WM 2022 | DFB-Team vor erstem Endspiel gegen Spanien zwischen Optimismus und nächsten Negativrekorden

WM-Spotlight

Spotlight | Am Sonntagabend des 2. Spieltags der WM 2022 trifft Deutschland auf Spanien. Für das DFB-Team geht es bereits um alles, während Spanien gegen Costa Rica eine ganze Reihe an neuen Rekorden aufstellte. Die Statistik-Vorschau.

„Das physische Level war brutal“ – Ehrfürchtiger Luis Enrique und Spaniens neue Rekorde

An diesem Sonntag wird Spanien zum fünften Mal bei einer Weltmeisterschaft auf Deutschland treffen, nach 1966 (1:2), 1982 (1:2), 1994 (1:1) sowie 2010 (1:0). Lediglich gegen Brasilien spielte man ebenfalls fünfmal. Die Statistik hingegen spricht knapp für das DFB-Team. Beim Remis 1994 stand Luis Enrique selbst auf dem Platz und erinnerte sich auf der Pressekonferenz zurück: „Das physische Level war brutal. Wenn es jemanden gibt, der weiß, wie man wettbewerbsfähig ist, ist es Deutschland. Wenn es jemanden gibt, der weiß, wie man die eigene Dynamik verändert, ist es Deutschland.“

 



 

Das trifft mittlerweile allerdings auch auf seine eigene Mannschaft zu. Gegen Costa Rica verzeichnete Spanien 81,9 Prozent Ballbesitz, der höchste jemals gemessene Wert bei einer Weltmeisterschaft seit Beginn der Datenerfassung 1966. Vorheriger Rekordhalter war Argentinien, die 2010 beim 2:0-Sieg gegen Griechenland auf 80,3 Prozent kamen. Auch die 94 Prozent Passquote sowie 1045 gespielte Pässe konnte seit 2014 kein anderes Team überbieten. Das 7:0 ist außerdem Spaniens höchster WM-Sieg aller Zeiten. Somit ist das 6:1 gegen Bulgarien aus dem Jahr 1998 abgelöst. Sechs verschiedene Torschützen in einer Partie sind ebenfalls ein Novum für die Spanier. Mit diesen Statistiken im Rücken will man versuchen, gegen Deutschland zum dritten Mal nach 1950, 2002 sowie 2006 mit zwei Siegen in eine Weltmeisterschaft zu starten.

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Hansi Flick optimistisch – aber auch zurecht?

Hansi Flick will die Partie gegen Spanien „eher positiv“ angehen, anstatt daran zu denken, dass man möglicherweise 90 Minuten vom nächsten Aus in der Gruppenphase entfernt ist. „Ich freue mich auf dieses Spiel, weil es einfach dazugehört. Wir sind hier bei einer Weltmeisterschaft. Wir wissen natürlich, dass wir nicht die besten Voraussetzungen haben. Aber wir wissen auch, dass wir eine Qualität haben, um dieses Spiel zu gewinnen und daran wollen wir uns orientieren.“

Orientieren kann sich Flick auch an seiner eigenen Bilanz als Cheftrainer gegen spanische Teams. Von vier Partien konnte er drei gewinnen, bei einem Unentschieden sowie 15:4 Toren. Die drei Vereine, die er damals mit dem FC Bayern bezwang, den FC Barcelona (8:2), den Sevilla FC (2:1 n.V.) sowie Atlético Madrid (4:0, 1:1), stellen mit elf von 26 Spielern das Gros des aktuellen spanischen Kaders.

 

 

Rein leistungstechnisch nahmen sich das DFB-Team und Spanien am vergangenen Spieltag nicht viel. 26:17 Torschüsse, 9:8 aufs Tor. Dazu ein xG von 3,1:3,5 über die beiden Partien gegen Japan, beziehungsweise Costa Rica. Genau hier zeigt sich jedoch der große Unterschied zwischen beiden Mannschaften: Während Spanien genau das Doppelte seines xG in Tore umwandelte, beging Deutschland einen nahezu historischen Chancenwucher. Erstmals seit Beginn der Datenerfassung 1966 verlor ein Team, das sich einen xG von 3 oder mehr erarbeitete. Zudem bekam Deutschland gegen Japan elf Torchancen. Seit 2002 gab es nur in einer Gruppenphasenpartie mehr: Beim 1:0 über Polen 2006 waren es deren zwölf.

Auch die Tatsache, dass man mindestens 25 Torschüsse abgab, muss nicht zwingend ein gutes Omen sein. Bereits zweimal war das in der Gruppenphase der Fall: 2018 gegen Mexiko (26) und Südkorea (28). Beide Spiele gingen verloren.

Während Spanien jedoch auf der anderen Seite keinen einzigen Torschuss der Costa Ricaner zuließ, kam Japan zu zwölf. Genau das war bereits vor vier Jahren der Knackpunkt, als Südkorea ebenfalls zwölf Torschüsse abgab und Mexiko sogar 13. Diesmal allerdings lässt sich das Problem genau festpinnen, da sieben der zwölf Torschüsse durch die Einwechselspieler Takuma Asano (fünf), Takumi Minamino sowie Ritsu Doan (je einen) zustande kamen. Deutschland muss es diesmal lediglich zu Ende spielen, um die nächsten Negativrekorde zu vermeiden. Noch nie zuvor unterlag das DFB-Team in drei aufeinanderfolgenden WM-Partien. Genauso wenig, wie man bisher zwei Gruppenspiele in Folge bei derselben Weltmeisterschaft verlor. Wenn es jemals einen guten Zeitpunkt gab, dem eigenem Ruf als Turniermannschaft gerecht zu werden und zu beweisen, dass Hansi Flicks Optimismus begründet ist, dann diesen Sonntag, 22:00 Uhr Ortszeit in Al-Khor.

Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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