Neue Ära beim FC Barcelona: Die größten Baustellen für Xavi Hernandez

Xavi FC Barcelona
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Der FC Barcelona hat eine Vereinslegende zurückgeholt. Xavi Hernandez, ehemaliger Weltklasse-Mittelfeldspieler, ist als Trainer zurück bei den Katalanen. Auf den 41-Jährigen warten zahlreiche, schwierige Aufgaben. 

Xavi muss Aufbruchstimmung erzeugen

Xavi Hernandez (41) wurde am heutigen Montag offiziell als neuer Trainer des FC Barcelona vorgestellt. Die Pressekonferenz und die Medienrunde waren ein voller Erfolg. Die dringend benötigte Aufbruchstimmung bei den Katalanen konnte zumindest für den Moment erzeugt werden. „Meine DNA hat sich nicht verändert: Die Idee, der Protagonist im Spiel zu sein, den Ball zu haben, Chancen herauszuspielen – ein intensives Barça.“ Mit solchen Aussagen hat Xavi die Anhänger des Klubs natürlich direkt abgeholt.



Mit Kalkül hat das aber nichts zu tun, denn schon bei seiner Station in Qatar, wo der mehrfache Gewinner der Champions League einen technisch hochwertigen Ballbesitzfußball mit Al-Sadd spielen ließ, stellte Xavi seine Ambitionen in Sachen Spielstil unter Beweis. Mit 17 Punkten aus zwölf Ligaspielen stehen die Katalanen aktuell nur auf Platz neun. Der Trainereffekt mitsamt einer Euphorie in der Mannschaft ist nach der Länderspielpause zwingend notwendig, um aus der aktuellen Misere herauszukommen.

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Implementierung des Spielstils

Ja, Xavi Hernandez hat eine Vorstellung, wie sich der Stil des FC Barcelona verändern soll. Der Weg dorthin ist aber weit und eine klassische Vorbereitung hat der Spanier nicht zur Verfügung. Es stehen nach der Länderspielpause gleich einige englische Wochen an, zu den ersten Gegnern gehören Stadtrivale Espanyol, SL Benfica, ein unangenehmes Real Betis und der FC Bayern. Viel Zeit für Inhalte hat der neue Trainer also nicht, eher geht es um eine Mischung aus Regeneration, Motivation und ersten Anpassungen im strukturellen Bereich.

Xavi könnte bald die Geschicke des FC Barcelona lenken.

(Photo by Barrington Coombs/Getty Images)

Dass Xavi sehr intensiv über Fußball nachdenkt, zeigte sich bereits in diversen Interviews, die er in den letzten Jahren gegeben hat. Der Fokus liegt auf der Implementierung einer neuen taktischen Grundausrichtung und seiner eigenen Spielphilosophie, wenngleich Geduld eine wichtige Tugend ist. Schritt für Schritt müssen die Elemente angepasst und die Automatismen generiert werden. Es wird Zeit benötigen, in allen Mannschaftsteilen Abläufe zu optimieren. Dass der FC Barcelona in den kommenden Wochen bereits wieder in Richtung Spitzengruppe marschiert, ist nicht zu erwarten.

Auf die Jugend bauen

Xavi will einen technisch hochwertigen Ballbesitzfußball spielen, der vor allem im Gegenpressing sehr intensiv ist. Das Spielermaterial dafür ist zumindest dann, wenn alle Spieler fit sind, vorhanden. Der Kader ist auch aufgrund der Probleme im finanziellen Bereich insbesondere in der Breite nicht ideal besetzt und hier kommt es auf die vielen jungen Spieler an. Einst war „La Masia“, die Jugendakademie des Klubs, ein großes Aushängeschild. In den letzten Jahren hat sich der Fokus etwas verschoben. 

Die Beispiele von Spielern wie Nico Gonzalez (19), Gavi (17) oder Ansu Fati (19) zeigten, dass es sich lohnt, das Talent zu fördern. Alex Balde (18) steht zum Beispiel schon in den Startlöchern. Den jungen Nachwuchsspielern das Vertrauen schenken, kann sich auszahlen. Auch bei ihnen ist Geduld gefordert, sie müssen Fehler machen und aus Fehlern lernen. Das gilt auch für einen Spieler wie Eric Garcia (20), der im Sommer zurückkehrte. Einen Neuanfang wagen, eine neue Ära starten, das ist mit Spielern, die die Barca-DNA schon seit Jahren in sich tragen und früh aufgesogen haben, umso einfacher zu bewerkstelligen, weil diese Spieler sich leichter mit dem Klub und seiner Ausrichtung identifizieren können. 

Xavi: Entscheidende Personalfragen und Transferperioden

Nicht nur auf dem Platz, sondern auch neben dem Platz müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Die zukünftige Ausrichtung des Klubs ist auch von Personalentscheidungen und den nächsten Transferperioden abhängig. Finanziell hat der Klub mit großen Problemen zu kämpfen, das Budget für Transfers betrug vor der Ablösezahlung für Xavi und der Abfindung für Ronald Koeman (58) schon nur rund 20 Millionen Euro.

Samuel Umtiti (27), Sergi Roberto (29), Philippe Coutinho (29) und Martin Braithwaite (30) gehören zu den Spielern, die der Klub in Kürze verkaufen könnte. Die Einnahmen wären wichtig, um diese zu reinvestieren.  Mit den Vertragsverlängerungen von Pedri (18) und Ansu Fati wurde eine wichtige Basis für die Zukunft gelegt, allerdings sind bei anderen Spielern noch Fragen offen. Ousmane Dembele (24), der über ein Weltklasse-Potenzial verfügt, aber extrem oft verletzt ist, befindet sich leidlich in seichten Gesprächen mit dem Klub, obwohl sein Vertrag in Kürze ausläuft. 

Neben der täglichen Arbeit auf dem Platz muss der neue Trainer des FC Barcelona also auch neben dem Platz vieles abarbeiten. Die Zeit drängt, der Anschluss an die vorderen Plätze in La Liga darf nicht komplett verloren werden. Die Aufgabe ist also mehr als nur groß.

(Photo by David Ramos/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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