franjirrojos“ den Einbruch in der Rückrunde auffangen. Nach dem Jahreswechsel ging es sportlich nämlich rapide bergab, eingeleitet mit einer Niederlagen-Serie von sechs Spielen. Betrachtet man die Rückrunden-Tabelle isoliert, ist Rayo tatsächlich Tabellenletzter – mit mageren zwölf Pünktchen. Das soll die herausragende Hinrunde jedoch keinesfalls schmälern, dank derer die Madrilenen den Klassenerhalt frühzeitig schafften und am Ende auf einem – im Rahmen der Möglichkeiten – starken zwölften Platz abschlossen.

Pellegrini bringt den Erfolg zurück ins Benito Villamarín

Als Manuel Pellegrini (68) im Sommer 2020 das Ruder übernahm, fand sich Real Betis im Niemandsland des Primera División wieder. Die abgelaufene Saison hatte man auf Platz 15 abgeschlossen, ein Kurswechsel sollte her. Tatsächlich schaffte es der Chilene, die Mannschaft umzukrempeln. So erreichten die „Verdiblancos“ 2020/21 Platz sechs, qualifizierten sich für die Europa League.



Pellegrini hatte es geschafft, die Defensive zu stabilisieren. Das Spiel der „Beticos“ war unter dem Trainer-Urgestein ausbalancierter, die Ergebnisse konstanter. Der Weg war der richtige, und er sollte sich 2021/22 fortsetzen. Trotz eines kleinen Kaders und Dreifachbelastung spielte Betis plötzlich sogar um die Champions League mit.

Erstmals seit der Saison 2006/07 kassierten die Andalusier in einer Erstliga-Saison weniger als 50 Gegentore, stellten mit 40 kassierten Treffern immerhin die siebtbeste Abwehr in La Liga. Am Ende verlor man das Fernduell um Platz vier gegen den Stadtrivalen FC Sevilla nur knapp, krönte sich dafür mit dem ersten Pokalsieg seit 2005. Pellegrini hat der Mannschaft wieder eine klare Handschrift verpasst.

Erst Flop, dann Top: Die Champions League in weiter Ferne – doch Xavi lässt Barça wiederauferstehen

Es ist kaum mehr als ein halbes Jahr her, da war vom einst so glorreichen FC Barcelona nicht mehr als ein Scherbenhaufen übrig. Mit Lionel Messi (34) war das absolute Herzstück der Mannschaft weg, ohne das auf dem Rasen überhaupt nichts mehr funktionierte. Doch dann übernahm Xavi (42) das Ruder. Innerhalb kürzester Zeit schaffte es die Vereinslegende, die spielerische Leichtigkeit zurückzubringen und der Mannschaft ein neues Gesicht zu verpassen. Aus einer trostlosen Truppe wurde ein eingeschworenes Team, das Lust auf Fußball und Erfolge hatte.

Xavi machte Spieler besser oder brachte sie in frühere Erfolgsspuren zurück. Das Paradebeispiel ist Ousmane Dembélé (24). Noch im Winter völlig außen vor, bekam der Franzose von Xavi eine neue Chance. In der Rückrunde sah man den wohl mit Abstand besten Dembélé, den es jemals in „Blaugrana“ gegeben hat.

La Liga

(Photo by JOSE JORDAN / AFP) (Photo by JOSE JORDAN/AFP via Getty Images)

Neben der Barça-typischen Spielweise, sich den Gegner geduldig zurechtzulegen und mittels Raumüberladungen und Seitenverlagerungen die Ketten auseinanderzuziehen, wurde nun aber auch der direkte Weg zum Tor öfter forciert. Gegen den Ball presste Barça früh, attackiert den Gegner oft schon in seiner eigenen Hälfte.

Bemerkenswert dabei war auch, wie schnell und reibungslos die mannschaftstaktischen Abläufe im Spiel der Katalanen griffen. Höhepunkt des rasanten Wiederaufschwungs war der 4:0-Clásico-Auswärtserfolg im Bernabéu. Der FC Barcelona befindet sich auf gutem Weg, sich seinen ehrenwerten Namen auch auf der Europakarte zurückzuholen. Künftig vielleicht sogar mit treffsicherer Hilfe von Robert Lewandowski (33).

La Liga 2021/22 – Die Flops

Kein Meisterschaftskampf: Real Madrid allein auf weiter Flur

Wenn La Liga in den vergangenen beiden Spielzeiten etwas auszeichnete, das nicht Lionel Messi heißt, dann war es ein offener Meisterschaftskampf. 2019/20 trennten Barça und den späteren Meister Real Madrid zwei Spieltage vor Schluss lediglich vier Zähler. Das Jahr darauf entschied am letzten Spieltag gar ein einziges Tor über die erste Meisterschaft von Atlético Madrid seit 2014.

In der abgelaufenen Saison fehlte der Unterhaltungseffekt Meisterschaftsrennen jedoch vollends. Im ersten Saisondrittel spielte Real Sociedad noch ganz vorne mit, fiel dann aber Schritt für Schritt ab, war schon zu Weihnachten kein Thema mehr. Barça und Atleti, naturgemäß die direkten Konkurrenten von Real Madrid, hatten eine schwache Hinrunde hinter sich, mussten die Titelhoffnungen ihrerseits ebenfalls früh begraben

Die einzige Mannschaft, die sich zumindest etwas hartnäckig noch im Dunstkreis der Königlichen aufhielt, war der FC Sevilla. Im Verlauf der Rückrunde kamen aber auch die Andalusier nie näher als auf vier Zähler an Real heran, an Spieltag 32 lag der Rückstand auf den späteren Meister bereits bei 15 Punkten.

Wer sich ein spannendes Rennen um die Ligatrophäe gewünscht hatte, wurde enttäuscht. Vier Spieltage vor Schluss tütete Real Madrid mit einem 4:0-Heimerfolg über Espanyol die 35. Meisterschaft der Vereinsgeschichte endgültig ein. Für den Entertainment-Suchenden bleibt die Hoffnung, dass das neue Xavi-Barça kommende Saison wieder in vorderster Front Paroli bieten kann und Atleti Dampf von hinten macht.

Meister Atlético offenbart ungewohnte Schwächen

Apropos Atlético: Nach der Meistersaison waren die Hoffnungen bei den „Colchoneros“ groß, erneut ganz vorne angreifen zu können. Beim Traum von der Titelverteidigung blieb es dann allerdings auch, denn die Realität auf dem Platz war eine andere. Weil der amtierende Meister plötzlich ungewohnte Schwächen offenbarte.

Ausgerechnet das Prunkstück unter Trainer Diego Simeone (52), die Defensive, wurde zur Problemzone. Ungewöhnlich viele individuelle Aussetzer führten zu vermeidbaren Gegentoren. Auf diese Art und Weise ging man im Camp Nou mit 2:4 baden – und das nach eigener Führung. War es eigentlich immer die ausgemachte Stärke der „Rojiblancos“, knappe Führungen im wahrsten Sinne des Wortes über die Zeit zu verteidigen, ging in der abgelaufenen Saison zu oft die Konzentration flöten.

La Liga Atletico

Photo by JOSEP LAGO/AFP via Getty Images

So auch bei den 1:2-Niederlagen gegen Mallorca und in Granada, bei denen man ebenfalls in Führung ging. Im Mestalla verzockte man eine komfortable 3:1-Führung in der Nachspielzeit, kam am Ende gegen den FC Valencia nicht über ein 3:3 hinaus. Darüber hinaus setzte es mehr als vermeidbare 0:1-Niederlagen gegen die Absteiger Levante und Alavés sowie im Rückspiel auf Mallorca.

Am Ende konnte man das Minimalziel Champions-League-Qualifikation zwar erreichen, die Art und Weise dürfte Simeone und den Verantwortlichen jedoch zu denken geben. Die insgesamt 43 Gegentreffer sind zweitschwächster Wert in der Ära Simeone. Mehr (46) kassierte Atleti nur 2011/12, in der Debütsaison des Argentiniers. Dass ausgerechnet die eigene Stärke zur Schwäche wurde, dürfte „El Cholo“ höchstpersönlich am meisten ärgern.

Absteiger Levante und Alavés enttäuschen auf ganzer Ebene

Es sollte eine weitere sorgenfreie Saison für Levante werden. Und die Fans hatten dazu auch allen Grund zur Hoffnung: Der Kern der Mannschaft inklusive des langjährigen Trainers Paco López (54) blieb zusammen, auf dem Transfermarkt konnte man sich auf der ein oder anderen Position verstärken. Umso unerklärlicher ist, warum auf dem Platz plötzlich überhaupt nichts mehr funktionierte.

Nach acht Spieltagen ohne Sieg musste López seinen Posten räumen. Doch auch unter seinen Nachfolgern fand die Mannschaft nicht zurück in die Spur. Die Hinrundenbilanz: Platz 20, kein einziger Sieg und acht Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Der Abstieg war vorgezeichnet. Arg viel verbesserte sich auch in der Rückserie nicht – zumindest nicht genug, um den Abstieg abzuwenden. Zwei Spieltage vor Schluss war klar: Nach fünf Jahren in der spanischen Beletage geht es in die Segunda zurück.

La Liga Levante

(Photo by JAVIER SORIANO / AFP) (Photo by JAVIER SORIANO/AFP via Getty Images)

Das gleiche Schicksal ereilte Deportivo Alavés. Javier Calleja (44) hatte den Trainerposten zum Ende der Saison 202/21 übernommen, aus neun Spielen noch starke fünfzehn Punkte geholt. Im Sommer tat sich viel auf dem Transfermarkt, der Kader veränderte sich. Dass auf dem Platz gar nichts mehr funktionieren würde, damit hatten vermutlich selbst die größten Kritiker nicht gerechnet. Denn Alavés verlor seine ersten sechs Saisonspiele allesamt.

Trotz zweier Trainerwechsel und auch vereinzelt guter Phasen schaffte es der Klub aus Vitoria-Gasteiz nicht, sich aus dem Tabellenkeller zu befreien. Die komplette Rückrunde verbrachten die „Babazorros“ auf einem direkten Abstiegsplatz, verabschieden sich nach einer auch für ihre Verhältnisse überaus schwachen Saison als Tabellenletzter aus La Liga.

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