WM 2022 | Vorschau Gruppe G: Brasilien, Schweiz, Serbien und Kamerun

WM-Spotlight

Ein Déjà-vu-Erlebnis der besonderen Art und Weise erleben die Nationalmannschaften aus Brasilien, der Schweiz und Serbien bei der Fußball-WM 2022 in Katar. Denn bereits in der Vorrunde des globalen Endturniers 2018 in Russland traf dieses Trio aufeinander. Beim diesjährigen Wettstreit im Nahen Osten wird die Gruppe G von den unbezähmbaren Löwen aus Kamerun ergänzt. Auf den Titelfavoriten aus Südamerika warten also frühzeitig schwere Aufgaben.

Der Spielplan der Gruppe D

Schweiz – Kamerun (24. November, 11 Uhr)
Brasilien – Serbien (24. November, 20 Uhr)

Kamerun – Serbien (28. November, 11 Uhr)
Brasilien – Schweiz (28. November, 17 Uhr)

Serbien – Schweiz (02. Dezember, 20 Uhr)
Kamerun – Brasilien (02. Dezember, 20 Uhr)

Alle Kader der Gruppe G in der Übersicht



Brasilien: Bringt die WM 2022 das Ende der 20-jährigen Leidenszeit?

Wenn es nach den Buchmachern geht, kann sich Brasilien demnächst einen sechsten Stern über das Verbandswappen sticken lassen. Der fünfmalige globale Titelträger, dessen letztes Erfolgserlebnis allerdings bereits 20 Jahre zurückliegt (2:0 im Finale der WM 2002 gegen Deutschland), gilt als absoluter Topfavorit bei der WM 2022 in Katar. Doch warum werden die Kicker vom Zuckerhut unisono derart euphorisch eingeschätzt? Zunächst lässt sich darauf eine pragmatische Erklärung finden – die Selecao ist Erster der FIFA-Weltrangliste. Über diese durchaus diskutable Ranglisten-Arithmetik hinaus, haben die Südamerikaner aber auch fußballspezifisch einiges zu bieten. Nationaltrainer Tite kann auf eine schier endlose Auswahl an internationalen Spitzenkräften zurückgreifen. Der 61-Jährige, kein Freund markiger Sprüche, muss sich der anspruchsvollen Aufgabe stellen, aus diesem Portfolio eine auf dem Rasen funktionierende Einheit zu basteln. Aufgrund der immensen Klasse der Einzelspieler kann er die Rotationsmaschine ohne Qualitätsverlust ankurbeln. Gerade im Kontext der hohen (Vor-)Belastung der Aktiven kann dieser Punkt am Ende entscheidend sein. Einzig auf den Außenverteidiger-Positionen, wo die beiden 31-jährigen Juventus-Profis Alex Sandro und Danilo zumeist gesetzt sind, klafft eine gewisse Niveau-Lücke.

(Photo by CARL DE SOUZA/AFP via Getty Images)

Beim Blick auf das WM-Aufgebot fällt auf, dass es ein gewisses Altersgefälle zwischen Offensive und Defensive gibt. In der Verteidigung der Brasilianer wird auf viel Erfahrung gesetzt. So hat es unter anderem der 39-jährige Dani Alves, aktuell beim mexikanischen Klub UNAM Pumas unter Vertrag, in den Kader geschafft. Dagegen dürfen im Angriff die, Zitat Tite „schnellen Beine“, wirbeln. Zu dieser Fraktion technisch herausragender Individualisten gehören beispielsweise Vinicius Junior, Rodrygo oder Antony. Die meisten Spieler verdienen ihr Geld in Europa. Aus der heimischen Campeonato Brasilerio Serie A sind nur drei Akteure berufen worden – der dritte Torwart Weverton, Everton Ribeiro sowie Pedro.

Die CONMEBOL-Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2022 beendete Brasilien ungeschlagen als Gruppensieger – bester Angriff und stabilste Verteidigung inbegriffen. Generell hat man von den vergangenen 50 Länderspielen seit dem 1:2-Viertelfinalaus gegen Belgien bei der WM 2018 nur drei Partien verloren. Darunter fällt allerdings die schmerzhafte Pleite im Finale der heimischen Copa América gegen Argentinien (0:1). Für einen erfolgreichen Turnierverlauf der Selecao in Katar spricht die bestechende Form etlicher Leistungsträger. Allen voran das mittlerweile gereifte Enfant terrible Neymar, von dessen Launen das brasilianische Spiel lange Zeit abhängig war, absolviert eine der besten Saisons seiner Karriere. Bereits 27 Scorerpunkte in wettbewerbsübergreifend 20 Begegnung sind für den 30-jährigen Offensivakteur von Paris Saint-Germain notiert. Nur noch zwei Länderspieltreffer fehlen ihm zudem, um den Allzeitrekord von Legende Pele einzustellen (77).

Die Joga-Bonito-Renaissance

Bei den vergangenen Turnieren wirkte das Spiel der Brasilianer oft phlegmatisch und statisch. Mittlerweile erlebt die Philosophie „Joga Bonito“ – das schöne Spiel – jedoch eine Renaissance. Der Ansatz der Selecao ist geprägt von offensiven, technisch anspruchsvollen Facetten. Hoher Ballbesitzanteil mit plötzlichen Vertikalpässen zwischen die Abwehrreihen sowie präzise Seitenverlagerungen gehören ebenfalls ins Repertoire. Systematisch wechselt Trainer Tite häufig zwischen einem 4-3-3 und 4-2-3-1 (mit Neymar als Freigeist im zentralen Mittelfeld). Richarlison, torgefährlicher Spieler von Tottenham Hotspur, bekleidet, anders als im Verein, zumeist den Part des Mittelstürmers. Mit Gabriel Jesus, aktuell in Diensten des Premier-League-Tabellenführers FC Arsenal, steht zudem eine erstklassige Alternative parat. Eine mögliche Schwachstelle könnten die bereits erwähnten Außenverteidiger werden – gerade gegen Mannschaften, die einen konsequenten Flügelfokus implementiert haben.

Die Melange aus mannschaftlicher Geschlossenheit und individueller Klasse spült den brasilianischen Kader automatisch in den Kreis der Titelanwärter. Sollten die Künstler vom Zuckerhut die Frage nach der mentalen Resilienz, ob der Favoritenrolle, erfolgreich beantworten, führt kein Weg an der Selecao vorbei.

Player to Watch: Vinicius Junior

Wer sich im Alter von 22 Jahren bereits spanischer Meister und Champions-League-Sieger nennen darf, hat schon einiges gesehen. Eine Weltmeisterschaft ist für Vinicius Junior jedoch noch Neuland. Seit seinem Wechsel von Jugendklub Flamengo zu den Königlichen von Real Madrid im Jahr 2018 (Ablösesumme: 45 Millionen Euro) hat sich der schmächtige Wirbelwind stetig weiterentwickelt. Nach anfänglichen Anpassungsproblemen ist er mittlerweile aus der Startelf im Starensemble der Blancos nicht mehr wegzudenken. Seine technische Extraklasse paart er in jüngerer Vergangenheit mit einem ausgeprägten Torinstinkt. Zum Beleg hat Vinicius Junior in dieser Saison bereits zehn Pflichtspieltreffer auf seinem Konto. Aufgrund der starken Konkurrenzsituation ist sein Stellenwert in der brasilianischen Selecao noch nicht ganz so stark ausgeprägt. Dennoch könnte er als Wechseloption zu einem fehlenden Puzzlestück auf dem Weg zum sechsten WM-Titel werden.

Warum wir über die WM 2022 in Katar berichten

Schweiz: Die letzte Chance der goldenen Generation?

(Photo by FABRICE COFFRINI/AFP via Getty Images)

Vielleicht wird man in der Schweiz nach der Auslosung für die WM 2022 in Katar direkt von einem guten Omen gesprochen haben. Der Grund: beim vergangenen globalen Endturnier in Russland 2018 durfte man sich ebenfalls in der Vorrunde mit Brasilien (1:1) und Serbien (2:1) erfolgreich messen. Trotz einer formidablen Gruppenphase war dann aber im Achtelfinale gegen Schweden Endstation (0:1). Im Nahen Osten soll es für die goldene Generation um Granit Xhaka, Yann Sommer und Xherdan Shaqiri noch weiter gehen. Das Ziel ist mindestens das Erreichen des Viertelfinales. Die eingespielte Mannschaft ist eine Mixtur aus vielen jungen, aufstrebenden Talenten (Noah Okafor, Fabian Rieder, Ardon Jashari), die taktisch wie technisch erstklassig in den Nachwuchsleistungszentren des Landes ausgebildet worden, und den erwähnten erfahrenen Akteuren. Zudem ist auch der Bundesliga-Anstrich im Kader der Eidgenossen traditionell sehr stark vertreten. Sieben aktuelle und diverse ehemalige Akteure der deutschen Beletage gehören am Persischen Golf zum Aufgebot.

Für die arrivierten Kräfte der Schweizer ist das anstehende Turnier wohl die letzte Gelegenheit, nochmal für Furore zu sorgen. Seit vielen Jahren wartet man nämlich, ähnlich wie die belgische Mannschaft, auf den großen Wurf. Ob dieser gelingt, wird maßgeblich von der Achse aus Sommer, Manuel Akanji, Xhaka, Shaqiri und dem Ex-Gladbacher Breel Embolo abhängen. Gladbach-Keeper Sommer überzeugt konstant mit teils spektakulären Paraden. Insbesondere auf der Linie gehört der 33-Jährige zur absoluten Weltspitze und macht durch seine Dynamik sowie Sprungkraft seine, für einen Torwart geringe Körpergröße von 1,83 m wett. Pünktlich zur ersten Partie hat der leidenschaftliche Gitarrist seine Sprunggelenksverletzung überwunden. Mit Back-Up Gregor Kobel wären die Schweizer allerdings ebenfalls bedenkenlos gegen Auftaktgegner Kamerun gestartet.

Xhaka, der beim FC Arsenal eine überragende Saison spielt, ist der unverzichtbare Taktgeber im zentralen Mittelfeld. Ihm assistiert zuweilen sein kongenialer Teamkollege Shaqiri. Der Ex-Münchner ist derzeit bei Chicago Fire in der amerikanischen Major League Soccer aktiv. Gerade das 1,69 m große Kraftpaket kann an guten Tagen, abwechselnd als Spielmacher oder Flügelspieler, das Schweizer Spiel mit kreativen Momenten und außergewöhnlichen Dingen beleben. Auf dem Weg nach Katar verwiesen die ungeschlagenen Eidgenossen den amtierenden Europameister Italien (direkter Vergleich 0:0/ 1:1) auf Rang zwei. Des Weiteren stellte das Team die stärkste Defensive aller Teilnehmer der europäischen Qualifikationsrunde. Nur zwei Gegentreffer musste man verkraften.

Offensiv klemmt der eidgenössische Schuh

Der Schweizer Trainer Murat Yakin, als Spieler unter anderem für den 1. FC Kaiserslautern und den VfB Stuttgart aktiv, vertraut auf ein 4-2-3-1-System. Dabei setzt der meinungsstarke 48-Jährige auf ein kompaktes, pressingresistentes Mittelfeld. Diesen Defensivfokus verdeutlicht die zu erwartenden Dreiecks-Formation, bestehend aus Xhaka, Remo Freuler und dem Frankfurter Djibril Sow. Generell hat Yakin ein Gespür dafür, seine Mannschaft gegen vermeintlich stärkere Teams taktisch perfekt einzustellen. Das quirlige Offensivtrio Shaqiri, Okafor und Embolo rochiert während des Spielverlaufs regelmäßig die Positionen. In der Konsequenz ist man für die Gegner schwer greifbar und kann das schnelle Umschaltspiel zielorientiert umsetzen. Es fehlt dem Kader, mit Ausnahme Shaqiris, jedoch etwas an Kreativität und vor allem weisen die beiden Außenverteidiger Ricardo Rodriguez und Silvan Widmer (noch) keine internationale Güteklasse auf.

Player to Watch: Noah Okafor

Bei Okafor handelt es sich um einen polyvalenten, überaus torgefährlichen Spieler. Den Mann von Red Bull Salzburg haben dank konstant guter Leistungen etliche europäische Schwergewichte wie AC Milan, FC Liverpool oder Manchester United auf dem Radar. Der 1,85 m große, gelernte Mittelstürmer schafft es immer wieder geschickt, seinen robusten Körper gewinnbringend einzusetzen und seine gute Technik auszuspielen. Vor allem aber überzeugt der 22-Jährige mit seinem starken Abschluss. Zehn Treffer sind in allen Pflichtspielen, darunter drei in der Champions League, für den Akteur mit nigerianischen Wurzeln notiert. Im Winter 2020 war Okafor von Ausbildungsklub FC Basel nach Österreich gewechselt. Mittlerweile wird sein Marktwert auf 25 Millionen Euro taxiert. Lange wird er den Bullen, das weiß auch Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund, nicht mehr in der Mozartstadt zur Verfügung stehen.

Serbien: Prunkstück Offensive

(Photo by PEDJA MILOSAVLJEVIC/AFP via Getty Images)

Aller guten Dinge sind vier. So in etwa würden die serbischen Kicker das Credo für die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wohl umdichten. Nachdem man in jüngerer Vergangenheit dreimal enttäuschend nach einer WM-Vorrunde ausgeschieden ist, möchte die Mannschaft von Dragan Stojkovic dieses Mal, wie zuletzt 1998 in Frankreich (damals noch unter dem Deckmantel Jugoslawien), mindestens das Achtelfinale erreichen. In der Qualifikation zur globalen Endrunde ließ man ungeschlagen überraschend Portugal hinter sich. Allerdings konnte man von den zehn Begegnungen nur eine ohne Gegentreffer bestreiten (1:0 in Luxemburg). Dies spiegelt schon das Kernproblem der weißen Adler wider. Es fehlt an einem erstklassigen Torhüter und generell an Verteidigern mit Erfahrung auf internationalem Top-Niveau. Zumeist wird die defensive Anfälligkeit aber durch eine hohe Offensivqualität kaschiert. Das Team vom Balkan ist jederzeit für ein Tor gut – belegt durch 18 Quali-Treffer.

Herz und Seele des serbischen Spiels ist Kapitän Dusan Tadic von Ajax Amsterdam. Der Feingeist überzeugt durch seine Übersicht, Standards und die Gabe des tödlichen Passes. Dem Alter von 33 Jahren muss der 91-fache Nationalspieler seines Landes jedoch allmählich Tribut zollen. Seine Leistungen in der niederländischen Eredivisie waren in dieser Spielzeit inkonstant. Viel besser läuft es dagegen bei seinem Mittelfeld-Assistenten Sergej Milinkovic-Savic. Der technisch versierte, torgefährliche 27-Jährige spielt eine herausragende Saison für seinen Arbeitgeber Lazio Rom (bereits 12 Scorerpunkte in der Serie A und Europa League) und hat einen weiteren Sprung in seinem Qualitätsniveau geschafft. Nicht von ungefähr interessieren sich die Branchenriesen des Fußballs für den groß-gewachsenen Spieler. Über den linken Flügel der Serben wird das Geschehen unermüdlich vom Ex-Frankfurter Kostic angetrieben. Seine brandgefährlichen Flanken finden bevorzugt das Prunkstück des Kaders. Die beiden Angreifer Dusan Vlahovic und Aleksandar Mitrovic, seines Zeichens mit 50 Treffern erfolgreichster Torschütze der serbischen Fußballgeschichte, besitzen den eingebauten Killerinstinkt vor dem gegnerischen Kasten und bilden einen Doppelsturm internationaler Güte.

Fliegen die weißen Adler zu neuen Höhen?

Trainer Stojkovic, selbst vormals ein herausragender Techniker, liebt den offensiven, modernen Fußball. Seine Mannschaft, von der Einsatzfreude und Laufintensität vorausgesetzt werden, formiert er zumeist in einer 3-1-4-2 oder 3-2-4-1-Ordnung. Das System mit Dreierkette ist prädestiniert für einen Schienenspieler wie Kostic. Mittelstürmer Mitrovic agiert als Wandspieler in vorderster Front. Vlahovic und Co. profitieren von dessen wuchtigem Körper und erarbeiten sich in diesem Stile viele Gelegenheiten. Anfällig ist Serbien jedoch, als unmittelbare Folge der offensiven Außen, über die Flügel und insbesondere nach schnellen Kontern. Hier fehlt die Qualität auf der Sechserposition respektive eine gute Restverteidigung.

Player to Watch: Dusan Vlahovic

Der 22-jährige Vlahovic gilt, neben dem Norweger Erling Haaland, als das Stürmerversprechen der Zukunft. Ausgebildet wurde der Angreifer in der Jugendakademie von Partizan Belgrad, bevor es ihn über die Zwischenstation AC Florenz im Winter 2022 für 81,60 Millionen Euro Ablöse zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin zog. Mit seinen 1,90 m wirkt der 17-fache serbische Nationalspieler (9 Tore) etwas schlaksig, jedoch weist er trotz seiner Körpergröße eine beachtliche Geschmeidigkeit und Technik in seinen Bewegungen auf. In seine Wiege wurde Vlahovic eine unglaubliche Kaltschnäuzigkeit im Abschluss gelegt. Er spielt sehr gerne um einen Sturmpartner wie Mitrovic herum. Mit seiner Übersicht schafft er es auch immer wieder, besser postierte Kollegen in Szene zu setzen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere lässt sich von einem kompletten 9er sprechen.

Kamerun: Millas Erben?

(Photo by KARIM SAHIB/AFP via Getty Images)

Einmal haben es die unbezähmbaren Löwen aus Kamerun in die KO-Phase einer Weltmeisterschaft geschafft. 1990 mit dem legendären Roger Milla war erst im Viertelfinale gegen England Schluss (2:3 n. V.). Seit diesen Tagen der Glückseligkeit folgten fünf Teilnahmen mit jeweils demselben Ergebnis – Vorrundenaus. Beim Turnier in Katar 2022 folgt nun der nächste Anlauf der Zentralafrikaner, sich zumindest ein Ticket für die Runde der letzten 16 zu ergattern. Die Vorzeichen des fünffachen Afrikameisters sehen aber wenig vielversprechend aus. Zum einen erwarten Kamerun mit Brasilien, der Schweiz und Serbien nominell stärker eingeschätzte Teams und zum anderen fehlt es dem Aufgebot schlicht an Klasse. Bei europäischen Top-Klubs sucht man kamerunische Spieler zumeist vergebens. Ausnahmen der Regel sind dabei Eric Maxim Choupo-Moting (Bayern München), André Onana (Inter Mailand), Jerome Onguené (Eintracht Frankfurt), André-Frank Zambo Anguissa (SSC Neapel) und Karl Toko Ekambi (Olympique Lyon).

Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft sicherte man sich nach zwei spannenden Begegnungen gegen Algerien (0:1/ 2:1 n. V.). Darüber hinaus musste man als Gastgeber des Afrika-Cups im Januar schwache Vorstellungen konsultieren (Aus im Halbfinale gegen Ägypten). Wenigstens konnte sich Mittelstürmer Vincent Aboubakar die Torjägerkanone mit acht Treffern sichern. Generell gilt das Offensivtrio aus Choupo-Moting, Ekambi und Aboubakar als Hoffnungsschimmer Kameruns und kann auch die besser besetzten Kontrahenten der Gruppe vor Probleme stellen.

Unbezähmbare Löwen nur im Rudel stark

Chefcoach Song, als Spieler einst unter anderem beim 1. FC Köln aktiv, ist seit März Übungsleiter Kameruns. Er vertraut auf zwei kompakte Viererketten in einem 4-4-2-System. Das Team kommt primär über die mannschaftliche Geschlossenheit, da individuelle Klasse nur in überschaubarem Rahmen vorhanden ist. Taktisch fehlt es den Afrikanern, beispielsweise auf den Außenverteidigerpositionen, an Disziplin. Für große Ziele ist die Defensive allgemein zu anfällig. Dies wird sich womöglich gegen noch stärkere und clevere Gegner potenzieren. Keeper Onana kann an guten Tagen internationales Spitzenniveau verkörpern. Allerdings hat er teilweise auch unerklärliche Patzer in seinem Spiel verankert.

Player to Watch: Eric Maxim Choupo-Moting

Dass ein 33-Jähriger als Player to Watch tituliert wird, mag etwas verwundern. Doch die Geschichte Choupo-Motings in dieser Saison hat beinahe Märchencharakter. Nach dem schmerzhaften Abgang des polnischen Weltfußballers Robert Lewandowski hatte kaum ein Fan oder Verantwortlicher des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München damit gerechnet, dass ausgerechnet der gebürtige Hamburger, bislang eher in der Rolle des klassischen Back-Ups gefangen, zum legitimen Nachfolger auserkoren werden sollte. Zu Beginn der Spielzeit 2022/23 waren Choupo-Motings Dienste, auch aufgrund einer Leistenproblematik, kaum gefragt. Als Konsequenz aus guten Leistungen als Einwechselspieler wurden die Einsatzzeiten in Julian Nagelsmanns Mannschaft jedoch stetig größer. Den letzten Qualitätsnachweis lieferte der technisch versierte 1,91 m große Akteur aber höchstselbst. 11 Tore und 3 Vorlagen in wettbewerbsübergreifend 16 Partien stehen auf seiner Habenseite. Eine Vertragsverlängerung über 2023 hinaus, scheint längst nicht mehr utopisch. Im Rahmen der WM 2022 in Katar kann der Kameruner weiter Eigenwerbung betreiben.

WM 2022: Prognose Gruppe G

Die Gruppe G könnte sich als spannender erweisen als ursprünglich angenommen. Ohne Zweifel, der große Favorit lautet Brasilien. Nicht nur in dieser Vierer-Konstellation, sondern womöglich auch auf den Titel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Dafür müssen aber die drei schwierigen Hürden der Vorrunde übersprungen werden. Gerade gegen die taktisch disziplinierten Schweizer tut sich die Selecao fast schon traditionell schwer. Wenn die Mannschaft um Neymar und Co. jedoch mit der mentalen Herausforderung einer Top-Favoritenrolle umgehen kann, wird sie als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen. Dahinter könnte alles auf ein direktes Endspiel um Rang zwei am dritten Spieltag zwischen der Schweiz und Serbien hinauslaufen. Durch einen albanisch-stämmigen Akteur wie Shaqiri, ist hier nicht nur sportliche Brisanz zu erwarten. Aufgrund der höheren individuellen Klasse, vor allem im Defensivverbund, dürften sich die Eidgenossen für die Runde der letzten 16 qualifizieren. Die unbezähmbaren Löwen aus Kamerun werden ein willkommener Farbtupfer in diesem Turnier sein, allerdings ist der Kader für höhere Ziele in der Breite doch zu schwach besetzt.

(Photo by ISABELLA BONOTTO/AFP via Getty Images)

Steven Busch

Die Außenristpässe eines Tomás Rosicky entfachten seinen Enthusiasmus für den Fußball und die Affinität zu den schwarzgelben Borussen aus dem Ruhrgebiet. WM-Held Mario Götze brach ihm mit dem Wechsel in den Süden der Republik einst sein Fanherz und der Glaube an die Fußballromantik musste leiden. Wenn sein persönlicher Traum von der professionellen Fußballkarriere schon platzen musste, entschied er sich dem Sport aus journalistisch-kritischer Perspektive erhalten zu bleiben.

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