Premier League Vorschau Teil 2: Manchester United, Brentford, Leicester, Brighton

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Am 13. August startet die Premier League mit dem Spiel zwischen Brentford und Arsenal in die neue Saison. Im zweiten Teil unserer großen Saisonvorschau stellen wir Manchester United, Aufsteiger Brentford, Leicester City und Brighton and Hove Albion vor. 

  • Manchester United will mit Sancho und Varane die Meisterschaft holen
  • Kann Leicester City endlich in die Champions League einziehen?
  • Brighton und Brentford werden zu den attraktivsten Teams der Liga gehören

Teil 1: Arsenal, Everton, Leeds United, Newcastle United

Manchester United (Letzte Saison: 2. Platz)

Starke Saison, die ungekrönt blieb

In der Liga etablierten sich die Red Devils früh als zweitbeste Mannschaft und konnten ohne Probleme die Vizemeisterschaft eintüten. In den Pokalwettbewerben war man lange dabei, nur um dann keine der drei Titelmöglichkeiten zu nutzen. Im League Cup verlor die Mannschaft von Trainer Ole Gunnar Solskjaer (48) im Halbfinale gegen Manchester City (0:2), im FA Cup im Viertelfinale gegen Leicester City (1:3).

Auf europäischem Parkett erreichte die Mannschaft, nachdem man in der Champions-League-Gruppephase an PSG und RB Leipzig gescheitert war, das Finale der Europa League. Dort verlor Manchester United in einem dramatischen Elfmeterschießen gegen den FC Villarreal (11:12). So unterlag man in allen drei Pokalwettbewerben dem späteren Sieger.

In der Spitze verstärkt

Der erste große Coup war die Verpflichtung von Jadon Sancho (21). Der Flügelspieler kam für 85 Millionen Euro von Borussia Dortmund und soll die rechte Außenbahn beleben. Und Sancho sollte nicht der einzige hochkarätige Neuzugang bleiben. Ende Juli gaben die Red Devils bekannt, dass Raphael Varane (28) die Mannschaft verstärken würde. Der Innenverteidiger kam von Real Madrid. Bei den Spaniern hatte der Franzose nur noch ein Jahr Vertrag und suchte nach all den Titeln bei den Königlichen eine neue Herausforderung. Durch die kurze Restvertragsdauer war Varane verhältnismäßig preiswert, 50 Millionen Euro musste Manchester United zahlen.

Stabile Defensive und vorne hilft die individuelle Qualität

Gespielt wird auch in der kommenden Saison zumeist im 4-2-3-1. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Defensive, offensiv soll hauptsächlich durch die individuelle Qualität der Spieler Gefahr erzeugt werden. Solskjaer hat seine Kompetenzen mehr im zwischenmenschlichen Bereich denn im taktischen.

Der Kader gibt dies auch her, er ist individuell fast allen anderen überlegen. Im Tor hat man mit Dean Henderson (24) und David de Gea (30) zwei Topleute. Henderson hat den Zweikampf um den Stammplatz im Frühjahr für sich entschieden. Vor Henderson ist man durch den Varane-Transfer nun auf jeder Position stark besetzt und konnte eine Schwachstelle schließen. Victor Lindelöf (27) ist kein schlechter Spieler, jedoch genügt er nicht den allerhöchsten Ansprüchen. Die übrige Abwehr mit Harry Maguire (28), Luke Shaw (26) sowie Aaron Wan-Bissaka (23) tut dies allerdings. Besonders Shaw erlebt seinen zweiten (oder dritten) Frühling.

Wenn es noch eine Schwachstelle gibt, dann wohl im defensiven Mittelfeld. Dort agierten in der letzten Saison zumeist Scott McTominay (24) und Fred (28). Beide sind gut, aber verfügen nicht über ein derart breites Skillset, wie es notwendig wäre. Nemanja Matic (33) ist inzwischen über seinem Zenit, Paul Pogba (28) und Donny van de Beek (24) sind offensiver ausgerichtet. Pogba könnte die Red Devils außerdem noch Richtung PSG verlassen. In der Offensive hingegen bleiben keine Wünsche offen. Neben Sancho stehen mit Bruno Fernandes (26) der in den letzten 18 Monaten wohl beste Spieler der Liga, Marcus Rashford (23), Mason Greenwood (19), Anthony Martial (25), Edinson Cavani (34), Daniel James (23) oder auch Amad Diallo (19) zur Verfügung. Eine individuell besser besetzte Offensive findet man nur schwer.

Player to watch: Jadon Sancho

Natürlich muss hier Sancho genannt werden. Der Flügelspieler ist DER Neuzugang der Premier League. Offensiv ist Sancho über jeden Zweifel erhaben und gehört wohl schon jetzt zu den zehn besten Außenbahnstürmern der Welt. In Dortmund legte der Youngster in 104 Spielen starke 89 Torbeteiligungen (38 Treffer, 51 Vorlagen) auf. Spannend wird hingegen zu sehen sein, wie sehr seine defensiven Defizite ins Gewicht fallen werden.

In der Nationalmannschaft ist dies der Hauptgrund, warum Trainer Gareth Southgate (50) häufig auf Sancho verzichtet. Solskjaer ist ebenfalls ein eher pragmatischer Trainer, dem Defensivarbeit auch der Offensivspieler wichtig ist. Fügt sich Sancho hier gut in die Mannschaft ein, wird er auf Anhieb funktionieren. Tut er dies nicht, könnte ihn ein schwieriges erstes Jahr erwarten, in dem er sich öfter als erwartet auf der Bank wiederfindet.

Prognose Manchester United

Die Red Devils werden auch in der kommenden Saison ein Favorit auf eine Top-4-Platzierung sein. Damit die Meisterschaft machbar ist, müssen die Konkurrenten Manchester City, Liverpool und Chelsea jedoch unter ihren Möglichkeiten bleiben, man selbst am oberen Limit spielen. Läuft alles normal, wird Manchester United wohl auf Platz drei oder vier einlaufen.

Brentford FC (Letzte Saison: 3. der Championship)

Endlich den Aufstieg geschafft

Was lange währt, wird endlich gut. Das dürfte man sich im Westen Londons am 29.05.2021 gedacht haben. An diesem Tag nämlich war klar, dass die zweijährige Jagd nach dem Aufstieg in die Premier League endlich erfolgreich sein würde. Im Finale der Championship Playoffs, das man ein Jahr zuvor noch nach Verlängerung gegen Fulham verloren hatte (1:2), setzte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Frank (47) mit 2:0 gegen Swansea City durch.

Photo: Mark D Fuller / Imago

Die Bees stellten mit 79 Toren in 46 Spielen den besten Angriff der Championship, dennoch reichte es am Ende nur für Platz drei, weshalb man sich in den Playoffs beweisen musste. Auf dem Weg zum ersten Aufstieg in die Premier League in ihrer Geschichte konnte dies den Verein jedoch nicht mehr aufhalten.

Gezielte Verstärkungen statt Radikalumbau

Den ersten Neuzugang des Sommers tüte Brentford erst Ende Juli ein. Mit Frank Onyeka (23) kam ein talentierter Mittelfeldspieler für zehn Millionen Euro aus Dänemark. Der Nigerianer fühlt sich im defensiven Mittelfeld am wohlsten, kann jedoch auch offensiver eingesetzt werden. Nur einen Tag später wurde der zweite Neuzugang verkündet, Innenverteidiger Kristoffer Ajer (23) wurde von Celtic Glasgow verpflichtet. Im Rennen um den Norweger setzen sich die Bees gegen Bayer 04 Leverkusen durch. Am heutigen Montag wurde noch eine dritte Verpflichtung bekannt gegeben. Der offensiv vielseitig einsetzbare Yoane Wissa (24) kam aus Lorient. Abgegeben wurden zwei Stammspieler. Rechtsverteidiger Henrik Dalsgaard (32) ging zurück in seine Heimat Dänemark, Emiliano Marcondes (26) schloss sich Bournemouth an.

Defensiv mit Schwachstellen

Taktisch wird es bei den Bees sehr wahrscheinlich auf ein 3-5-2 hinauslaufen. Ließ Frank seine Mannschaft über weite Strecken der letzten Saison im 4-3-3 spielen, etablierte sich das neue System im Saisonendspurt. Es passt auch deutlich besser zum vorhandenen Spielermaterial, vor allem im Angriff. Hier stehen deutlich mehr Zentrumstürmer als Außenstürmer zur Verfügung.

Im Tor steht mit David Raya (25) ein Mann, der in den letzten drei Jahren gezeigt hat, dass er einer der besten Keeper der Championship ist. Nicht umsonst wurde im Sommer 2020 über einen Abgang zu Arsenal spekuliert. Raya setzte zu Saisonbeginn sogar einige Spiele aus, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. Schlussendlich zerschlug sich der Transfer jedoch, Raya blieb und war ein sicherer Rückhalt.

In der Abwehr bestehen schon deutlich mehr Fragen über die Premier-League-Tauglichkeit. Kapitän Pontus Jansson (30), Mads Bech Sörensen (22) und Ethan Pinnock (28) haben kaum Erfahrung auf hohem Niveau, auch Ajer spielte bisher nur in seiner Heimat Norwegen und in Schottland. Der jamaikanische Nationalspieler Pinnock spielte vor drei Jahren sogar noch in der dritten englischen Liga.

Die größte Schwachstelle im Kader ist ohne Zweifel die Rechtsverteidigerposition. Mads Roerslev Rasmussen (22) ist talentiert, jedoch defensiv angreifbar. Rasmussen war der Hauptgrund, warum das System vergangene Saison umgestellt wurde. Sein Pendent Rico Henry (24) ist hingegen über jeden Zweifel erhaben und gehörte in den vergangenen beiden Jahren zu den besten Linksverteidigern der Championship.

Offensiv stark aufgestellt

Im Mittelfeld und im Angriff zeigte die Mannschaft in der abgelaufenen Saison, dass man sich mit dem vorhandenen Personal auch in der Premier League nicht verstecken muss. Im Mittelfeld sind neben dem deutschen U21-Europameister Vitaly Janelt (23) und Onyeka vor allem die beiden dänischen Nationalspieler Mathias Jensen (25) und Christian Nörgaard (27) absolute Leistungsträger. Dazu kommt mit Josh Dasilva (22) ein bei Arsenal bestens ausgebildeter Box-to-Box-Spieler, der vergangene Saison in 30 Spielen an neun Treffern direkt beteiligt war.

Im Angriff wird vieles auf Zweitliga-Torschützenkönig Ivan Toney (25) ankommen, wie gut er sich in der neuen Liga zurechtfindet. Daneben ist vor allem auf die hochtalentierten Bryan Mbeumo (22), Marcus Forss (22) und Halil Dervisoglu (21) zu achten.

Player to watch: Ivan Toney

Viele waren überrascht, als Bretford im Sommer 2020 über fünf Millionen Euro für einen Stürmer aus der dritten englischen Liga zahlte. Toney war gut, keine Frage, immerhin erzielte er für Peterborough United in der Saison 2019/20 24 Treffer in 32 Spielen. Jedoch konnte sich kam jemand vorstellen, dass der Stürmer Ollie Wakins (25) ersetzen könne, der zu Aston Villa abgewandert war.

Toney strafte die Kritiker Lügen und spielte eine herausragende Championship-Saison. 31 Tore und zehn Vorlagen sprechen eine klare Sprache. Nun wird es sich zeigen, ob er in der Premier League ebenso nahtlos an seine Leistungen anknüpfen kann, wie er es in der Championship konnte. Watkins war bei Villa vergangene Saison an 19 Treffern beteiligt, ähnliche Zahlen dürften wir auch von Toney erwarten.

Prognose Brentford

Durch die offensive Spielweise werden sie den ein oder anderen Gegner in der Frühphase der Saison überraschen können. Insgesamt ist nahezu alles möglich für die Bees, die Saison kann im Bestfall verlaufen wie die von Leeds United im letzten Jahr (Platz neun). Es kann jedoch auch überhaupt nicht funktionieren und man wird abgeschlagen Letzter wie Norwich City es vor zwei Jahren wurde. Wahrscheinlich ist, dass die Mannschaft sich lange im Abstiegskampf befinden wird, sich jedoch knapp retten kann.

Leicester City FC (Letzte Saison: 5.)

Einbruch kostet erneut die Champions League

Nachdem die Mannschaft von Brendan Rodgers (48) bereits in der Saison 2019/20 die Qualifikation für die Champions League in den letzten Saisonwochen verspielte, taten die Foxes dies auch in der Saison 2020/21. Nach 28 Spieltagen stand man auf Platz drei, hatte neun Punkte Vorsprung auf den Liverpool FC. Es reichte nicht, nach elf Punkten aus den letzten zehn Spielen lief man erneut auf Platz fünf ein und spielt somit „nur“ in der Europa League. Das Wort nur steht in Anführungsstrichen, da Platz fünf zu erreichen für einen Verein wie Leicester durchaus ein Erfolg ist. Wäre dieser große Vorsprung nicht gewesen, hätte man von einer erfolgreichen Saison gesprochen.

Erfolgreich war die Saison auch, weil die Foxes erstmals in ihrer Vereinsgeschichte den FA-Cup gewinnen konnten. Auf dem Weg ins Finale schlug man unter anderem Manchester United (3:1), ehe es in Wembley den vielumjubelten 1:0-Erfolg gab. Youri Tielemans (24) erzielte mit einem traumhaften Fernschuss den entscheidenden Treffer.

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Talent und Erfahrung dazu gewonnen

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Foxes eines der besten Transferfenster der Liga hatten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren musste man keinen Abgang eines Stammspielers verkraften, dafür kamen gleich drei Verstärkungen. Linksverteidiger Ryan Bertrand (32) kam aus Southampton, Mittelfeldspieler Boubakary Soumare (22) aus Lille und Stürmer Patson Daka (22) aus Salzburg.

Bertrand wird vor allem kurzfristig helfen. Der Engländer kennt die Liga gut. Die Verpflichtung soll vor allem den Ausfall von James Justin (23) kompensieren, der sich Mitte Februar das Kreuzband riss. Dass der Transfer ablösefrei war, weil Bertrands Vertrag in Southampton auslief, macht die Verpflichtung nochmal besser.

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Daka und Soumare werden in dem inzwischen extrem breit aufgestellten Kader genug Zeit bekommen, sich in der Liga zurechtzufinden. Das Potential, der Mannschaft zu helfen, haben sie allemal. Soumare wurde als Stammspieler französischer Meister, Daka erzielte in der abgelaufenen Saison in Österreich 27 Tore in 28 Spielen. Zusammen kosteten die beiden Neuzugänge überschaubare 50 Millionen Euro.

Ausgewogener Kader in Spitze und Breite

Wie bereits angesprochen ist der Kader von Leicester inzwischen extrem breit. Die Verpflichtung von Daka spricht für ein System mit zwei Spitzen. Jedoch ist auch ein 4-2-3-1 gut denkbar. Im Tor ist nach wie vor Kasper Schmeichel (34) gesetzt, sein Ersatzmann Danny Ward (28) hat bei der Europameisterschaft gezeigt, dass man sich auf ihn verlassen kann.

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In der Abwehr ist die Mannschaft aufgrund der Ausfälle von Justin und Wesley Fofana (20), der sich im Test gegen Villareal das Bein brach, etwas dünn besetzt. In der Innenverteidigung ist hinter Jonny Evans (33) und Caglar Söyüncü (25) nur noch Daniel Amarty (26) als Option im Kader. Außen sind neben Bertrand mit Ricardo Pereira (27), Timothy Castagne (25) und Luke Thomas (20) hingegen vier Hochkaräter im Kader. Vor allem Thomas dürfte den nächsten Schritt gehen, der Linksverteidiger gilt als hochtalentiert.

Auch im Mittelfeldzentrum ist jede Position doppelt besetzt. Neuzugang Soumare wird sich mit Wilfred Ndidi (24) auf der Sechs die Spielzeit teilen, daneben ist Tielemans (24) gesetzt. Als Option stehen außerdem noch Nampalys Mendy (29) und Dennis Praet (27) zur Verfügung. In der Offensive erlebten Kelechi Iheanacho (24) und bis zu seiner Verletzung auch Harvey Barnes (23) in der vergangenen Saison ihren Durchbruch, daneben stehen nach wie vor die beiden Meisterspieler Marc Albrighton (31) und Jamie Vardy (34) sowie James Maddison (24) und Ayoze Perez (27) im Kader.

Player to watch: Kelechi Iheanacho

Iheanacho galt zu Beginn seiner Karriere als großes Stürmertalent. Der Nigerianer durfte beim Manchester City noch vor seinem 20. Geburtstag 31 Spiele in der Premier League absolvieren. Dabei gelangen ihm zehn Tore. Im Januar 2017 verpflichtete Manchester City jedoch mit Gabriel Jesus (24) einen neuen Stürmer, Ihenachos Spielzeit wurde immer weniger. Folgerichtig verließ er Manchester im Sommer 2017. Für 27 Millionen schloss sich der Stürmer Leicester an. Dass man bei den Skyblues trotzdem weiter an ihn glaubte zeigt die Rückkaufoption über knapp 60 Millionen Euro, die man sich sicherte.

Photo: Paul Terry / Imago

In Leicester kam Iheanacho lange Zeit nicht an. Als zweiter Stürmer hinter Vardy war seine Einsatzzeit begrenzt, kaum einmal konnte er sich mit der Mannschaft einzuspielen. Neun Ligatore in drei Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Im letzten Jahr war es endlich soweit. Maddison und Barnes verletzten sich, Rodgers musste umdisponieren. Er stellte auf ein 3-5-2 um und  Iheanacho neben Vardy. Eine Entscheidung, die goldrichtig war. Vardy zog die Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich, Iheanacho konnte sich deutlich freier bewegen als als alleinige Spitze, und entsprechend stellte sich der Erfolg ein. In den letzten zwölf Spielen traf der Nigerianer elfmal. Und: Im Community Shield, dem englischen Supercup, erzielte er vom Punkt den Siegtreffer gegen Manchester City.  Wenn er diese Form in die neue Saison mitnehmen kann, wird er seinen Stammplatz so schnell nicht mehr abgeben.

Prognose Leicester

Trotz des starken Transfersommers ist die Kluft zu den ersten vier Mannschaften gefühlt größer geworden. Manchester United, Chelsea und Liverpool werden allesamt einen Schritt nach vorne machen, Manchester City scheint ohnehin uneinholbar. Es wird also extrem schwer, sich über die Liga für die Champions League zu qualifizieren. Vor allem, da bis zu sechs Spieler am Afrika-Cup teilnehmen und im Januar und Februar nicht zur Verfügung stehen könnten. Platz fünf sollte daher das Ziel sein. Eine zweite Möglichkeit auf die Königsklasse wäre der Gewinn der Europa League, hier sind die Foxes einer der Favoriten auf den Titel.

Brighton & Hove Albion (Letzte Saison: 16.)

Leistungen wie ein Topteam, Punkteausbeute wie ein Abstiegskandidat

Sieht man sich die Platzierungen seit dem Aufstieg an, könnte man denken, Brighton wäre ein klassisches Kellerkind. In den vier Jahren erreichte die Mannschaft nie mehr als 41 Punkte und schloss stets im unteren Tabellendrittel ab. Doch sieht man genauer hin, kann man die Entwicklung klar erkennen. Mit 40 Toren erzielte das Team von Graham Potter (46) die meisten der eigenen Premier-League-Geschichte, die 46 Gegentore waren gar der siebtbeste Wert der Liga.

Geht man etwas tiefer auf die Leistungen der Mannschaft ein als die reine Punkt- und Torausbeute, wird die positive Entwicklung noch deutlicher. In vielen Spiel der abgelaufenen Saison waren die Seagulls die überlegene Mannschaft, ließen extrem viele Chancen liegen und kassierten oftmals aus dem Nichts Gegentore. In der xG-Tabelle lag man auf Platz fünf.

Kader ausgedünnt und in der Spitze verstärkt

Lange passierte wenig auf dem Transfermarkt. Im Juli wurden dann die ersten Transfers festgezurrt. Enock Mwepu (23) kam von RB Salzburg. Der Sambianer ist ein Box-to-Box-Spieler, der im Mittelfeld viele Wege geht und sowohl offensiv als auch defensiv großen Einfluss nehmen kann. Als neuer Ersatztorwart wurde Kjell Scherpen (21) von Ajax verpflichtet. Der Niederländer soll in der kommenden Saison in den Pokalwettbewerben Spielpraxis sammeln und sich an die Spielweise gewöhnen.

Abgegeben wurden zunächst einige Spieler, die zuletzt kaum eine Rolle spielten. Mit den Abgängen wollte man vor allem Gehälter einsparen, nur eine Million Euro an Ablösesummen nahm Brighton ein. Der erste große Abgang war der von Ben White (23). Der Innenverteidiger wechselte für fast 60 Millionen Euro zum Arsenal FC. Der englische Nationalspieler wurde damit zum Rekordabgang in der Geschichte Brightons.

Breiter Kader mit zwei Schwachstellen

Zwei Baustellen haben die Seagulls. Es fehlt ein gelernter Linksverteidiger im Kader. Außerdem benötigt man für den nächsten Schritt einen echten Torjäger. Der Linksverteidiger ist aufgrund der Systematik nicht so entscheidend, denn Brighton spielte im vergangenen Jahr durchweg mit einer Dreierkette. In der Vorbereitung wurden zwar auch Aufstellungen mit vier Verteidigern ausprobiert, diese dürften jedoch nur im Notfall zum Einsatz kommen. Ein echter Torjäger ist hingegen unumgänglich. Danny Welbeck (30) und Neal Maupay (24) sind eher Arbeiter.

Abgesehen von diesen beiden Positionen ist der Kader breit aufgestellt. Auch die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern stimmt. In der Innenverteidigung trifft der Abgang Whites die Mannschaft nicht so hart, wie man denken könnte. White stand zwar in der vergangenen Saison fast immer auf dem Feld, das lag aber vor allem an zahlreichen Ausfällen. Sind alle Spieler fit, stehen mit Adam Webster (26), Joel Veltman (29) und Kapitän Lewis Dunk (29) Spieler zur Verfügung, die allesamt besser spielten als White. Als Backups stehen mit Shane Duffy (29) und Dan Burn (29) zwei gestandene Spieler bereit.

Auf den Außenverteidigerpositionen sind Tariq Lamptey (20) und Solly March (27) gesetzt. Beide fielen vergangene Saison lange aus. Sollten sie an ihr altes Leistungsniveau herankommen, hat Brighton offensiv eines der besten Außenverteidiger-Duos der gesamten Liga. Defensiv haben beide ihre Schwächen, in dem System mit drei Innenverteidigern fallen diese jedoch nicht so ins Gewicht.

Welche Talente machen den nächsten Sprung?

Im zentralen Mittelfeld ist die Mannschaft quantitativ überbesetzt. Mwepu dürfte zu Saisonbeginn etwas Eingewöhnungszeit bekommen, spätestens wenn er bereit ist, gibt es ein Hauen und Stechen um Spielzeit. Yves Bissouma (24) ist gesetzt, neben ihm können Pascal Groß (30), Adam Lallana (33) oder der polnische Nationalspieler Jakub Moder (22) agieren. Da Potter wohl nur mit zwei Mittelfeldspielern agieren lässt, ist für die genannten Spieler nur ein Platz frei.

Neben Moder und Lamptey hat Brighton noch einige weitere hochtalentierte Spieler im Kader. Mittelfeldmann Moises Caicedo (19) kam letzten Winter aus Ecuador und ist bereits Nationalspieler. Nach einem halben Jahr Eingewöhnungszeit dürfte er nun an die Mannschaft herangeführt werden. Mit Michal Karbownik (20), Aaron Connolly (21), Andi Zeqiri (22), Alexis Mac Allister (22) oder Steven Alzate (22) hat man weitere Talente, die bereits Nationalspieler sind und in der kommenden Saison den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gehen können.

Player to watch: Robert Sanchez

Innerhalb einer Saison hat sich Robert Sanchez (23) vom vierten Keeper zur Nummer 1 aufgeschwungen. Seine Leistungen waren so gut, dass er sich sogar einen Platz im spanischen EM-Kader sicherte. Unglaublich für einen Spieler, der in der Saison 2019/20 noch in die dritte englische Liga verliehen war. Seit der 1,97 Meter große Sanchez am 13. Spieltag ins Tor kam, kassierte Brighton nur noch 25 Gegentore und stellte die fünftbeste Abwehr.

Sanchez besitzt alle Fähigkeiten, die man als Torhüter benötigt. Er ist durch seine Größe stark darin, Flanken abzufangen sowie, sich bei Standards zu behaupten. Gegen Fernschüsse ist er nahezu unüberwindbar. Auch im eins gegen eins ist Sanchez stark. Dazu kommt eine für seine Größe ungeahnte fußballerische Stärke sowie eine für die Unerfahrenheit große Abgeklärtheit.

All diese Punkte werden dazu führen, dass Sanchez früher oder später bei einer Spitzenmannschaft spielen wird. Kommende Saison werden sich die Brighton-Fans jedoch noch über diesen enorm starken Keeper aus dem eigenen Nachwuchs freuen können. Sanchez hat seinen Vertrag erst im Februar bis 2025 verlängert.

Prognose Brighton

Bekommt Brighton es hin, die spielerische Stärke in Tore umzumünzen, dürfte es eine ruhigere Saison als in den letzten Jahren werden. Platz neun bis zwölf ist keinesfalls utopisch, wenn die Mannschaft ihre Chancen nutzt. Dazu wird das ein oder andere Talent den nächsten Schritt gehen. Brighton wird auch 2021/22 für neutrale Fans eine absolute Sehempfehlung bleiben.

Photo: Darren Staples / Imago

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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