WM 2022 | Zwischen guter Stimmung und „Bindenverbot“: Die Lage des DFB-Teams vor dem Auftaktspiel gegen Japan

WM 2022 DFB-Team Deutschland Japan
WM-Spotlight

Spotlight | Am Mittwochmittag greift das DFB-Team mit der Partie gegen Japan ins Geschehen der WM 2022 ein. Vor der Partie war die Stimmung im Team gelöst. Zwei große Brennpunkte ergaben sich dennoch vor dem Spiel.

Zwei Nackenschläge verfinstern die gute Atmosphäre

Montagmorgen in Al-Ruwais. Die Lage im Quartier des DFB-Teams ist entspannt und gelöst. Jamal Musiala flachst mit Niklas Süle in der Pressekonferenz, erzählt von Spieleabenden an der Konsole mit den anderen jungen Spielern oder seiner Vorliebe für Basketball. Der Court ist gleich nebenan, getrennt von einer einfachen Stellwand.

 



 

Die Mannschaft ist bereit für das Turnier, so der O-Ton beider. Bevor es allerdings losging, gab es noch zwei Nackenschläge. Zum einen wird Leroy Sané für das Eröffnungsspiel gegen Japan mit Knieproblemen ausfallen. „Es ist bitter, dass wir auf Leroy verzichten müssen“, sagte Hansi Flick auf der internationalen Pressekonferenz im Dusit Hotel zu Doha. Sanés Ausfall sei „schade“, „er ist ein Unterschiedsspieler“. Die medizinische Abteilung werde prüfen, inwiefern man ihn für das Duell am Sonntag gegen Spanien fitbekommen könne. Hoffnung bestehe immerhin.

Und dann wäre da noch die Diskussion um die One-Love-Binde. Gerade bei diesem Thema merkte man, was für ein zweischneidiges Schwert diese Weltmeisterschaft wirklich ist. „Es wird eingeredet, dass man sich nicht darauf freuen kann. Ich will mich aber auf eine WM freuen dürfen, auch wenn sie hier stattfindet“, stellte Joshua Kimmich klar. „Als die WM vergeben wurde, war ich 15. Jetzt muss ich mich immer wieder dazu äußern. Ich weiß nicht, ob das gerechtfertigt ist. Wir alle brennen und können nichts dafür, wo das Turnier stattfindet. Wir müssen den Spagat schaffen, uns auch aufs Sportliche zu konzentrieren.“ Gleichwohl aber zeigte sich Kimmich verwundert über die Entscheidung der FIFA, die One-Love-Binde zu verbieten sowie die Art und Weise, wie die Diskussion eskalierte: „Ich glaube, dass wir Spieler recht reflektiert sind. Wir haben die Missstände immer wieder angesprochen“.

Mehr News und Stories rund um die Weltmeisterschaft 2022

„…der wird enttäuscht sein“ – Müller mit emotionaler Antwort zur One-Love-Diskussion

Der DFB kündigte an, die Möglichkeit eines Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz bei der Ad-hoc-Division des internationalen Sportgerichtshofes CAS gegen die FIFA zu prüfen, sodass Manuel Neuer im Optimalfall gegen Spanien die One-Love-Binde tragen dürfe, ohne sportliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

 

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Thomas Müller (@esmuellert)

 

Am Abend meldete sich auch Thomas Müller via Instagram mit einem emotionalen wie klaren Statement: „Der Standpunkt der FIFA, als auch die Art und Weise der Kommunikation zum Bindenverbot, ist für uns in keiner Weise zu verstehen. Aufgrund der Entscheidung aller betroffenen Fußballverbände, die Binde bei den Spielen nicht zu tragen, stehen auch der DFB und wir Spieler in der Kritik. Ich kann die Kritik nachvollziehen und akzeptieren, teile diese Ansicht aber nicht!“

Der DFB habe „Stellung bezogen und seine Haltung gegen die FIFA deutlich zum Ausdruck gebracht.“ Verband und Spieler engagierten sich „seit Jahren weit über den grünen Rasen hinaus. Viele Nationalspieler haben eigene Stiftungen oder unterstützen seit Jahren mit großem Einsatz unterschiedliche soziale Einrichtungen. Mit unserer Mannschafts-Stiftung haben wir diverse Initiativen nicht nur im Zusammenhang mit dem Turnier in Katar, sondern auch in ganz Deutschland auf den Weg gebracht.“

Wer von uns Fußballern erwartet, dass wir unseren Pfad als Sportler komplett verlassen und unsere sportlichen Träume, für die wir ein Fußballerleben lang gearbeitet haben, aufgeben, um uns politisch noch deutlicher zu positionieren, der wird enttäuscht sein.“

DFB-Gegner Japan: Flick erwartet „große Aufgabe“

Für Müller selbst gibt es nur wenig Grund zur Enttäuschung. Hansi Flick betonte, dass er „wirklich eine Option“ für die Sturmmitte sei, da er „die Sache im Training sehr gut gemacht“ habe. Ilkay Gündoğan könnte in diesem Fall ins offensive Mittelfeld rücken und die torgefährliche Position ausfüllen, die er auch bei Manchester City innehat. Jamal Musiala würde vorne links übernehmen. Der Rest des Teams stellt sich nahezu von allein auf. Das einzige wirkliche Fragezeichen gibt es hinten links, zwischen Christian Günter und David Raum. Antonio Rüdiger und Niklas Süle gelten im Zentrum als gesetzt. Rechts dürfte wahrscheinlich wieder Flicks Allzweckwaffe Thilo Kehrer beginnen.

WM 2022 DFB-Team Deutschland Japan

Photo by Mohamed Farag/Getty Images

Gegen Japan erwartet Flick „eine große Aufgabe“ und gab zu „Fan des japanischen Fußballs“ zu sein. Die Mannschaft verfüge über gut ausgebildete Spieler, „technisch wie taktisch, die machen es wirklich supergut“, allen voran Frankfurts Daichi Kamada, der eine „herausragende Saison“ spiele sowie den Stuttgarter Wataru Endo, der aus Flicks Sicht einer, „der besten defensiven Mittelfeldspieler“ der letzten beiden Bundesliga-Saisons sei. Man sei sich der Stärke der Gruppe bewusst.

Der Wille es besser zu machen als 2018 sei groß. „Wir wissen alle, dass das nix war von uns bei der letzten WM. Die Motivation ist riesig“, so Kimmich. Allerdings nicht nur in Deutschland. „Alle großen Fußballnationen setzen sich das Ziel, Weltmeister zu werden“, fügte Hansi Flick hinzu. „Deswegen ist man hier und versucht, möglichst erfolgreich zu spielen. Dazu müssten alle Spieler „an ihre absolute Leistungsgrenze gehen. Das braucht man und kann man von diesen Spielern erwarten.“

Nur auf diesem Weg wird wieder Ruhe um das DFB-Team einkehren. Von den Schlagzeilen hier in Deutschland hielte man die Mannschaft fern. Den Blick in die Medien zu meiden habe Joachim Löw Flick nochmal separat geraten. Für die Spieler selbst stehen ohnehin andere Ablenkungsmöglichkeiten bereit, wie Basketball oder Videospiele. Dann wieder ab Donnerstag, in Al-Ruwais.

Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ähnliche Artikel

WM 2022: Pressestimmen zum Neymar-Aus und Messi-Drama

WM 2022: Pressestimmen zum Neymar-Aus und Messi-Drama

10. Dezember 2022

News: Sportlich hatte der gestrige Freitag einiges zu bieten. Beide Viertelfinals gingen in die Verlängerung, mit dem besseren Ende für Kroatien und Argentinien. Die Weltpresse lässt ihren Emotionen freien Lauf. Argentinische Pressestimmen La Nacion: „Eine weitere Nacht für die Geschichtsbücher. Messi, der Beste von allen, legt sich die Welt zu seinen Füßen.“ Clarin: „Ein herausragender […]

104 statt 64 Spielen? FIFA plant neues WM-Format

104 statt 64 Spielen? FIFA plant neues WM-Format

10. Dezember 2022

News: Die WM in Katar ist das letzte Turnier mit 32 Mannschaften. Ab 2024 nehmen 48 Teams beim wohl größten Fußball-Turnier überhaupt teil. WM 2026 – Dreier- oder Vierergruppen? Die FIFA plant laut einem Bericht der „Sportschau“ weitere Reformen bei ihrem wichtigsten Fußballturnier. Ab 2026 werden 48 Mannschaften, statt den gewohnten 32, am Turnier teilnehmen. […]

90PLUS-Ticker: Brasilien nach dem WM-Aus

90PLUS-Ticker: Brasilien nach dem WM-Aus

10. Dezember 2022

Der 90PLUS-Ticker für Samstag, den 10. Dezember 2022. Die ersten beiden Halbfinalteilnehmer stehen fest, heute werden die beiden verbleibenden ermittelt.  90PLUS-Ticker für den 10. Dezember Die ersten beiden Viertelfinalpartien bei der WM 2022 sind vorüber. Immer mehr Auswahlmannschaften können sich also jetzt auf die Analyse konzentrieren, vor allem für Brasilien war das Aus gegen Kroatien gestern […]


'' + self.location.search