Die WM 2026 rückt in großen Schritten näher, auch beim DFB wächst die Spannung. Matthias Sammer äußerte sich kritisch über den Verband.
Gegenüber dem Stern sagte der ehemalige Nationalspieler und frühere DFB-Sportdirektor, dass der deutsche Fußball in einer Identifikationskrise stecke. „Zu unseren Stärken haben immer Kampfgeist und Wille gezählt. Das hat alle großen Mannschaften ausgemacht“, betonte der 58-Jährige: „Und jetzt schämen wir uns fast für diese Tugenden.“
Der heutige BVB-Berater und TV-Experte forderte ein klares Spielkonzept, das schon in den Jugendmannschaften angewendet wird. Dabei dürfe es jedoch nicht nur um spielerische Finesse, sondern eben auch um Aspekte wie Kampfgeist gehen. „Wir reden zu viel über die Schönheit des Spiels, über Ballbesitz – und zu wenig darüber, wie man es gewinnt“, kritisierte Sammer und führte aus: „Alles muss gefällig aussehen und künstlerisch wertvoll sein, ständig geht es um die B-Note. Dieses Gerede hilft uns nicht weiter.“
Nicht nur beim DFB: Sammer fordert mehr Fußballer in der Chefetage
Für den Europameister von 1996 bedarf es dafür allerdings mehr Expertise in der Führungsetage. Laut Sammer sollten sich unter anderem die Weltmeister von 2014 mehr einbringen: „Wir brauchen mehr Jungs, die auf höchstem Niveau gespielt haben und auch die Verantwortung im Fußball von heute mit übernehmen. Denn eines ist für mich klar: Der Fußball sollte den Fußballern gehören.“

Damit zielte Sammer auch auf die Bundesliga-Klubs ab, die auf Funktionärsebene oftmals auf erfahrene Manager setzen, die jedoch oft keine eigene Fußballkarriere hinter sich haben. Diese, so Sammer, würden sich zwar mit Betriebswirtschaft auskennen, aber nicht wissen, „wie es in einer Kabine zugeht“. Dieses Wissen sei jedoch notwendig, um im Fußball die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Sammer selbst war von 2006 bis 2012 in verschiedenen Rollen für den DFB tätig. Zwischen 2022 und 2024 kehrte er in beratender Funktion zum Verband zurück, mittlerweile ist er jedoch nur noch für den BVB tätig und begleitet für Prime Video die Champions League als Experte.

