Am Samstagabend rollt in Spanien wieder der Ball. Alavés gegen Getafe, Sevilla gegen Rayo. Der amtierende Meister spielt nicht. Der Rekordmeister spielt nicht. Und das hat nichts mit Brisanz zu tun, sondern mit einem Kalender, den die Weltmeisterschaft zerlegt hat.
Die Regel, die den Auftakt halbiert
LaLiga eröffnet als erste der fünf großen Ligen – aber nur mit sechs statt zehn Partien. Wer im WM-Halbfinale noch Spieler im Turnier hatte, durfte den ersten Spieltag nach hinten schieben; hinter der Regelung steht eine vereinbarte Erholungspause nach internationalen Turnieren. Betroffen sind Real Madrid, Barcelona, Athletic Club, Real Sociedad und Betis. Barcelona allein hatte zehn Spieler im Halbfinale.
Das Ergebnis ist ein Spieltag, der sich über zwölf Tage streckt. Barças offizielle Erstrunden-Partie gegen Athletic steigt am 27. August im Spotify Camp Nou – gespielt wird aber schon am 23. August in Elche, also am zweiten Spieltag. Real Madrids Auftakt gegen Real Sociedad wandert in dasselbe Fenster. Atlético zog seinen Start freiwillig nur um vier Tage auf Mittwoch vor, weil im Metropolitano Ende August Konzerte anstehen. Auch Celta gegen Osasuna wurde verlegt, dort wegen einer Rasenerkrankung.
Real Madrid: Mourinho und ein Kader, der neu klingt
Die eigentliche Geschichte des spanischen Sommers ist der Umbau in Madrid. Nach der Wiederwahl von Florentino Pérez sitzt José Mourinho auf der Bank – und die Zugangsliste liest sich wie eine Ansage: Marc Cucurella kam von Chelsea, dazu Ibrahima Konaté, Bernardo Silva, Denzel Dumfries und Carlos Espí. Cucurellas Vertrag läuft bis 2032.
Es ist ein defensiv geerdeter Umbau, wie man ihn von diesem Trainer erwartet. Ob er zu einer Mannschaft passt, deren größte Namen nach vorne spielen wollen, ist die Frage der Saison – und nicht die des ersten Spieltags, den Real ohnehin nicht bestreitet.
Barcelona: Meister, Verkäufer, Jäger
Barça geht als dreifacher Titelverteidiger in die Saison, 94 Punkte in der Vorsaison, der 29. Meistertitel insgesamt. Hansi Flick hat verlängert. Gleichzeitig ist Robert Lewandowski nach Vertragsende weg, Ronald Araújo an Liverpool verliehen, Ansu Fati fest nach Monaco verkauft.
Angekommen sind Anthony Gordon von Newcastle – die größte Einzelinvestition der Katalanen seit Frenkie de Jong 2019 – und Karim Adeyemi aus Dortmund. Parallel läuft die Kaderbereinigung weiter: Héctor Fort und Marc Casadó wurden laut Cadena SER auf die Suche nach neuen Klubs geschickt und trainierten zuletzt separat, über Ferran Torres wird mit PSG gesprochen. Und über allem schwebt Julián Álvarez, der Wunschstürmer, um den Barcelona seit Wochen ringt.
| Sommer 2026 | Real Madrid | FC Barcelona |
|---|---|---|
| Trainer | José Mourinho (neu) | Hansi Flick (verlängert) |
| Zugänge (bestätigt) | Cucurella, Konaté, Bernardo Silva, Dumfries, Espí | Gordon, Adeyemi |
| Prominenteste Abgänge | Mastantuono (Leihe), Palacios | Lewandowski (ablösefrei), Araújo (Leihe), Ansu Fati |
| Offene Baustelle | Zentrales Mittelfeld, Innenverteidigung | Mittelstürmer |
| Erster Ligaeinsatz | 25.–27. August (Real Sociedad) | 23. August in Elche |
Wer jetzt Punkte holt, holt sie gegen die Uhr
Für die Klubs, die am Wochenende spielen, ist die Lage eigenartig komfortabel und heikel zugleich. Sie sammeln früh, während die Konkurrenz noch trainiert – und stehen dann Ende August vor einem Terminstau, der Barcelona binnen fünf Tagen zwei Ligaspiele beschert.
Das eigentliche Wettrüsten in Spanien hat also längst stattgefunden, nur eben auf dem Transfermarkt und nicht auf dem Rasen. Real hat einen Trainer geholt, der Ansprüche stellt. Barcelona hat einen Titel zu verteidigen und einen Neuner zu finden. Das Fenster schließt am 1. September – acht Tage, nachdem der Meister sein erstes Spiel gemacht hat. Wer glaubt, eine Saison beginne mit dem Anpfiff, hat die Kalender der letzten Jahre nicht gelesen.

