Premier League: Was Arsenal von Leicester unterscheidet – Ivan Toneys Antwort

Die Spieler des FC Arsenal feiern den Sieg über Wolverhampton. Die Gunners haben in der Premier League fünf Punkte Vorsprung auf Manchester City.
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Premier League: Arsenal als Titelkandidat? Das ist überraschend, mit Leicester City ist das jedoch nicht vergleichbar. Ivan Toney lieferte eine beeindruckende Antwort und Newcastle ist bereit für Europa. 

„Nicht Leicester“ – Award: FC Arsenal

Der FC Arsenal ist Herbstmeister! Besser noch, da Manchester City mit 1:2 gegen Brentford verlor, bauten die Gunners durch den 2:0-Sieg bei den Wolverhampton Wanderers ihren Tabellenvorsprung am letzten Spieltag vor der WM sogar auf fünf Punkte aus.



Spätestens jetzt steht fest: Arsenal ist ein ernsthafter Titelkandidat. Sollten die Nordlondoner tatsächlich die fünfjährige Vormachtstellung von Liverpool und City unterbrechen und erstmals seit 2004 die Meisterschaft gewinnen, wäre das natürlich eine gewaltige Überraschung. Eine Überraschung der Größenordnung Leicester City 2015/2016, wie derzeit in den sozialen Medien diskutiert wird, wäre es allerdings nicht.

Anders als Arsenal in dieser Saison, waren die Foxes vor sieben Jahren für viele ein Abstiegskandidat mit geringem Budget und nicht mal ansatzweise ein Anwärter auf die Top-Four. Vermeintliche No-Name-Transfers wie Riyad Mahrez oder N’Golo Kanté schlugen ein, vor allem aber wuchs die Mannschaft von Trainer Claudio Ranieri komplett über sich hinaus und erreichte sowohl individuell als auch im Kollektiv ein Leistungsmaximum, das nicht vorhersehbar und schon gar nicht aufrechtzuerhalten war. In der Folgesaison landete Leicester auf Rang zwölf.

Beim FC Arsenal ist das deutlich anders. Zwar stand auch hier ein Kampf um den Titel nicht am Horizont. Der flüssige Fußball, die ManCity-artige Matchkontrolle und die beachtliche Reife einer der jüngsten Mannschaften der Premier League sind jedoch keine glückliche Fügung. Viel mehr ist all das ist das logische Resultat eines nun fast dreijährigen Prozesses, in dem Mikel Arteta mit viel Aufwand den Kader von Kopf bis Fuß austauschte und einen Kulturwandel vollzog.

In diesem Prozess ist man nun weiter, als vor der Saison vermutet. Für die Meisterschaft dürfte City in Sachen Mittel, Qualität, Tiefe und Erfahrung allerdings noch immer zu viele Vorteile haben. Eines steht jedoch fest: Wie auch immer die Saison endet, anders als Leicester wird Arsenal 2023/2024 erneut oben mitspielen. Wahrscheinlich sogar besser als in dieser Saison.

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„Antwort“ – Award: Ivan Toney

Am Samstag gab Englands Nationaltrainer Gareth Southgate seinen 26-Mann Kader für die WM 2022 bekannt. Nicht auf der Liste: Ivan Toney vom FC Brentford.

Es dürfte nicht die aller größte Überraschung für den 26-Jährigen gewesen sein. Immerhin kam er trotz erstmaliger Nominierung bei den letzten beiden Nations-League-Spielen der Three Lions keine einzige Minute zum Einsatz. Vielleicht lag aber auch genau darin Southgates Fehler.

Am Samstag gab Toney jedenfalls die bestmögliche Antwort, die ein Spieler in solch einer Situation geben kann. Auswärts bei Manchester City war der bullige und doch so mobile Stürmer von der Defensive des Meister nicht zu bändigen. Ganze sechs Mal feuerte er auf den Kasten von Ederson. Bereits der zweite Versuch – ein gefühlvoller Kopfball nach Ben Mees Flanke – landete zum 1:0 im Netz (16.). Bis auf den Ausgleich von Phil Foden hielt Brentford die City-Offensive um Erling Haaland komplett in Schach und setzte auch im Anschluss immer wieder Nadelstiche – der letzte in der achten Minute der Nachspielzeit saß. Nach einem Vorstoß über Josh Dasilva musste Toney zum sensationellen 2:1-Auswärtssieg nur noch den Fuß hinhalten.

Demonstrativ stellte sich der Mann des Tages nach dem Treffer vor eine Kamera, schloss die Augen und hielt sich mit zwei Fingern die Ohren zu. Fast als wollte er zeigen, dass er weiß, wie gut er ist, dass nur Erling Haaland (18) und Harry Kane (12) diese Saison mehr Treffer erzielt haben als er, während Callum Wilson mit sechs Treffern den Vorzug erhielt. Ganz egal, was Gareth Soutghate denkt.

 

„Bereit für Europa“ – Award: Newcastle United

Durch den 1:0-Heimsieg über den FC Chelsea wird Newcastle United erstmals seit 2001 das Weihnachtsfest in den Top-Drei der Premier League verbringen. Es war ein Statement-Sieg der Magpies, die den fünften Sieg in Serie feierten und seit zehn Partien ungeschlagen sind. Und es war ein Sieg, der sehr viel über den Entwicklungsstand beider Klubs verriet.

Beide wechselten erst kürzlich die Besitzer. Bei Newcastle ist das (zurecht hinterfragte Manöver) über ein Jahr her und es ist kein Zufall, dass der neureiche Traditionsverein in seiner sportlichen Entwicklung weiter ist als Chelsea, wo Todd Boehly vor sechs Monaten die Geschickte übernahm und erst mitten in der Saison mit Graham Potter seinen Wunschtrainer installierte.

Denn während sich die Blues zweifelsohne mitten in der Findungsphase befinden, demonstrierte das Team von Eddie Howe sowohl ohne als auch mit dem Ball erneut ein beachtliches Selbstverständnis. Es ist das Resultat von Kontinuität, einem akribischen Trainer und einem fein abgestimmten und ausbalancierten Kader, in dem Bruno Guimaraes und Miguel Almiron für die Finesse und ein Sean Longstaff für die unspektakuläre aber wichtige „Drecksarbeit“ steht.

Newcastle hat nicht nur die finanziellen Mittel sondern auch die strategischen und sportlichen Qualitäten, dies für den europäischen Fußball bracht. Zumindest in den letzten zwei Punkten haben sie derzeit einen Vorteil gegenüber dem FC Chelsea, der neun Punkte weniger auf dem Konto hat.

Die Spieler von Newcastle United verabschieden sich vor der WM-Pause von den Fans. Der Klub wird auf dem dritten Platz der Premier League Weihnachten feiern.

(Photo by George Wood/Getty Images)

„Drama baby“ – Award: Leeds Untied

Eines ist sicher: Wenn Leeds United ein Fußballspiel bestreitet, sollte man einschalten. Zwar gab es bei den Partien von vier Teams in dieser Saison mehr Tore zu sehen, aber an das Drama, das die Whites nahezu jede Woche produzieren, kommen Manchester City, Liverpool, Tottenham und Leicester keinesfalls heran.

Das Auswärtsspiel gegen Tottenham am Samstag lieferte dabei ein perfektes Fallbeispiel, wieso das 2022/2023 der Fall ist. Eine Woche, nachdem Leeds United einen 1:3-Rückstand gegen Bournemouth in einen Sieg verwandelte, ging das Team von Jesse Marsch ganze dreimal in Führung, nur um am Ende mit 3:4 zu verlieren. Es war das erste Mal seit 2012, das ein Team in der Premier League trotz drei Führungen verlor.

Mit dem aufregenden Crysencio Summerville und dem treffsicheren Rodrigo, die derzeit die Schlagzeilen erobern, hat Leeds eine Mannschaft, die vor Energie und Qualität strotzt und nahezu jeden Gegner überrumpeln kann. Gleichzeitig legen die Whites aber eine Abwehrarbeit an den Tag, die oft Erstligaqualität vermissen lässt. Stellungsspiel und Zweikampfverhalten waren auch gegen die Spurs schockierend, auch bei den beiden Ex-Bundesliga-Spielern Roca und Robin Koch, sodass die Pleite unausweichlich war.

Jesse Marsch hat einiges an Arbeit vor sich. Denn um in der Premier League zu pberlieben – der Abstand auf die Abstiegsplätze beträgt zwei Punkte – hat Leeds zwar genügend Qualität, aktuell aber auch zu viel Drama: Nach zehn Führungen viermal zu verlieren, ist schlichtweg nicht zu kompensieren.

„Unterschätzter Dauerbrenner“ – Award: James Milner

Auch ohne den Rot-gesperrten Jürgen Klopp erlebte der FC Liverpool am Samstag einen versöhnlichen Ausklang einer nervenaufreibenden Hinrunde.

Die Reds gewannen souverän mit 3:1 gegen Southampton, Roberto Firmino traf im ersten Spiel nach seiner Nichtberücksichtigung für den brasilianischen WM-Kader, Darwin Nunez (Doppelpack) zeigte sich in Turnierform und ein unterschätzter Dauerbrenner knackte eine beeindruckende Marke: James Milner.

Der 36-jährige Engländer wurde nach seiner Einwechslung erst der vierte Spieler nach Gareth Barry (653), Ryan Giggs (632) und Frank Lampard (609), der die 600er-Marke in der Premier League knackte. Nach dem Spiel brach Klopp eine Lanze für den unspektakulären aber so zuverlässigen und flexiblen Mittelfeldspieler, der 2015 ablösefrei von Manchester City kam.

„Ich bin wirklich stolz darauf, dabei gewesen zu sein, als er diesen Meilenstein erreicht hat“, sagte der 55-Jährige. „Denn er ist ein außergewöhnlicher Spieler, ein außergewöhnlicher Mensch und wesentlich für alles, was wir in den letzten Jahren erreicht haben.“

Mit dem FC Liverpool hat Milner u.a. die Meisterschaft, die Champions League und die Klub-WM gewonnen. Insgesamt bringt er es auf 832 Pflichtspiele und 61 Länderspiele. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Bereits letzten Sommer soll er zu reduzierten Bezügen verlängert haben.

(Photo by Harriet Lander/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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