Der WM-Countdown läuft, in genau einer Woche startet die deutsche Nationalmannschaft in der Gruppe E ins XXL-Turnier. Allerhöchste Zeit also, um einen Blick auf die Gruppengegner der Nagelsmann-Elf zu werfen!
Nach den letzten beiden missglückten Weltmeisterschaften, bei denen die DFB-Elf nicht über die Gruppenphase hinauskam und damit ein Negativ-Novum markierte, soll der Weg von Kapitän Joshua Kimmich und seinen Mannen in diesem Sommer wieder in der K.o.-Runde weitergehen. Eine abermalige Enttäuschung soll in jedem Fall verhindert werden, die Vorrunde in den USA wird die deutsche Mannschaft also sicherlich nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Mit Curacao, der Elfenbeinküste und Ecuador als Gruppengegner geht Deutschland natürlich als klarer Favorit in die ersten drei Turnier-Spiele, dennoch ist bei allen drei Nationen Vorsicht geboten. Der karibische Inselstaat wird seine Außenseiterrolle voll und ganz annehmen und mit den Ivorern und Südamerikanern treffen zwei Mannschaften gespickt mit internationalen Stars auf die DFB-Elf.
WM-Neuling Curacao: Klein, aber oho
Wird das XXL-Format der FIFA mit 48 teilnehmenden Mannschaften bei der WM 2026 auf der einen Seite kritisiert, so ermöglicht es auf der anderen Seite besondere und rührende Geschichten. Eine etwa erzählt von der kleinsten Nation, die jemals an einer Weltmeisterschaft teilnehmen wird und den Namen Curacao trägt. Mit 156.000 Einwohnern ist die karibische Insel in etwa so groß wie Heidelberg oder Paderborn, dennoch ist sie personell kein völlig unbeschriebenes Blatt.
Das ist vor allem auf die koloniale Vergangenheit zurückzuführen: Der Inselstaat gehört bis heute zum Königreich der Niederlande. Von den 30 Spielern, die in der WM-Qualifikation zum Einsatz kamen, wurden lediglich zwei tatsächlich auf der Insel geboren. Der Großteil stammt aus den Niederlanden und durchlief teilweise sogar die dortigen Jugendnationalmannschaften.

Auch an der Seitenlinie zeigt sich der niederländische Einfluss. Nationaltrainer Dick Advocaat, zwischenzeitlich von seinem Landsmann Fred Rutten abgelöst, kann auf Stationen bei zahlreichen europäischen Vereinen und Nationalmannschaften auf der ganzen Welt zurückblicken und bringt daher eine Menge Erfahrung mit. Der 78-Jährige verfügt über einen Kader, dessen Spieler trotz der großen Underdog-Rolle vornehmlich in europäischen Ligen auflaufen.
Das Herzstück von „The Blue Wave“, wie sich die Nationalmannschaft von Curacao auch nennt, ist Kapitän Leandro Bacuna, der einen Großteil seiner Karriere in der englischen Premier League und Championship verbrachte und dort etwa für Aston Villa und Cardiff City auflief. Der 34-jährige Mittelfeldspieler spielt mittlerweile in der zweiten türkischen Liga, ist mit seiner Erfahrung und Spielintelligenz dennoch eine der Schlüsselfiguren für Coach Advocaat. Der populärste Name hingegen dürfte Tahith Chong sein, der einst per Leihe für eine Saison bei Werder Bremen in der Bundesliga spielte. Der Angreifer galt früher als großes Talent bei Manchester United, mittlerweile spielt der 26-Jährige beim englischen Zweitligisten Sheffield United. Auch Jürgen Locadia, ehemals TSG Hoffenheim und VfL Bochum, sowie Gervane Kastaneer, Innenverteidiger bei der PSV Eindhoven, sind Spieler, die Nagelsmann und sein Team auf dem Zettel haben müssen. Klar ist dennoch: Curacao geht als eindeutiger Außenseiter in die Gruppe E.
Diomande und Diallo: Die hochtalentierte Flügelzange der Elfenbeinküste
Die Elfenbeinküste dürfte als Gegner der Nagelsmann-Elf noch einmal deutlich unangenehmer werden. Schließlich reist das afrikanische Team, trainiert durch Trainer Emerse Faé, mit einigen Top-Stars aus Europa zur WM in die USA, Kanada und Mexiko.
Mittendrin: Zwei aufstrebende Bundesliga-Stars. Der bekannteste hört auf den Namen Yan Diomande und absolvierte in seiner Premieren-Saison bei RB Leipzig gleich 36 Pflichtspiele. Insgesamt 13 Treffer und zehn Vorlagen gelangen dem 19-jährigen Ausnahmetalent, der Marktwert ist entsprechend auf rund 90 Millionen Euro angestiegen. Auch Bazoumana Touré von der TSG Hoffenheim wusste mit 17 Scorerpunkten in seiner ersten Bundesliga-Spielzeit zu überzeugen.

Die Offensivreihe komplettieren Spieler wie ManUnited-Star Amad Diallo, der vor allem beim 2:1-Testerfolg gegen Frankreich überzeugen konnte, Nicolas Pépé vom FC Villareal oder Elye Wahi, zuletzt von der Eintracht an OGC Nizza ausgeliehen. Auch auf den restlichen Positionen ist die Elfenbeinküste gut aufgestellt. Insbesondere ist hier Franck Kessié zu nennen, der seit drei Jahren in Saudi-Arabien spielt, zuvor aber für die AC Milan und den FC Barcelona auflief und seine Nation bei der anstehenden WM als Kapitän aufs Feld führen wird.
Derweil trafen die „Elefanten“ bereits einmal auf die deutsche Nationalmannschaft, und zwar im Jahr 2009. Damals gab es im Testspiel ein 2:2-Unentschieden, Lukas Podolski erzielte beide Treffer für den DFB. Bei der WM 2026 wird die deutsche Auswahl nun ihren ersten Sieg gegen die Ivorer anvisieren. Eine leichte Aufgabe wird das jedenfalls nicht.
Ecuador und sein Defensivbollwerk
Auch Ecuador bringt als dritter Gruppengegner der Deutschen eine Menge Qualität mit. Was die Mannschaft von Trainer Sebastián Beccacece besonders ausmacht, ist deren defensive Stärke. Unter der Leitung des Argentiniers kassierte „La Tri“ im Schnitt nur 0,25 Gegentore pro Spiel, in insgesamt 16 Partien gab es gleich siebenmal ein 0:0 und zudem nur eine Niederlage (0:1 gegen Brasilien).
Die Qualität in der Abwehr lässt sich mit den Weltklasse-Profis Willian Pacho (PSG) und Piero Hincapie (FC Arsenal) erklären, zudem beackert mit Moises Caicedo ein Klubweltmeister vom FC Chelsea den defensiven Mittelfeldraum. Mit einem Marktwert von 100 Millionen Euro gehört der 24-Jährige sogar zu den wertvollsten Spielern, die bei der WM auflaufen.

Ansonsten ist die Offensive der Südamerikaner etwas spärlicher besetzt. Der bekannteste Mann dürfte Rekord-Torschütze Enner Valencia sein, der mit seinen 36 Jahren aber auch nicht mehr zu den Weltklasse-Spielern auf seiner Position gehört. Auch Jeremy Arevalo vom VfB Stuttgart kann hier genannt werden, der Bundesliga-Neuling ist aber noch recht unerfahren.
Daher wird die Devise der Ecuadorianer gegen die deutsche Nationalmannschaft lauten, möglichst lange die Null zu halten und mit gezielten offensiven Nadelstichen für die „Überraschung“ zu sorgen. Ein Einzug in die K.-o.-Runde wäre für die Südamerikaner allerdings keineswegs Neuland. Bereits bei der WM 2006 in Deutschland erreichte La Tri das Achtelfinale – damals ebenfalls in einer Gruppe mit der DFB-Elf. Es ist durchaus denkbar, dass sich dieses Szenario 20 Jahre später wiederholt. Denn die aktuelle Generation gilt als eine der stärksten Mannschaften, die Ecuador je hervorgebracht hat.

