England und der Iran setzen gesellschaftspolitisches Zeichen bei klarem Auftakterfolg der Three Lions

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News | Den sportlichen Startschuss in den zweiten WM-Tag lieferten im Khalifa International Stadium der Iran und England. Der Titelaspirant von der britischen Insel konnte sich in diesem Rahmen deutlich mit 6:2 durchsetzen. Dabei trafen mit Jude Bellingham, Bukayo Saka und Jack Grealish gleich drei Weltmeisterschafts-Debütanten.

Iran verliert Torwart Beiranvand früh – Bellingham bringt England in Front

Am frühen Dienstagnachmittag standen sich im Khalifa International Stadium der Iran und Titelanwärter England gegenüber. Mit dieser Begegnung wurde zugleich auch die Gruppe B der WM 2022 in Katar eingeläutet. Im Vorfeld der Partie war bekannt gegeben worden, dass die Three Lions auf die ursprünglich angedachte One-Love-Armbinde verzichten würden. Nicht verzichten wollte Englands Chefcoach Gareth Southgate in seiner Anfangsformation allerdings auf den Dortmunder Jude Bellingham. Ansonsten war das 4-2-3-1-System gespickt mit Akteuren aus der Premier League. Wenig überraschend stand auch der beste WM-Quali-Torschütze und Kapitän Harry Kane (12 Tore in lediglich 8 Einsätzen) in der Startelf.

Im Team Melli musste der portugiesische Trainer Carlos Queiroz zu Beginn auf seinen Top-Torjäger der Asien-Qualifikation, Sardar Azmoun (10 Treffer), verzichten. Der Leverkusener laboriert noch an den Folgen eines Muskelfaserrisses. Mit Mehdi Taremi, aktuell in Diensten des FC Porto, rückte aber eine hochwertige Alternative fürs Sturmzentrum ins, im 5-4-1 angeordnete erste Aufgebot. Mit der Leitung der Partie wurde der 43-jährige brasilianische Unparteiische Raphael Claus betraut.



Vor dem Anpfiff präsentierten beide Teams ihre Courage und setzten wichtige gesellschaftspolitische Zeichen. Die Iraner schwiegen, als Solidaritätsakt mit der weiblichen Revolution im Heimatland, bei der Hymne. Währenddessen nutzten die Engländer die Öffentlichkeit, um mit dem Kniefall auf die Black-Lives-Matter-Bewegung aufmerksam zu machen. Das sportliche Aufeinandertreffen war direkt von einer optischen Überlegenheit der Three Lions geprägt.Den ersten Aufreger lieferte allerdings eine lange verletzungsbedingte Unterbrechung. Der iranische Torhüter Alireza Beiranvand krachte nach einem Freistoß mit seinem Teamkollegen Majid Hosseini zusammen (8.) und wurde nach mehr als zehnminütiger Behandlung schließlich ausgewechselt. In der 32. Minute wurde es dann erstmals gefährlich vor dem Tor der Perser. Kieran Trippiers Ecke fand im Zentrum Manchester-United-Verteidiger Harry Maguire, doch dessen Kopfball landete nur am Aluminium. Drei Zeigerumdrehungen später machten es die Engländer besser. Eine maßgenaue Flanke des Linksverteidigers Luke Shaw ließ der 19-jährige Mittelakteur Bellingham gefühlvoll über den Schädel ins lange Eck zur 1:0-Führung streichen (35.).

Wenig später wurde das Ergebnis bereits erhöht. Im Anschluss an eine Shaw-Ecke von der linken Seite setzte sich Maguire robust im Luftzweikampf durch, woraufhin WM-Debütant Bukayo Saka das Spielgerät sehenswert in den Giebel hämmerte (43.). Die üppige Nachspielzeit von 14 Minuten wurde mit einem weiteren Treffer und gleichzeitig der Vorentscheidung bereits vor dem Halbzeitpfiff eröffnet. Wieder einmal fanden die Iraner keinen Zugriff im Zentrum, der umtriebige Bellingham leitete auf Kane weiter, dieser spielte das Leder vom rechten Flügel ins Zentrum, wo Chelsea-Spieler Raheem Sterling mit einer gekonnten eingesprungenen Bewegung Schlussmann Seyed Hossein Hosseini überwand (45.+1).

Warum wir über die WM in Katar berichten

England in allen Belangen überlegen, tapfere Iraner mit zwei Ehrentreffern

Zu Beginn des zweiten Durchgangs verlief die Partie etwas ausgeglichener. Southgates Männer schalteten nun ein paar Gänge runter, hatten aber weiterhin fast 80 Prozent Ballbesitz. Nach 62 Minuten konnte sich Saka, der Mann von Premier-League-Tabellenführer FC Arsenal, zum zweiten Mal in die Torschützenliste eintragen. Sterling legte die Kugel ans rechte Sechzehnmeterraumeck, der 21-Jährige dribbelte sich durch die iranische Verteidigung und bugsierte den Ball, leicht abgefälscht, in den Kasten. Wenige Augenblicke später schaffte es die tapfere Mannschaft vom Persischen Golf immerhin zum Ehrentreffer. Offensivkraft Ali Gholizadeh fand mit seinem großartigen Steckpass in den Strafraum Angreifer Taremi, der das Leder am machtlosen Jordan Pickford vorbei unter die Latte donnerte (65.).

Der muntere Torreigen ging dann wieder auf der anderen Seite weiter. Kane setzte sich im Zweikampf clever durch, passte präzise auf den wenige Sekunden zuvor eingewechselten Marcus Rashford, der mit einem kurzen Haken seinen Gegenspieler zum Statisten degradierte und eiskalt zum 5:1 einschoss (71.). Den Schlusspunkt dieses ungleichen Aufeinandertreffens aus englischer Sicht setzte Joker Jack Grealish, von Callum Wilson in Szene gesetzt, aus kurzer Distanz nach einem Konter (90.). Nach Hinweis des VARs wurde dann in der Nachspielzeit nochmal auf Strafstoß für den Iran entschieden. Diesen verwandelte Taremi zum 2:6 aus Perspektive des Underdogs (90.+13).

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Weiter geht es für England bei der WM 2022 am kommenden Freitag mit dem prestigeträchtigen Duell gegen die USA (20 Uhr). Bereits am Vormittag trifft dann der Iran auf Wales (11 Uhr).

England – Iran 6:2 (3:0)

England: Pickford – Trippier, Stones, H. Maguire (70. Dier), Shaw – Bellingham, Rice – Saka (70. Rashford), Mount (70. Foden), Sterling (70. Grealish) – H. Kane (75. Wilson)

Iran: Beiranvand (20. Hosseini) – Pouraliganji, Cheshmi (46. Kanaani), Hosseini – Moharrami, Mohammadi (63. Torabi), Nourollahi (77. Azmoun), Karimi (46. Ezatolahi), Jahanbakhsh (46. Gholizadeh), Haji Safi – Taremi

Tore: 1:0 Bellingham (35.), 2:0 Saka (43.), 3:0 Sterling (45.+1), 4:0 Saka (62.), 4:1 Taremi (65.), 5:1 Rashford (71.), 6:1 Grealish (90.), 6:2 Taremi (90.+13)

(Photo by ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Steven Busch

Die Außenristpässe eines Tomás Rosicky entfachten seinen Enthusiasmus für den Fußball und die Affinität zu den schwarzgelben Borussen aus dem Ruhrgebiet. WM-Held Mario Götze brach ihm mit dem Wechsel in den Süden der Republik einst sein Fanherz und der Glaube an die Fußballromantik musste leiden. Wenn sein persönlicher Traum von der professionellen Fußballkarriere schon platzen musste, entschied er sich dem Sport aus journalistisch-kritischer Perspektive erhalten zu bleiben.

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