Am Freitag hat New Zealand Football Gianni Infantino die Unterstützung für dessen Wiederwahl entzogen. Das ist bemerkenswert – aber nicht, weil Neuseeland früh dran wäre. Sondern weil Ozeanien ausgerechnet jene Region ist, aus der der FIFA-Präsident bislang kaum Widerspruch hörte.
Was Neuseeland genau erklärt hat
Der Verband teilte mit, er habe die Kandidatur Infantinos für den FIFA-Kongress 2027 offiziell nicht mehr im Rücken, und forderte eine unabhängige Überprüfung jener Schritte, die zur geplanten Gesellschaft FIFA Forward Enterprise geführt hatten. Zur Begründung heißt es, Entscheidungen innerhalb der FIFA hätten zu einem Vertrauensverlust und zu wachsender Spaltung im internationalen Fußball beigetragen.
Die Erklärung folgte auf eine Sitzung des Exekutivkomitees der Ozeanien-Konföderation OFC – und ging deutlich weiter als diese. Die OFC begrüßte lediglich, dass die FIFA ihre Investorenpläne zurückzog, betonte die Bedeutung guter Regierungsführung und verzichtete ausdrücklich darauf, den Rücktritt des Präsidenten zu fordern. Neuseeland hat sich damit gegen die Linie seines eigenen Kontinentalverbands gestellt.
Der Plan, der alles ausgelöst hat
Am 28. Juli 2026 machte die FIFA öffentlich, was zuvor durchgesickert war: eine Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise, die die kommerziellen und operativen Rechte an den großen Turnieren bündeln sollte, darunter Weltmeisterschaft und Klub-WM. Bewertet wurde das Konstrukt mit rund 20 Milliarden Dollar, bis zu 20 Prozent der Anteile sollten an private Investoren gehen. Die erwarteten Einnahmen bezifferten Berichte auf etwa 7,2 Milliarden Dollar.
Die UEFA reagierte mit der Feststellung, der Fußball gehöre der FIFA nicht und stehe nicht zum Verkauf, und kündigte einen Boykott sämtlicher FIFA-Turniere an. Am 1. August zog Infantino den Plan zurück; das Projekt habe zu Spaltungen geführt, ließ er mitteilen. Die UEFA begrüßte den Rückzug – und forderte zugleich, sämtliche Unterlagen und Nachrichten zum Vorhaben zu sichern, unter Ankündigung möglicher rechtlicher Schritte.
Die Zählung, auf die es ankommt
Infantino will im März 2027 für eine vierte und letzte Amtszeit kandidieren. Er benötigt mindestens 106 der 211 Mitgliedsstimmen. Genau deshalb ist jede einzelne Absage eine Rechengröße – und genau deshalb stimmt die Erzählung vom dritten Abweichler nicht.
| Position | Verbände (Auswahl) |
|---|---|
| Unterstützung entzogen | Wales, England, Schweden, Finnland, Serbien, Irland, Neuseeland |
| UEFA-Linie unterstützt | Nordirland, Schottland, Ukraine |
| Offene Unterstützung für Infantino | Marokko, Katar, Ägypten, Mauretanien, Libanon, Sudan |
| Kritisch, aber ohne formalen Entzug | DFB |
Der Widerstand konzentriert sich auf Europa sowie Nord- und Mittelamerika. UEFA, CONCACAF und AFC haben in einem gemeinsamen offenen Brief den Vorwurf erhoben, das Vertrauen sei durch Täuschung gebrochen worden. Am Donnerstag stellten sich dagegen sechs arabische Verbände geschlossen hinter den Präsidenten, vier ihrer Unterzeichner sitzen im FIFA-Council.
Und der DFB?
Deutschland hat die Unterstützung bislang nicht formal entzogen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kritisierte Infantino nach der Kehrtwende scharf, Geschäftsführer Andreas Rettig verwies auf die Erklärung der UEFA und nannte es ein sehr deutliches Signal, wenn Mitglieder öffentlich das Vertrauen aufkündigen. Eine eigene Positionierung ist das noch nicht.
Sieben Absagen sind keine Mehrheit
Die FIFA hat sich inzwischen gegen Versuche verwahrt, den Weltverband zu untergraben. Das klingt nach einer Institution, die sich verteidigt, nicht nach einer, die verhandelt. Und rechnerisch hat sie dafür Grund: Sieben zurückgezogene Unterstützungen sind ein Signal, keine Mehrheit. Bis zum März 2027 sind es noch sieben Monate. In der FIFA-Arithmetik ist das eine lange Zeit – und die 106 stehen nicht in Europa.

