PSG, Lille, Lyon: Warum das Meisterschaftsrennen in Frankreich diese Saison so spannend ist

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Spotlight | Die französische Liga ist in dieser Saison so spannend wie seit Jahren nicht mehr. Nachfolgend möchten wir einen kleinen Einblick geben, worin die Stärken und Schwächen der Titelanwärter liegen und wie groß die Chancen der einzelnen Mannschaften wirklich sind.

Drei Mannschaften können sich zu diesem Zeitpunkt der Saison berechtigte Hoffnungen auf die Meisterschaft machen. Paris St. Germain und der LOSC Lille liegen gleichauf an der Spitze, Olympique Lyon lauert zwei Punkte dahinter. Dazu sind mit der AS Monaco, Stande Rennais und Olympique Marseille drei weitere Teams im Dunstkreis der Tabellenspitze.

  • Paris: Die Fitness von Neymar könnte entscheidend sein
  • Lille: Jonathan David muss endlich ankommen
  • Lyon: Zu viele Patzer gegen die vermeintlich Kleinen

Paris St. Germain

Dass Paris im Kampf um die Meisterschaft dabei ist, dürfte niemanden überraschen. Die Mannschaft von Neu-Trainer Mauricio Pochettino (48) konnte in sieben der letzten acht Jahre den Titel holen, zumeist lief man der Konkurrenz deutlich davon. In dieser Saison krankt es jedoch enorm. Nach vorne geht deutlich weniger als noch in den letzten Jahren. Das liegt an mehreren Faktoren: Superstar Neymar (28) und Stareinkauf Mauro Icardi (27) waren über weite Strecken der bisherigen Saison verletzt. Der Brasilianer konnte lediglich neun der 21 Spiele bestreiten, während der im Sommer für 50 Mio von Inter verpflichtete Icardi sogar erst achtmal auf dem Platz stand.

(Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)

Ein weiterer Faktor ist das Mittelfeld, dem es zuweilen an Kreativität mangelt. Neuzugang Rafinha (27) ist viel zu unbeständig, Pablo Sarabia (28) kommt auch in seinem zweiten Jahr nicht in der französischen Hauptstadt an. Zuletzt wurde sogar Sechser Marco Verratti (28) in der Hoffnung auf mehr Kreativität auf der Zehn aufgestellt. Ein unkreatives Mittelfeld wäre nicht ganz so tragisch, wenn die Außenverteidiger offensiv potent wären. Doch auch dies ist in Paris nicht der Fall. Leihspieler Alessandro Florenzi (29) ist grundsolide, aber auch nicht mehr und Juan Bernat (27) fehlt aufgrund eines Kreuzbandrisses wohl noch bis Mitte März.

Warum Paris trotz all dieser Probleme an der Tabellenspitze steht, liegt in erster Linie an drei Namen: Kylian Mbappe (22), Moise Kean (20) und Marquinhos (26). Mbappe und Kean schmeißen die Offensive quasi alleine und haben fast die Hälfte der Tore PSGs erzielt. Von Mbappe ist man dieses Niveau gewohnt, doch dass sich junge Italiener Kean derart blendend in Paris eingelebt hat, ist nach seiner Zeit beim Everton FC doch etwas überraschend. In 14 Spielen steht der Stürmer bei starken neun Treffern. Abwehrchef und Kapitän Marquinhos hingegen dirigiert die beste Abwehr der Liga. Der Brasilianer fiel dabei bereits einige Male aus, sonst wäre die Statistik noch beeindruckender. Denn in den 13 Spielen mit Marquinhos kassierte man lediglich zwei Gegentore.

OSC Lille

Wer die abgelaufene Saison als Tabellenvierter beendet, drei Stammspieler verliert, ein Transferplus von fast 60 Millionen Euro macht und im nächsten Jahr um die Meisterschaft spielt, muss verdammt vieles richtig machen. Und genau das ist in Lille der Fall. Mit Victor Osimhen (21) und Loic Remy (33) gab man sein Sturmduo ab, dazu wechselte Abwehrchef Gabriel (22) nach England. Remy und Gabriel wurden mehr als nur gleichwertig ersetzt. Für die Innenverteidigung kam Sven Botman (21) von Ajax Amsterdam, im Sturmzentrum läuft in dieser Saison Altstar Burak Yilmaz (35) auf. Und beide liefern hervorragend ab. Botman ergänzt sich perfekt mit seinem Nebenmann Jose Fonte (37), Yilmaz macht, wofür er verpflichtet wurde, nämlich Tore schießen. In 18 Ligaspielen steht der Türke bei neun Treffern.

(Photo by DENIS CHARLET/AFP via Getty Images)

Neben den beiden Neuzugängen ist vor allen Dingen die Entwicklung von Jonathan Bamba (24) extrem wichtig für den Erfolg Lilles. Der Außenbahnspieler hat in dieser Saison den nächsten Schritt gemacht, ist unumstrittener Stammspieler und steht nach 21 Spielen bei 13 Scorerpunkten (sechs Treffer, sieben Vorlagen). Damit kann der Franzose einen Negativpunkt der bisherigen Saison ausgleichen, nämlich die fehlende Integration seines Namensvetters Jonathan David (21). Für den kanadischen Offensivspieler zahlte Lille im Sommer 27 Millionen Euro, er sollte der Nachfolger von Osimhen werden. Doch bisher hat David seinen Platz noch nicht gefunden. Er kam zwar bisher in jedem Spiel zum Einsatz, jedoch waren die Leistungen mehr als dürftig.

Abgesehen von der sicherlich mit der Zeit besser werdenden Abstimmung Davids mit seinen Nebenleuten gibt es kaum etwas an der Saison Lilles auszusetzen. In den direkten Duellen mit den anderen Topteams musste man noch nicht einmal als Verlierer vom Platz gehen, in sechs Spielen holte man zwei Siege und vier Unentschieden.

Olympique Lyon

Der größte Vorteil Lyons ist ganz klar, dass sie durch das Nichterreichen der europäischen Plätze in der letzten Saison viele Körner für den Ligabetrieb sparen können. Das merkte man bereits in der Hinrunde. Vor allem Lille strauchelte regelmäßig in den Ligaspielen nach europäischen Aufgaben (neun Punkte aus sechs Spielen), gegen Paris gewann Lyon das direkte Duell vier Tage nach dem entscheidenden Gruppenspiel der Pariser gegen Basaksehir (5:1). Neben dieser geistigen und körperlichen Frische ist vor allem das Sturmtrio OLs großer Trumpf. Memphis Depay (26), Karl Toko Ekambi (28) und Tino Kadewere (25) erzielten in der bisherigen Saison 29 der 44 Treffer von Les Gones.

(Photo by JEFF PACHOUD/AFP via Getty Images)

Vor allem Depay zeigt auch in dieser Saison wieder, warum ihn der FC Barcelona im Sommer unbedingt verpflichten wollte. Neben seinen elf Treffern bereitete der Niederländer auch noch starke sechs Treffer vor. Damit ist er an fast 40% der Tore Lyons direkt beteiligt. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und dieser legt sich vor allem über die Defensive. Mit 19 Gegentreffern stellt man aktuell die mit Abstand schlechteste Abwehr der drei Titelaspiranten.

Auch gibt man zu viele Punkte gegen vermeintlich kleine Mannschaften ab. Gegen die drei Mannschaften, die sich aktuell auf einem Abstiegsplatz befinden (Dijon FCO, Olympique Nimes und FC Lorient) holte man nur fünf Punkte. Auch gegen Mannschaften im Tabellenmittelfeld gab man zu viele Punkte ab. Damit macht Lyon sich die starke Bilanz gegen die Topteams der Liga (Neun Punkte aus fünf Spielen ohne Niederlage) selbst kaputt. Verantwortlich hierfür ist vor allem die fehlende Weiterentwicklung von Houssem Aouar (22). Der zentrale Mittelfeldspieler spielte sich in der Champions League vergangene Saison mit vier Vorlagen in drei Spielen gegen Juventus Turin und Manchester City in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch die Leistung konnte nicht in die neue Saison transportiert werden, Aouar ist eher Mitläufer denn Anführer.

Die Verfolgergruppe

Eher theoretische Chancen auf die Meisterschaft haben die auf den Plätzen vier bis sechs liegenden AS Monaco, Stade Rennais und Olympique Marseille. Monaco hat sechs Punkte Rückstand auf die Spitze, Rennes neun und Marseille 13, jedoch haben letztere noch ein Nachholspiel. Dass eine dieser Mannschaften noch ernsthaft ins Titelrennen eingreifen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Zu wacklig ist Monacos Defensive mit bereits 30 Gegentreffern, zu sehr auf Florian Thauvin (27) angewiesen ist die Offensive von Marseille und zu sehr fehlt bei Rennes ein Spieler, auf den man sich zweifelsfrei verlassen kann, wenn es drauf an kommt. Am ehesten wäre von den Dreien den Monegassen noch ein Sprung Richtung Tabellenspitze zuzutrauen. Die Mannschaft von Niko Kovac (39) konnte sich zuletzt deutlich stabilisieren und startete einen Lauf, aus den letzten sechs Spielen holte die Mannschaft aus dem Fürstentum starke 16 Punkte, unter anderem durch ein 3:1 gegen Marseille.

Fazit

Ob es diese Saison tatsächlich einen anderen französischen Meister als Paris St.-Germain geben kann, hängt fast ausschließlich von den Parisern selbst ab. Bleiben Neymar, Mbappe, Kean und Marquinhos verletzungsfrei, wird keine andere Mannschaft ihnen das Wasser reichen können. Sollten jedoch weitere Verletzungen dazu kommen oder man sich mehr auf die Champions League konzentrieren, wird die Konkurrenz in diesem Jahr da sein. Sowohl Lille als auch Lyon ist hierbei der Coup zuzutrauen, Lyon aufgrund der fehlenden Doppelbelastung noch etwas mehr als Lille.

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Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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