Premier League: Düstere Prognose für ManUnited, Arsenals Puzzleteil und ein Bärendienst

Premier League: Die Spieler von Manchester United bei der 0:4-Blamage in Brentford.
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Premier League: Manchester United hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Oder vielleicht doch nicht? Der FC Arsenal scheint unterdessen das Puzzleteil für die Top-Four-Hoffnungen gefunden zu haben. Die Erkenntnisse des zweiten Spieltags der Premier League. 

Manchester United: Es könnte noch schlimmer kommen

Wer dachte Manchester United hätte nach Platz sechs in der Vorsaison und der Auftaktpleite gegen Brighton den Tiefpunkt erreicht, der irrt sich. Am Samstag lagen die Red Devils bei Vorjahresaufsteiger Brentford bereits nach 35 Minuten 0:4 hinten – der Endstand. Die Mannschaft von Trainer Erik ten Hag bot eine desolate Vorstellung, war dem Gegner in allen Belangen unterlegen und bot dabei keinerlei Gegenwehr.

Die Erkenntnis aus der Vorwoche , „um wieder ein nationales und internationales Schwergewicht zu werden, wird Manchester United einiges vom vermeintlich unterlegenen Gegner aus Brighton lernen müssen“ bleibt bestehen, man darf dabei lediglich „Brighton“ durch „Brentford“ ersetzen. Und der Rest der Erkenntnis bleiben ebenfalls erstmal bestehen : „Ein Klub, der zwar über einen Bruchteil des Etats, dafür aber über all das verfügt, was den Red Devils seit Jahren fehlt: Ein Plan, eine Strategie, wie immer man es nennen mag. Dazu gehört ein Trainer mit einer klaren Spielphilosophie und dafür kompatible wie entwicklungsfähige Spieler.“

Was allerdings beunruhigend ist: Manchester United scheint nicht mal den Anfang dieses Prozesses erreicht zu haben. Das zeigen die Bemühungen um Marko Arnautovic – die nach Fanempörung eingetellt wurden – und Adrien Rabiot. Ausbaden muss es ten Hag. Und beim Blick auf den Spielplan erscheint es nicht mal unrealistisch, dass der Noch-Rekordmeister der Premier League bis Oktober noch bei einer einstelligen Punkteausbeute stehen wird.

 

 

Arsenal: Gabriel Jesus ist das fehlende Puzzleteil

Als wir beim 90PLUS-Panel zur neuen Premier-League-Saison die Frage stellten, welcher neu verpflichtete Stürmer den größeren Impact haben würde, waren sich alle Experten einig. Erling Haaland ist zwar Erling Haaland – auch bei Manchester City, Liverpools Darwin Nunez war der teuerste. Und dennoch entschieden sich alle drei für Gabriel Jesus beim FC Arsenal.

Obwohl die Gunners letzte Saison haarscharf die Champions League verpassten, demonstrierten sie, dass sie nach einem gewaltigen Umbruch unter Mikel Arteta auf dem richtigen Weg waren. Was fehlte, war noch etwas die Kadertiefe und vor allem: ein Stürmer. Nicht nur einen Vollstrecker – Sturmoption Nummer eins 2021/2022 Alexandre Lacazette erzielte aus dem Spiel heraus gerade einmal zwei Treffer – es brauchte die Speerspitze des Arteta-Systems.

Nach einer beeindruckenden ersten Vorbereitung bei den Gunners war bereits zu erahnen, was das im Falle von Jesus bedeutete: „Es sind nicht nur die Tore, es sind seine Laufwege, sein Arbeitsaufwand im Pressing, seine Spielintelligenz und Kombinationsfähigkeit, die letzte Saison auf dieser Position schlichtweg nicht vorhanden waren“, sagten wir im Panel.

Nach zwei Spieltagen ist bereits klar, dass sich all das auch auf die Pflichtspiele übertragen wird. Jesus lieferte bereits beim 2:1-Auftaktsieg über Crystal Palace eine überzeugende Leistung, beim 4:2-Heimsieg über Leicester City am Samstag brillierte der Brasilianer regelrecht.  Jesus war das gesamte Spiel über nicht zu bändigen, arbeitete unermüdlich, hob das fluide Kombinationsspiel der Gunners auf ein neues Level und sorgte für den Ertrag: Der 25-Jährige erzielte mit einem herrlichen und ansatzlosen Lupfer aus dem Stand das 1:0, köpfte einen Abstauber zum 2:0 ein und bereitete sogar das 3:1 sowie das 4:2 vor. Und es hätten mehr Tore sein können.

Nachdem er bei Manchester City im Schatten vieler Stars stand, blüht Jesus mit gestiegener Verantwortung und allen Freiheiten im Angriff unter seinem Ex-Co-Trainer regelrecht auf. Und das scheint keine Eintagsfliege zu sein. Für Arsenal ist er so etwas wie das fehlende Puzzleteil. Nicht nur für eine zuweilen stockenden Offensive sondern für Artetas Vision, Arsenal wieder zu glanzvolleren Zeiten zu führen.

 

Darwin Nunez‘ Bärendienst

Bereits letzte Woche sprachen wir darüber, dass der FC Liverpool in dieser Saison ein frühes Problem hat. Eine lange Ausfallliste könnte in einer (wegen der Winter-WM) komprimierten Saison der entscheidende Nachteil im Meisterschaftsrennen mit Manchester City sein. Umso größer war der Bärendienst, den sich 75-Millionen-Euro-Neuzugang Darwin Nunez am Montagabend zu Hause gegen Crystal Palace leistete.

Beim stand von 0:1 ließ er sich völlig unnötig und überemotional zu einem Kopfstoß gegen Joachim Andersen hinreißen. Es war nicht viel, aber der Verteidiger nahm dankend an. Ein verdienter Platzverweis. „Darwin weiß, dass er seine Mitspieler im Stich gelassen hat.“ Die Reds konnten in Unterzahl nur einen Punkt retten, haben nach zwei Spielen bereits vier Zähler Rückstand auf Vorjahresmeister Manchester City. Und: ihnen gehen weiter die Spieler aus. Die lange Abwesenheitsliste wurde am Montag durch Thiago und Roberto Firmino ergänzt. Nun wird auch Nunez, der am ersten Spieltag ein fantastisches Hackentor erzielte, drei Spiele fehlen.

„Wir haben wirklich eine schwere Woche hinter uns“, gestand Klopp nach der Partie. „Jeden Tag hat jemand etwas. Und man denkt sich: ‚was geht hier vor, haben wir eine Hexe im Gebäude?'“

 

Premier League: Kurzpässe – Transfers, Transfers, Transfers

Ja auch in dieser Woche dominieren Transfers oder nicht vorhandene Transfers die Kurzpässe dieser Kategorie.

Auch bei der Partie zwischen Chelsea und Tottenham, bei der Antonio Conte und Thomas Tuchel aufgrund ihrer Rangelei die Schlagzeilen ernteten. Beim Deutschen dürfte dabei eine größere Portion Frust über das Spiel die Emotionen erhitzt haben als beim Italiener, für den es eher ein gewonnener Punkt war. Chelsea war die spielbestimmende Mannschaft, musste am Ende ein 2:2 hinnehmen. Ein echter, etablierter Stürmer, der nach den Abgängen von Romelu Lukaku und Timo Werner fehlt, hätte womöglich eine der Chancen zur Entscheidung genutzt. Darüber hinaus braucht es nicht erst seit der Verletzung von N’Golo Kanté einen spielstarken zentralen Mittelfeldspieler. Jorginho kann das Spiel lenken, hat aber zu viele Aussetzer (so wie beim 1:1) und tendiert dazu, abzutauchen. Ein Frenkie de Jong beispielsweise könne der Unterschied zwischen Europa League und Champions League sein.

Bei Tottenham verwunderte übrigens, dass Neuzugang Yves Bissouma es noch immer nicht in die Startelf schaffte. Auch wenn Pierre-Emile Höjbjerg das 1:1 erzielte, die Dynamik, die im Zentrum von Contes 3-4-3 so wichtig wäre, fehlt ihm.

Luxus, denkt sich sicherlich Brendan Rodgers, der nach dem 2:4 gegen Arsenal erneut Neuzugänge forderte. Keeper Kasper Schmeichel (Nizza) ist weg, Innenverteidiger Wesley Fofana, die Mittelfeldspieler Youri Tielemans und James Maddison sowie nun offenbar auch Jamie Vardy werden allesamt gejagt. Neuzugänge gibt es keine. „Es ist einfach schade, denn ich bin ein ehrgeiziger Trainer und bin hierher gekommen, um die etablierte Ordnung an der Spitze der Liga herauszufordern. Aber dafür muss man sich ständig weiterentwickeln und verbessern“, sagte Rodgers.

Was machte eigentlich Haaland?

Sein zweiter Auftritt im Trikot von Manchester City verlief deutlich unspektakulärer als der erste (zwei Tore). Der Norweger hatte gegen Bournemouth nur acht Ballkontakte. Und dennoch war er beim 4:0-Erfolg ein wichtiger Faktor. „Ich denke, er hat sich heute gut geschlagen. Wenn er kein Tor schießt, werden sie es sagen, aber er hat das erste Tor vorbereitet, er hatte ein paar Chancen und er war da“, sagte Kevin De Bruyne. Was damit gemeint ist: Alleine seine Präsenz beschäftigt die Abwehr enorm.

 

 

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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