Premier League: (Derby)-Erkenntnisse und der beste Innenverteidiger der Liga?

Premier League: Die Anzeigetafel nach dem 6:3-Derbysieg Manchester Citys über Manchester United
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Manchester United erlebte im Derby gegen Manchester City einen Reality Check und hat man im North London Derby zwischen Arsenal und Tottenham den besten Innenverteidiger der Premier League gesehen? Unsere Erkenntnisse des achten Spieltags. 

Manchester City: Reality Check für Manchester United

Vier Siege in Serie, Trainer des Monats September. Manch einer dachte, Erik ten Hag hätte nach einem unterirdischen Saisonstart das Ruder bei Manchester United bereits wieder herumgerissen. Und folglich: eine Chance im Derby gegen Manchester City. Weit gefehlt. In beiderlei Hinsicht.



Zur Halbzeit stand es bereits 4:0 für die Mannschaft von Pep Guardiola, und damit waren die Red Devils noch gut bedient. United wirkte wie eine zusammengewürfelte Freizeitmannschaft, ohne Überzeugung und Mittel, die hoffnungslos dabei zusehen musste, wie der amtierende Meister der Premier League sie nach allen Regeln der Kunst auseinandernahm. Dass aus einem 6:1 noch ein 6:3 wurde, war Makulatur.

Zugegeben, Erling Haaland hat eine Maschine, die ohnehin schon Top-Leistungen in Serie produziert, auf ein Level gehoben, mit dem keine Mannschaft der Welt derzeit mithalten kann. Und dennoch war die Machtdemonstration in diesem Derby ein schonungsloser Spiegel für den Stadtrivalen aus dem roten Teil Manchesters, der derzeit schlichtweg nicht mehr als ein Nachbar ist. Manchester City ist all das, was Manchester United unter Sir Alex Ferguson einst war und seither verzweifelt wieder sein will.

Denn die letzten vier Siege Uniteds waren nicht das Ergebnis einer Wende sondern einer Schadensbegrenzung. Mit einer simplen und pragmatischen Herangehensweise ist es Erik ten Hag zuletzt gelungen, die Risse an seinem unbalancierten Kader zu kaschieren. Er ließ im Kollektiv verteidigen und vertraute auf die individuelle Klasse seiner Angriffsspieler. Von einer kohärenten Spielphilsophie, wie sie der Niederländer bei Ajax Amsterdam oder eben Guardiola bei City etablierte, ist Manchester United noch meilenweit entfernt. Das ist keine Kritik an Erik ten Hag sondern die Folge von jahrelangem Missmanagement seines Arbeitgebers. Und es wird einige Jahre, gute Entscheidungen, viel Geld und Geduld brauchen, um das zu korrigieren.

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Arsenal hat den besten Innenverteidiger der Premier League

Auch das Derby in London sagte viel über die beiden Mannschaften aus. Die größte Erkenntnis: North London ist derzeit zweifelsohne rot. Der 3:1-Sieg des FC Arsenal zeigte, dass die Gunners derzeit wohl die ausgereifteste und überzeugendste Spielkultur der Premier League nach Manchester City haben, während Antonio Contes reaktionärer, passiver und daher anfälliger Ansatz bei Tottenham weiterhin eine große Fehleranfälligkeit offenbart. Beides war allerdings nur die jüngste Bestätigung der jeweiligen Trends, die an dieser Stelle bereits angerissen wurden.

Etwas unter dem Radar hat sich jedoch eine individuelle Erkenntnis entwickelt und zwar die Leistungen von Arsenals Innenverteidiger William Saliba. Im Sommer 2019 für 30 Millionen Euro von St.-Étienne verpflichtet, darf der 21-Jährige nach drei Leihen (St.-Étienne, Nizza und Marseille) in dieser Saison endlich auch in London sein Können unter Beweis stellen. Das Ergebnis ist beeindruckend.

Saliba stand in dieser Saison jede Minute auf dem Platz und ist der Prototyp eines modernen Innenverteidigers. Er begeistert durch Antizipationsfähigkeit, Athletik, Ball- und Passsicherheit, Pressingresistenz sowie eine für sein Alter unnatürliche Ruhe und Präsenz. Auch am Samstag demonstrierte der junge Franzose trotz hitziger Derbystimmung und des Aufeinandertreffens mit Tormaschine Harry Kane eine absurde Gelassenheit und stellte zudem all seine defensiven und offensiven Talente zur Schau. Wie viele Abwehrspieler machen sowas? Mit 21. In ihrem 8. Premier-League-Spiel?

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der französische Nationalspieler noch kein einziges Mal ausgedribbelt wurde und er die meisten Balleroberungen des englischen Fußballoberhauses vorzuweisen hat (71). Betrachtet man Virgil Van Dijks Formprobleme, erscheint es nicht einmal kontrovers, William Saliba als den aktuell besten Innenverteidiger der Premier League zu bezeichnen.

 

Wochen der Wahrheit für den FC Liverpool

Der FC Liverpool kommt nicht aus dem Trott. Das 3:3-Unentschieden zu Hause gegen Brighton am Samstag bedeutete, dass das Team von Jürgen Klopp nur zwei der ersten acht Saisonspiele siegreich gestalten konnte. Es war positiv, dass die Reds die Resilienz an den Tag legten, um einen 0:2-Rückstand zu drehen. Es war negativ, dass sie noch den (verdienten) 3:3-Ausgleich hergaben. Absolut besorgniserregend war die Entstehung der Tore, vor allem wie die Seagulls – erstmals unter der Leitung von Roberto De Zerbi – sie speziell in der Anfangsviertelstunde herspielten.

Verletzungen spielten gerade zum Start der Saison eine große Rolle beim FC Liverpool. Doch es sind die massiven Formprobleme von vermeintlichen Leistungsträgern und Schlüsselspielern, wie van Dijk oder Trent Alexander Arnold, eklatante Abwehrprobleme sowie ein unerklärlicher Einsturz der einst so überwältigen Intensität, die in der Festung Anfield nach sechs Jahren unter Klopp plötzlich für Zweifel sorgen. Zweifel am eigenen Können. „Ich kann nicht sagen, dass ich zu 100 Prozent davon überzeugt war, dass wir kein Gegentor mehr kassieren würden“, sagte der Trainer über den späten Ausgleich. Und Zweifel daran, ob die Saison noch eine erfolgreiche wird.

Die kommenden Aufgaben werden dabei von zentraler Bedeutung sein. Die nächsten Ligaspiele gegen Arsenal und Manchester City haben aufgrund der elf, respektive zehn Punkte Rückstand auf diese Gegner bereits im Oktober Endspielcharakter. Dazwischen liegen die Champions-League-Spiele gegen Glasgow Rangers in der Gruppe A, in der Liverpool „nur“ Rang drei belegt. Wochen der Wahrheit für den FC Liverpool.

Jürgen Klopp hebt die Arme hoch. Er hat mit Liverpool in der Premier League erst zwei Spiele gewinnen können.

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

 

Kurzpässe zum 8. Spieltag der Premier League

Das 0:2 gegen West Ham United am Samstag brachte das Fass für die Verantwortlichen der Wolverhampton Wanderers zum Überlaufen. Schon wieder waren die Wolves die bessere Mannschaft, schon wieder wussten sie aussichtsreiche Situationen entweder nicht effizient auszuspielen oder Chancen zu verwandeln. Trainer Bruno Lage musste gehen. Trotz der Verpflichtung des 33-jährigen Diego Costa fehlt ein Vollstrecker. Raúl Jiménez kämpft mit Form und Fitness, Fabio Silva mit Anpassungsproblemen.

Haben wir den FC Fulham zu früh „gerettet“? Dieses Jahr schien bei der Fahrstuhlmannschaft der letzten Jahren einiges anders zu sein. Doch der selbstzerstörerische Auftritt bei der 1:4-Heimpleite gegen Newcastle – Nathaniel Chalobah sah früh Rot – stimmt nachdenklich. Zumal er folgenreich war: Torgarantie und Überlebensversicherung Aleksandar Mitrovic (sechs Treffer) musste verletzt ausgewechselt werden. Der gute Start der Cottagers hat „nur“ zu einem Fünf-Punkte-Polster auf die Abstiegsränge geführt.

Die beste Abwehr der Premier League hat nach acht Spieltagen…..der FC Everton! Für viele ein Abstiegskandidat, ist es Frank Lampard gelungen, die Toffees zu stabilisieren. Am Wochenende gab es einen 2:1-Auswärtssieg gegen (ein zugegebenermaßen schwaches) Southampton und den nächsten couragierten Auftritt einer Mannschaft, der am Ende der letzte Saison häufig die Charakterfrage gestellt wurde. Die Folge: zehn Punkte und ein solider Mittelfeldplatz.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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