Bundesliga | Hinrunden-Fazit: Überraschung und Enttäuschung nah beieinander

SC Freiburg jubelt nach dem Bundesliga Sieg gegen den BVB
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Rückblick | Ein ereignisreiches Bundesliga-Jahr neigt sich dem Ende zu, auch die Hinrunde der Saison 2021/2022 wusste wieder mit zahlreichen Highlights zu überzeugen. Während manche Mannschaften ihren positiven Trend aus der Rückrunde der Vorsaison bestätigen konnten, laufen andere ihren Erwartungen hinterher. 90Plus blickt auf die Hinrunde 21/22 zurück und zieht ein Fazit.

  • FC Bayern zu stark
  • Gerangel im Tabellenmittelfeld
  • Fürth schon abgeschrieben?

Bayern erneut unangefochten, BVB lässt federn

Der FC Bayern München scheint abermals bereits zur Hinrunde als Meister der Bundesliga festzustehen. Nach 17 Spieltagen grüßen die Münchner mit 43 von 51 möglichen Punkten von der Tabellenspitze, bei einem Torverhältnis von 56 zu 16. Dabei stellten Mannschaft und Einzelspieler mehrere Rekorde auf. Robert Lewandowski (33), Nonplusultra der Angreifer, stellte mit seinem Treffer gegen den VfL Wolfsburg zum Ende der Hinrunde einen neuen Fabelrekord auf. Es war sein 43. Tor im Kalenderjahr 2021, so viele hat in einem Kalenderjahr noch nie zuvor ein Bundesliga-Spieler erreicht. Die 56 Hinrunden-Treffer der Bayern sind ebenfalls Rekord. Der 1. FC Köln stellte mit seinen 51 Hinrunden-Treffern aus dem Jahr 1977 die bisherige Bestmarke. „Es fühlt sich sehr gut an. Die Hinrunde war sehr zufriedenstellend“, sagte ein sichtlich zufriedener Julian Nagelsmann (34) nach dem Hinrundenabschluss gegen Wolfsburg (4:0).



Auf Rang zwei folgt Borussia Dortmund, die den Bayern lange Zeit im Nacken saßen. Durch die Niederlage im direkten Duell (2:3) und einige unbefriedigende Ergebnisse in den folgenden Wochen musste der BVB allerdings abreißen lassen. Vor dem direkten Duell lag Dortmund nur einen Punkt hinter den Bayern. Einige Wochen später rangiert Schwarz-Gelb mit 34 Punkten bereits neun Punkte hinter dem Rivalen aus dem Süden. Unter anderem holte die Mannschaft von Marco Rose (45) zum Ende der Hinrunde gegen Aufsteiger VfL Bochum nur einen Punkt (1:1), gegen die strauchelnde Hertha aus Berlin ging man sogar als Verlierer vom Platz (2:3). Vor allem die defensive Anfälligkeit der Dortmunder ist auffällig. Lediglich in zwei Partien stand am Ende hinten die Null. In acht Bundesliga-Partien kassierte der Defensivverbund sogar mindestens zwei Gegentore.

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Natürlich hatte der BVB auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Es allerdings nur daran festzumachen wird der Situation nicht gerecht. Zu häufig führten individuelle Fehler zu Gegentoren, unter anderem auch im Spitzenspiel gegen den FC Bayern. Der Trainer macht es unter anderem an der Haltung fest. „Uns fehlt Bedingungslosigkeit“, sagte er kürzlich nach der Niederlage gegen Hertha. „Da reden wir über Haltung, nicht über Einstellung.“ Die Winterpause soll nun genutzt werden, um diese Dinge zu ändern. „Ich will die Charaktere der Jungs nicht ändern, aber um maximal erfolgreich zu sein, braucht’s ein bisschen mehr“, sagte Rose. Trotz der unbefriedigenden Form steht am Ende der Bundesliga-Hinrunde Platz zwei.

Enger Kampf um Champions und Europa League

Dahinter folgen nicht etwa Bayer 04 Leverkusen, RB Leipzig, der VfL Wolfsburg oder Eintracht Frankfurt. Der SC Freiburg steht etwas überraschend, aber völlig verdient, auf dem dritten Platz. Die Mannschaft aus dem Breisgau überzeugt mit gut strukturiertem, effizienten Fußball, der dennoch schön anzuschauen ist. Bis zum 11. Spieltag dauerte es, bis das Team von Trainer Christian Streich (56) die erste Niederlage hinnehmen musste. Auch eine kurze Negativserie von drei Niederlagen in Folge warf Freiburg nicht aus der Bahn. Ihren Anspruch auf einen internationalen Startplatz unterstrich der Sport-Club unter anderem mit Siegen gegen den BVB (2:1) und Leverkusen (2:1). Mit dem letztjährigen Vizemeister RB Leipzig teilte man sich die Punkte (1:1), Champions-League-Teilnehmer Wolfsburg wurde mit 2:0 besiegt.

Nico Schlotterbeck (SC Freiburg) flext seinen Bizeps

Photo: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images/ Imago

Das Highlight der Freiburger Hinrunde war zweifelsohne der 6:0-Kantersieg gegen ein strauchelndes Borussia Mönchengladbach. Der Endstand war gleichzeitig auch der damalige Halbzeitstand. Sechs Tore eines Teams in der ersten Halbzeit hatte es in der Bundesliga bis dato noch nie gegeben. Das besondere Geschmäckle bekommt das Ergebnis, wenn man bedenkt, dass Freiburg dieses Meisterstück auswärts vollbracht hat. Ebenfalls ein Novum in der Bundesliga-Historie. Dennoch darf der dritte Platz nicht über die Spannung hinwegtäuschen. Platz drei und Platz sieben trennen lediglich zwei Punkte. Nach den Plätzen eins und zwei geht es wie so oft sehr eng zu.

Dort tummeln sich Bayer Leverkusen (4.), die TSG 1899 Hoffenheim (5.), Frankfurt (6.) und der 1. FC Union Berlin (7.). Und auch der 1. FC Köln (8.) sowie der 1. FSV Mainz 05 (9.) befinden sich in Schlagdistanz zu den internationalen Startplätzen. Insbesondere Mainz gilt es hier hervorzuheben. Die Entwicklung, die der Verein durchlaufen hat, sucht momentan seinesgleichen. Vor einem Jahr lautete die ernüchternde Bilanz: sieben Punkte nach 17 Spieltagen der Bundesliga-Saison 20/21, Platz 17, nur ein Sieg und eine negative Tordifferenz von -21. Aber dann kam Bo Svensson (42). Der Däne übernahm Anfang Januar 2021 das Traineramt bei dem Klub, bei dem er auch sieben Jahre als Profi verbracht hat. Was folgte war eine furiose Rückrunde, der eine ebenso stabile Hinrunde in der neuen Saison folgte. In der Jahrestabelle rangiert Mainz auf dem siebten Platz. „Von mir aus darf er zehn Jahre bleiben. Wir vertrauen uns alle gegenseitig, unser gemeinsamer Weg kann gern noch ein paar Jahre weitergehen“, sagte Sportvorstand Christian Heidel (58) kürzlich in einem Interview mit der Sport BILD (via transfermarkt) über Svensson. Der aktuelle Tabellen-Neunte spielt einen erfrischenden Fußball unter Leitung des Dänen. Hohes Anlaufen, viel Tempo und Risiko zeichnen das Spiel der Mainzer unter Svensson aus.

Zwei Champions-League-Teilnehmer: Die Enttäuschungen der Hinrunde

Der nächste Gegner von Mainz ist Tabellennachbar RB Leipzig (10.), die gleichzeitig eine der größten Enttäuschungen der Hinrunde sind. Die Roten Bullen mit Neu-Trainer Jesse Marsch (48) konnten ihrer eigenen Erwartungshaltung nicht gerecht werden und ihre eigentlich vorhandenen Qualitäten zu selten abrufen. Das mündete letztlich in der Entlassung des US-Amerikaners, der nun von Domenico Tedesco (36) beerbt wurde. Dieser startete mit einem furiosen Sieg gegen Gladbach (4:1), dem allerdings ein Unentschieden gegen Augsburg (1:1) und eine Heimniederlage gegen Arminia Bielefeld (0:2) folgten. Der zehnte Platz ist mit Sicherheit nicht das, was sich die Verantwortlichen von Leipzig vorgestellt haben.

Kevin Kampl, Emil Forsberg (beide RB Leipzig) sind ratlos

Photot: Boris Streubel/Getty Images/ Imago

Ähnlich wie im oberen Tabellendrittel geht es auch in der zweiten Tabellenhälfte der Bundesliga sehr eng zu. Der 11. Platz von Hertha wirkt zunächst passabel. Mit 21 Punkten liegt der Hauptstadtklub aber nur vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Die ausgerufenen Ambitionen konnte Hertha nicht erfüllen, die immensen Investitionen haben bislang nicht gefruchtet. Aufsteiger VfL Bochum hingegen kann sich über den 12. Platz freuen. Besonders zum Ende der Hinrunde präsentierte sich das Team von Trainer Thomas Reis (48) phasenweise sehr formstark, blieb zwischenzeitlich drei Spiele hintereinander ungeschlagen. Anschließend folgen, neben Leipzig, wohl die zwei größten Enttäuschungen der Hinrunde: Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg (13.) und die Borussia aus Mönchengladbach (14.).

Der Saisonstart der Wölfe konnte sich sehen lassen. 13 von 15 möglichen Punkten holte der damalige Coach Mark van Bommel (44) mit seiner Mannschaft. Allerdings täuschte die Punkteausbeute. Denn Wolfsburg hatte eklatante Schwächen, vor allem im Spiel nach vorne. Als dann die defensive Stabilität, die Wolfsburg vor allem in der vergangenen Saison auszeichnete, schließlich wegbrach, hagelte es Niederlagen. Die Trennung vom Niederländer ließ nicht lange auf sich warten. Als Lösung präsentierten Geschäftsführer Jörg Schmadtke (57) und Sportdirektor Marcel Schäfer (37) Florian Kohfeldt (39). Der ehemalige Übungsleiter des SV Werder Bremen startete wie sein Vorgänger gut. Seit nunmehr acht Spielen wartet er aber auf einen Sieg, zuletzt setzte es wettbewerbsübergreifend sieben Pleiten am Stück.

Julian Green (Greuther Fürth) kann es nicht verstehen. Bundesliga

Photo: Alexander Hassenstein/Getty Images/ Imago

Ähnlich miserabel geht es in Gladbach zu. Dort sitzt seit dem Sommer mit Adi Hütter (51) ein neuer Trainer auf der Bank, der bei seiner letzten Station in Frankfurt sehr erfolgreichen Fußball spielen ließ. Unter einigen Nebengeräuschen folgte im Sommer der Wechsel zu den Fohlen. Bislang bleiben die Nebengeräusche präsent, denn die Mannschaft performt nicht. Seit fünf Spielen wartet Hütter auf einen Sieg. Die negativen Höhepunkte waren die Niederlagen gegen Köln (1:4) und Freiburg (0:6), bei denen Gladbach völlig chancenlos war. Darum befinden sich die Fohlen punktemäßig momentan auf einem Level mit Mannschaften wie Hertha, Bochum oder dem FC Augsburg.

Alles drin im Abstiegskampf, nur Fürth weit abgeschlagen

Die Augsburger sind, was ihren Tabellenplatz angeht, keine Überraschung. Mit 18 Punkten rangiert die Mannschaft von Trainer Marco Weinzierl (46) auf dem 15. Tabellenplatz. Während das Team vor allem zu Saisonbeginn schwächelte, schien es sich im Laufe der Hinrunde zu stabilisieren. Als Beweis lohnt ein Blick auf die letzten zehn Partien: Nur dreimal ging Augsburg am Ende ohne Punkteausbeute vom Platz. Allerdings stand ebenfalls nur dreimal ein Sieg zu Buche, viermal trennte man sich unentschieden. Seit drei Spielen sind Weinzierl und Co. aber ungeschlagen und gehen somit voller Selbstvertrauen in die Winterpause.

Die Bundesliga-Hinrunde des VfB Stuttgart (16.) dürfte mindestens als ernüchternd eingestuft werden. Nachdem die Mannschaft letzte Saison noch an den internationalen Startplätzen schnuppern durfte, scheint in dieser Hinrunde der Wurm drin zu sein. Viele Verletzungen, darunter auch von Top-Stürmer und Zielspieler Sasa Kalajdzic (24), warfen den VfB immer wieder zurück. Stuttgart scheint in dieser Saison eine Wundertüte zu sein, es fehlt an Konstanz. Der Relegationsplatz 16 ist die logische Konsequenz. Eine mögliche Rückkehr von Kalajdzic dürfte Hoffnung machen, der Angreifer könnte zum Rückrundenstart wieder im Kader stehen.Tabellennachbar Bielefeld (17.) befindet sich trotz einer durchwachsenen ersten Phase der Hinrunde noch in Schlagdistanz zum rettenden Ufer. Darüber hinaus beendete das Team von der Alm die Hinrunde mit zwei durchaus überraschenden Siegen gegen Bochum (2:0) und Leipzig (2:0). Um ernsthaft um den Klassenerhalt mitspielen zu können, müssen die Unentschieden in Siege umgewandelt werden. Gemeinsam mit Köln ist Bielefeld Remiskönig der Liga, siebenmal teilte man sich die Punkte.

Julian Green (Greuther Fürth) kann es nicht verstehen

Photo: Alexander Hassenstein/Getty Images/ Imago

Die rote Laterne der Bundesliga geht mit weitem Abstand an Greuther Fürth (18.). 14 Niederlagen, zwei Unentschieden, ein Sieg. Fünf Punkte, 13 erzielte Treffer stehen 49 kassierten Toren gegenüber, eine Tordifferenz von -36. Das sind die nackten Zahlen. Ein Lichtblick am Horizont war der 1:0-Heimsieg gegen Union Berlin. Zum Ende der Hinrunde holte das Kleeblatt außerdem einen Punkt gegen Augsburg. Der Wille und Kampfgeist ist dem Aufsteiger nicht abzusprechen, allerdings scheint es einfach nicht zu reichen für die Bundesliga. Zudem konnten die Abgänge von wichtigen Säulen wie David Raum (23, zu Hoffenheim), Anton Stach (23, zu Mainz), Paul Jaeckel (23, zu Union) oder Sebastian Ernst (26, zu Hannover 96) nicht aufgefangen werden.

Photo: Matthias Hangst/Getty Images/ Imago

Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

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